Wahlkampf in Frankreich
Der sichtbare Unterschied

Ségolène Royal, Laurent Fabius und Dominique Strauss-Khan haben einiges gemeinsam: Alle drei sind Mitglied der französischen Sozialisten und alle drei wollen bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen ins höchste Staatsamt gewählt werden.

PARIS. Die Königin der französischen Meinungsumfragen wirkt anfangs etwas nervös. Stocksteif steht Ségolène Royal hinter ihrem Rednerpult, die Arme an den Körper gepresst, den Blick starr nach vorn gerichtet. "Warum wollen Sie französische Staatspräsidentin werden?", fragt die Moderatorin. "Weil ich die Linke zum Sieg und Frankreich zum Erfolg führen will", antwortet die Sozialistin ohne Umschweife.

Den Wunsch hegt Royal nicht allein. Auch ihre Parteifreunde Dominique Strauss-Kahn und Laurent Fabius streben nach dem höchsten Amt im Staate. Die drei Kontrahenten hatten am Dienstagabend eine gemeinsame TV-Premiere: Erstmals in der Geschichte der fünften Republik traten sozialistische Präsidentschaftskandidaten im Fernsehen life gegeneinander an.

Es hätte ein Schlachtfest der Männer werden können - mit der Dame auf der Schlachtbank. Denn die grauen Eminenzen der Parti Socialiste (PS) haben sich immer noch nicht damit abgefunden, dass Royal zu Jahresbeginn völlig überraschend aus der zweiten Reihe nach vorn preschte, ihren Anspruch auf die Präsidentschaftskandidatur anmeldete und seitdem unangefochten die Popularitätsrangliste der PS anführt.

Hinter den Mauern der Pariser Parteizentrale wird Royal von vielen als "politische Null" abqualifiziert. Nur zu gerne hätten Fabius und Strauss-Kahn die Konkurrentin vor laufenden Kameras mit ähnlichen Gemeinheiten traktiert. PS-Chef und Royals Lebensgefährte Francois Hollande hielt deshalb eine Warnung für angebracht: "Wer sich schlecht benimmt, der wird anschließend vom Wähler bestraft", sagte er.

Die Herren, beide seriös anzuschauen mit ihren dunklen Anzügen und dezent gemusterten Krawatten, bleiben also höflich. Artig begrüßen beide die Genossin, und Strauss-Kahn nimmt sogar mehrfach Bezug auf ihre Argumente: "Ségolène Royal hat recht." Ganz anders die in einen zartlilafarbenen Zweiteiler gekleidete Dame. Royal verzichtet auf eine Begrüßung und tut anschließend so, als wäre sie mit den beiden Moderatoren allein im Studio. 100 Sendeminuten würdigt sie ihre Mitdiskutanten keines Blickes und nimmt ihre Namen kein einziges Mal in den Mund. "Ségolène hat sehr große Distanz gewahrt. Sie ist anders als die anderen", freut sich anschließend einer ihrer Anhänger.

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