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Wahlkampf. Endlich.

Die beiden Kontrahenten reichten sich noch einmal die Hand. Angespannt wirken sie. Vom TV-Duell hängt viel ab, das wissen die Politprofis. Der Ring wird frei gegeben, der politische Schlagabtausch beginnt. Was tun gegen die Arbeitslosigkeit?


Die beiden Kontrahenten reichten sich noch einmal die Hand. Angespannt wirken sie. Vom TV-Duell hängt viel ab, das wissen die Politprofis. Der Ring wird frei gegeben, der politische Schlagabtausch beginnt.
Was tun gegen die Arbeitslosigkeit? Mehr Privatisierungen, Steuersenkungen? Die Parteiideologen haben ganze Arbeit geleistet, die eigene Parteilinie als einzig richtige herauszustellen. Und die beiden Streithähne kennen ihr Programm.
Es ist eine Richtungswahl. Nicht mehr, nicht weniger, eigentlich wie immer. Mehr Eigenverantwortung gegen eine noch stärkere staatliche Fürsorge. Bekannte Standpunkte. Doch dieses Mal ist es anders. Ein Wind der Veränderung bläst übers Land. Die bürgerlichen Parteien führen in Meinungsumfragen deutlich vor dem rot-rot-grünen Bündnis. Was, wie, wo? In Schweden.
Tatsächlich befindet sich das Land in der heißen Wahlkampfphase. Kaum eine Woche ohne neue Trendmeldungen in den großen Tageszeitungen. Wahlplakate verheißen gute Zeiten. Ein Fernseh-Duell zwischen dem sozialdemokratischen Regierungschef Göran Persson und dem konservativen Herausforderer Fredrik Reinfeldt, ein weiteres mit allen Parteivorsitzenden brachten Einschaltquoten wie zu Zeiten, als es nur ein einziges TV-Programm gab.
Nachdem die schwedischen Sozialdemokraten in den vergangenen sieben Jahrzehnten 60 Jahre an der Regierungsmacht waren, ist eine Wechselstimmung deutlichn spürbar. Zumal sich die bürgerlichen Oppositionsparteien erstmals seit langer Zeit auf eine gemeinsame Wahlplattform geeinigt haben. Reinfeldt, Vorsitzender der Konservativen, hat seine Partei zur Mitte geführt, vorbei scheinen die Zeiten, in denen Steuersenkungen das einzige Wahlversprechen waren. Heute klingt Reinfeldt wie der bessere Sozialdemokrat, setzt sich für die Erhaltung des umfassenden sozialen Schutznetzes ein.
Das kommt bei den Wählerinnen und Wählern an, denn in Schweden ist knapp jeder vierte direkt oder indirekt von den Steuereinnahmen des Staates abhängig: Sei es durch direkte Beihilfen oder eine Anstellung im öffentlichen Sektor. Wer sägt schon auf dem Ast, auf dem er selber sitzt? Und so konnten die bürgerlichen Parteien mit den Konservativen an der Spitze mit ihrer Steuersenkungspolitik nie einen Blumentopf gewinnen.
Es soll Zeitgenossen geben, die kommen ohne Wahlkampf nicht aus. News-Junkies, denen Meinungsumfragen, TV-Duelle und Wendegipfel ein undefinierbares Wohlgefühl geben. Ich gehöre dazu. Was haben wir uns in den vergangenen Wochen ergötzen können! Und nun? OK, Dresden war noch einmal Wahlkampf light, aber so richtig wollte sich die Stimmung nicht mehr einstellen. Wie privilegiert ist man da als Auslandskorrespondent. Ist das eine Polit-Scharmützel vorbei, wendet man sich dem nächsten zu.
Spannend wird er werden und lang. Die Demoskopen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus - im September 2006 in Schweden.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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