Wahlkampf im Nordosten
Von Roten umzingelt - Merkels Kampf ums Mandat

Zum vierten Mal will die CDU-Chefin ihren Wahlkreis gewinnen. Doch die Konkurrenz von SPD und PDS konnte in Deutschlands Nordosten zuletzt Erfolge erzielen.

dpa STRALSUND. An Angela Merkel und der CDU soll keiner vorbeikommen. Im Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom haben deshalb auch ihre Wahlkampfhelfer geschickt die Strandpromenade vor der Seebrücke mit Bühne und Sitzreihen versperrt. Das schafft zusätzlichen Zulauf. Die CDU-Bundeschefin kämpft in Deutschlands Nordosten um jede Stimme. Zum vierten Mal hintereinander will sie bei der Bundestagswahl am 22. September ihren Wahlkreis Stralsund/Rügen/Nordvorpommern gewinnen und auch der Landes-CDU bei der zeitgleichen Landtagswahl Schützehilfe leisten.

Doch in der Region hat zuletzt die PDS die größten Erfolge eingefahren. Die Sozialisten, seit der Landtagswahl 1998 Koalitionspartner der SPD in Mecklenburg-Vorpommern, brachten im traditionell "schwarzen" Landesteil Vorpommern im vorigen Jahr erstmals ihre Kandidaten für die Landratswahl durch. Die beiden größten deutschen Urlauberinseln werden von PDS-Politikerinnen regiert. Merkel lässt die roten Socken im Schrank und macht stattdessen Witze über die realsozialistische Vergangenheit. Das bringt ihr Lacher beim Publikum ein.

Ob sich diese Art der Auseinandersetzung mit den SED-Erben auch in Stimmen bei der Wahl auszahlt, wird sich zeigen. 1990 und 1994 hatte Merkel 47 und 48,6 % der Wähler für sich gewinnen können, mehr als SPD und PDS zusammen erreichten. 1998 dann, als Merkel mit 37,3 % zwar immer noch als Direktkandidatin in den Bundestag einzog, war der Vorsprung zum SPD-Kandidaten auf sechs Punkte geschmolzen.

Merkels Gegenspieler von SPD und PDS versuchen ihren Heimvorteil zu nutzen. Denn im Gegensatz zur CDU-Chefin wohnen sie auch in ihrem Wahlkreis und haben keine bundespolitischen Termine wahrzunehmen. "Ich bin jetzt häufig im Land unterwegs. Von der CDU und Frau Merkel habe ich noch nicht viel gesehen", sagt der in Nordvorpommern lebende PDS-Landeschef Peter Ritter.

PDS-Kandidatin Angelika Bückner mag zwar vor Ort sein, aber von der Popularität Merkels, die den CDU-Landesverband viele Jahre führte, ist sie noch weit entfernt. Wie auch SPD-Kandidat Rüdiger Lösekrug, der für Vorpommern "eine bessere Vertretung in Berlin" fordert. Dennoch: Von alleine, darüber scheint sich die frühere Bundesministerin Merkel im Klaren zu sein, wird sie den Wahlkreis nicht gewinnen. Rainer Holznagel vom CDU-Landesverband hat daher schon weitere Wahlkampftermine Merkels noch kurz vor dem Wahltag angekündigt.

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