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Wahlkampf à la Labour

Die Briten gelten in der Regel als marktfreundlich und offen. Wenn es um Märkte wie Energie, Finanzdienstleistungen oder Automobile geht, stimmt das auch. Beim kostbaren Gut Information ist es anders. Das wird nirgends so deutlich wie in der Politik, oder besser: Bei einigen Parteien.

Die Briten gelten in der Regel als marktfreundlich und offen. Wenn es um Märkte wie Energie, Finanzdienstleistungen oder Automobile geht, stimmt das auch. Beim kostbaren Gut Information ist es anders. Das wird nirgends so deutlich wie in der Politik, oder besser: Bei einigen Parteien.

Anfang April fiel der Startschuss für den Wahlkampf in Großbritannien. Seit dieser Zeit sind ausländische Medien von der zweiten oder dritten Beobachter-Reihe in die letzte zwangsversetzt worden. Nicht dass so etwas nicht verständlich wäre: Politiker bewerben sich um die Stimme ihrer Bürger. Ihre (Arbeits-) Zeit wird damit zu einer der wichtigsten Ressourcen. Geht es um deren Verteilung, haben nationale Medien Vorrang, weil sie Bürger mit den Botschaften der Politiker am ehesten erreichen.

Um Informationen von Zeit zu Zeit breiter zu streuen, haben sich Pressekonfernen bewährt. Bei den oppositionellen Konservativen und den Liberaldemokraten funktionert so etwas auch. Sie lassen Berichterstatter aus dem In- und Ausland, die sich akkreditiert haben, zu ihren regelmäßigen Pressekonferenzen zu - sofern der Platz ausreicht. Ausgerechnet bei der regierenden Labour-Partei ist das aber anders. Bei der jüngsten, als Pressekonferenz getarnten Verbrüderungsshow von Premier Tony Blair und seinem Schatzkanzler Gordon Brown, stellte die Partei ausländischen Berichterstattern ganze sechs bis acht Plätze zur Verfügung.

Praktisch wurden die Ausländer vor Ort abgewiesen. Selbst wer sich vor Wochen akkreditiert und das Losglück des Berichtenden hatte, wurde zurückgeschickt. Ein "fehlerhaftes" System sei der Grund, war der magere Grund. Auch im Nachhinein durfte niemand "aus Sicherheitsgründen" mehr hineingelassen werden - selbst der nicht, der seit Jahren über das Land berichtet, an früheren Labour-Veranstaltungen teilgenommen und dort alle Sicherheits-Checks gemacht oder gar Tony Blair persönlich getroffen hat. Die Angst vor "Terror-Journalisten" muss bei Labour sehr groß sein.

Ich persönlich hätte gerne gesehen, ob die Partei auch Mitarbeiter der heimischen BBC oder des britischen Massenblatts "Sun" so rüde an der Tür abweisen würde. So etwas hätte zumindest schnell Neuigkeiten über eine sehr interessante Informationspolitik der regierenden Partei unters Volk gebracht. Fraglich nur, ob die Politiker diese Botschaft wirklich verkünden wollen.

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