Wahlkampfspiele im Internet
Schröder, Stoiber und das Kandigotchi

Der Kampf der Kandidaten findet auch im Netz Widerhall. Etliche Spielchen - mal mehr, mal weniger lustig - erheitern die Nutzer.

rtr BERLIN. Greifen sich Politiker in Wirklichkeit nur verbal an, so geht es zurzeit im virtuellen Wahlkampf oft richtig zur Sache: Internet-Spiele rund um den Countdown bis zur Bundestagswahl am 22. September lassen Fäuste fliegen oder stellen das Geschick der Spitzenkandidaten auf eine harte Probe.

Wem das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinem Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) vor gut einer Woche zu wenig Schlagkraft bot, kann beim Webauftritt des privaten Fernsehsenders RTL die beiden Politiker in den Boxring schicken. Der User kämpft als Schröder in roten Fäustlingen oder als Stoiber mit schwarzen Handschuhen und lässt sich von Nummerngirls wie CDU-Parteichefin Angela Merkel oder Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) die Rundenzahl anzeigen. Weicht die boxende Kanzlerfigur den Hieben des bayerischen Ministerpräsidenten unter www.rtl.de/comedy/kanzlerboxen/ ungeschickt aus, wird er nach dem K.o. von Ringrichter Gregor Gysi (PDS) ausgezählt.

Surfer, die Schröder und Stoiber lieber reden hören, ernennen sich unter www.kanzlerdireinen.de von der "Berliner Zeitung" zu deren Redenschreibern. Aus verschiedenen Kernaussagen kann eine typische Ansprache des Kanzlers zusammengestellt werden, der sich etwa einen Weinkeller in die Parteizentrale wünscht. Stoiber verspricht unter anderem, telepathischen Kontakt zum verstorbenen CSU-Politiker Franz-Josef Strauß aufzunehmen. Eines ist den Vorträgen, die per E-mail verschickt werden können, aber gemein: Beiden Politikern fällt ein blau-gelb-bemützter FDP-Chef Guido Westerwelle ins Wort. Die "Süddeutsche Zeitung" schickt hingegen "Gerd und Ede" zur Wahlkampftour durch alle Bundesländer: Wie der Computerspiel-Klassiker "PacMan" müssen die Streiter ums Kanzleramt beim "Wahlfang" so viel Stimmen wie möglich zu ergattern - "Monster" (Politiker anderer Parteien) hindern sie aber immer wieder daran. Ziel unter der Rubrik Kultur auf www.sueddeutsche.de ist es, in die Hochburgen einzudringen, um dort für Parteispenden zu werben.

Kandigotchi will umsorgt werden

Schon längst kein Geheimtipp mehr im Netz ist der Kanzlergenerator der Düsseldorfer Web-Agentur zellteilung. Mittlerweile erscheint beim Internet-Suchdienst yahoo! die XXL-Version, bei der sich der Wähler beim Klang der Nationalhymne seinen Lieblingskanzler als eine Art Phantombild aus Merkmalen verschiedener Politiker zusammen setzen kann. Möglich sind 3 125 Varianten. Die einfache Version mit 256 potenziellen Kanzlerkandidaten kann kostenlos unter www.zellteilung.de heruntergeladen werden. Beim ZDF (www.zdf.de) ist ein vertrauliches Verhältnis zu den Politikern wichtig: das persönlich zu betreuende "Kandigotchi" möchte bis zum Wahltermin mit Lob, Wahlkampftouren, TV-Auftritten oder Imbissen versorgt werden. Wer dem an das japanische Taschencomputerspiel "Tamagotchi" angelehnten virtuellen Politiker die beste Wahlkampfstütze ist, gewinnt nach dem 22. September einen tragbaren Computer.

Auch die Parteien selbst sparen nicht mit Hohn und Spott, der sich ausschließlich auf ihre politischen Gegner bezieht. Unter www.nicht-regierungsfaehig.de tanzt der Unionskanzlerkandidat Stoiber beim "Bundescasting" im angesagten Trainingsanzug und Trachtenhut zu der von Diskjockey Merkel aufgelegten Musik. Wem die Showeinlage nicht gefällt, kann die beiden Unionspolitiker mit einem Klick Tomaten auf die Bühne werfen.

Auch das Guidomobil von FDP-Kanzlerkandidat Westerwelle ist ist im Netz noch immer unermüdlich unterwegs, obwohl dieser im echten Leben bereits wieder in die Garage steht. Ebenfalls wie "PacMan" frisst es sich unter www.achtzehnzweitausendzwei.de durch ein Labyrinth. Die SPD leiht sich das blau-gelbe Wohnmobil für ihre Zwecke im Web aus. Dabei kommt es allerdings auf dem Weg nach Berlin ins Stocken, weil Fahrer Guido der Fallschirm von FDP-Vize Jürgen Möllemann in die Windschutzscheibe fliegt und das Gefährt schließlich auseinander fällt.

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