Wahlkampf statt Tatort
TV-Duell: Auf zur zweiten Runde

Noch einmal treffen Schröder und Stoiber vor den Fernsehkameras aufeinander. Noch ist fraglich, ob das Interesse diesmal wieder so groß sein wird wie beim ersten Duell.

dpa BERLIN. Ring frei für das finale TV-Duell: Anstelle des "Tatort"-Krimis oder einer neuen Rosamunde-Pilcher-Folge sollen in ARD und ZDF diesmal Gerhard Schröder und Edmund Stoiber für Spitzenquoten sorgen. Die beiden werden auf jeden Fall wieder unter sich sein. Ein drittes Pult braucht nicht bereit stehen. Den "Dreier" vor der Kamera, den sich Guido Westerwelle erstreiten wollte, verwehrte dem FDP -"Kanzlerkandidaten" auch das Bundesverfassungsgericht.

Sabine Christiansen und Maybrit Illner müssen sich anstrengen, die Quote, die ihre beiden Kollegen bei der Premiere vorgelegt haben, zu übertreffen. Mehr als 15 Mill. Zuschauer sind eine hohe Messlatte. Ob sich nach dem wenig spektakulären Verlauf des ersten Treffens noch einmal so viele Neugierige vor den Bildschirm locken lassen, ist keineswegs sicher. Einige Medienexperten halten es ohnehin für einen taktischen Fehler, dass die Öffentlich-Rechtlichen die Erstausstrahlung eines solchen Kandidatenduells in Deutschland den privaten Kanälen überlassen haben. Dank dieses Vortritts konnten RTL und SAT.1 wochenlang im eigenen Interesse die Erwartungen tüchtig anheizen. Dass auch noch eine zweite Runde ansteht, fiel dabei manchmal unter den Tisch.

Der wichtige Neuigkeitswert des Duells für das TV-Publikum ist jedenfalls nicht mehr da. Auch das Gefühl von gepflegter Langeweile, das beim Auftaktduell viele Zuschauer überkam, könnte dazu führen, dass an diesem Sonntagabend vor zwei Wochen Enttäuschte auf einen anderen Sendeknopf drücken.

Die meisten Reaktionen auf den ersten Auftritt waren wenig berauschend: "Für mich waren das schockgefrostete Gestalten, es gab gar keinen Funkenflug", lautete etwa das eindeutige Urteil von Hiltrud Schröder. Mit dieser Meinung stand die Ex-Ehefrau des Kanzlers nicht allein. Auch viele professionelle Medienbeobachter machten für die als ziemlich mühsam empfundene Eröffnungspartie vor allem das enge Korsett der Veranstaltung verantwortlich. Die SPD nörgelte an den zu starren Regeln herum, die ihre Unterhändler aber schließlich selbst mit ausgehandelt hatten. Versuche, daran nachträglich noch etwas zu ändern, stießen auf Granit. Die Union sah keinen Grund, von den Verabredungen abzurücken.

Mit harten Bandagen wurde der Kampf um den Sieger und den Verlierer der Premiere geführt. Das wird nach dem nächsten Sonntag kaum anders sein. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer drohte Forsa-Chef Manfred Güllner gar mit Auftragsboykott im Falle eines Wahlsiegs, weil dessen Institut den Kanzler deutlich vorn sah.

Seriöser als Blitzumfragen geben wohl die jetzt vorliegenden Umfragen der Meinungsforscher einigen Aufschluss, wer denn tatsächlich nun "besser" war. Laut jüngstem ZDF-Politbarometer glauben 42 %, dass sich beide ein Unentschieden geliefert haben. 21 % sahen den Kanzler vorn, ein Prozentpunkt weniger den Herausforder. Richtige Wirkung hatte das Duell offenbar kaum. Schröder behauptete jedenfalls im Direktvergleich zu Stoiber seinen klaren Vorsprung in der Kanzlerfrage.

Die beiden Moderatorinnen haben es nun in der Hand, am Sonntagabend nun für etwas mehr Pep zu sorgen, um ihre bei der Premiere oft nur mit der Stoppuhr beschäftigten männlichen TV- Kollegen auszustechen. Die Programmverantwortlichen von ARD und ZDF trauen den beiden jedenfalls zu, "überraschend und intelligent" nachzufragen, damit diesmal zumindest in Ansätzen ein Dialog zustande kommt. Möglichst verhindert werden soll diesmal, dass einstudierte Satzfolgen einfach abgespult werden, ohne auf die gestellten Fragen überhaupt einzugehen. Da beim Auftakt der Privaten schon fast alles, was sonst routinemäßig immer gefragt wird, abgeräumt wurde, gibt es beim Finale eigentlich auch genügend Platz für Überraschungseffekte.

Ob Schröder und Stoiber am Sonntag ihre Taktik ändern werden? Es werde sicher "etwas munterer" zugehen, verspricht zumindest der Kanzler, der im Gegensatz zum Herausforderer mit seinem ersten Auftritt nicht ganz zufrieden war. In Anspielung auf die aufwendige Vorbereitung Stoibers gibt es für Schröder aber auch bis Sonntag keinen Grund, noch TV-Nachhilfeunterricht zu nehmen: "Ich habe nicht die Absicht, ins Trainingslager zu gehen."

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