Wahlkampf kurz unterbrochen
Obama trauert um seine Großmutter

Vor mehreren zehntausend Menschen in Charlotte hat Barack Obama unter Tränen der Frau gedacht, bei der er zeitweise aufwuchs und die der US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten als einen der einflussreichsten Menschen in seinem Leben bezeichnete: seiner geliebten Großmutter. Madelyn Payne Dunham starb am Sonntagabend im Alter von 86 Jahren auf Hawaii.

HB HONOLULU. „Sie war der Eckstein unserer Familie und eine Frau von außergewöhnlicher Leistung, Stärke und Bescheidenheit“, erklärte Obama am Montag. „Sie war die Person, die uns Mut gemacht hat.“ Obama unterbrach seinen Wahlkampf in North Carolina, um die gemeinsam mit seiner Schwester Maya Soetoro-Ng verfasste Nachricht vom Tod der Großmutter bekanntzugeben.

Auf der Wahlkampfveranstaltung in in Charlotte sagte Obama später „Sie ist heimgegangen“. Mit diesen Worten versetzte er die Menge mit einer emotionalen Ansprache in eine ungewohnte Stille. Seine Großmutter habe zu den zahllosen stillen Helden Amerikas gehört, die sich aufopferungsvoll für ihre Kinder und Enkel einsetzten, sagte Obama und fügte hinzu: „In nur einem Tag haben wir die Gelegenheit, all diese stillen Helden zu ehren. Wir können den Wechsel für Amerika bringen um sicherzustellen, dass ihre Arbeit und ihr Opfer Anerkennung finden.“

„Toot“, wie Obama die Oma in Anlehnung an das hawaiianische Wort für Großmutter (“Tutu“) nannte, habe die Große Depression und den Zweiten Weltkrieg erlebt. Sie habe am Fließband für die Kriegindustrie arbeiten müssen, während ihr Mann in den Kampf zog und sie ein kleines Baby zuhause zu versorgen hatte. Jetzt sei sie friedlich eingeschlafen, sagte Obama. Seine Schwester sei am Sterbebett gewesen.

Der Senator hatte im Oktober seinen Wahlkampf kurz unterbrochen, um an das Krankenbett seiner an Krebs leidenden Großmutter zu eilen. Die Entscheidung sei klar gewesen, sagte er damals: Als seine Mutter 1995 starb, sei er zu spät gekommen. Zum Abschluss des Wahlkampfs ist nach Angaben der Familie eine private Trauerfeier geplant.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain kondolierte dem politischen Gegner. Zusammen mit seiner Frau Cindy veröffentlichte er eine Erklärung mit den Worten: „Unsere Gedanken und Gebete gehen hinaus zu ihnen.“ Obama dankte McCain für sein Mitgefühl.

In Honolulu sagte der demokratische Abgeordnete Marcus Oshiro, alle hätten gehofft, dass Obamas Großmutter noch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl hätte miterleben können. In Erwartung eines Wahlsiegs Obamas sagte Oshiro: „Was wird das für ihn ein bittersüßer Sieg werden.“

Die in Kansas geborene Madelyn Payne Dunham und ihr Mann Stanley zogen ihren Enkel mehrere Jahre auf, so dass er in Honolulu auf die Schule gehen konnte, während ihre Tochter im Ausland lebte. Obama hat wiederholt erklärt, dass seine Großmutter einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung seiner persönlichen Weltanschauung genommen habe.

Auf Hawaii hatte Obamas Mutter Stanley Ann seinen aus Kenia stammenden Vater Barack Hussein Obama kennengelernt.

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