Wahlkommission will manuelle Stimmenauszählung in ganz Florida
Den Technologiebörsen fehlt der Halt

Langfristig geben Analysten jedoch Entwarnung - Vor allem europäische Bankhäuser sind davon überzeugt, dass die Aktienkurse nicht weiter fallen: "Wer verunsichert ist, der hat verkauft."

HB NEW YORK/LONDON. Die US-Präsidentenwahl hat den Börsen nicht den erhofften Halt geben können. In den USA und Deutschland stürzten die Wachstumsbörsen Nasdaq und Neuer Markt auf Jahrestiefststände. Belastet wurden sie vor allem durch eine Umsatzwarnung des Computerherstellers Dell und eine Herabstufung des Chipherstellers Intel. Die Nasdaq-Schwergewichte verloren 19 und 10,5 % an Wert. Daneben verunsicherte die Unklarheit über das Ergebnis der US-Wahl die Börsianer.

Analysten stuften in einer Handelsblatt-Umfrage das Risiko für eine anhaltende Börsenschwäche aber als gering ein. "Die kurzfristigen Auswirkungen dürften gar nicht so groß sein", erklärte Merrill-Lynch-Chefvolkswirt Holger Schmieding. Längerfristig sei die Situation sogar positiv: Der Sieger werde kein starkes Mandat haben. Deshalb bleibe es bei den hohen US-Haushaltsüberschüssen. "Die eigentliche Botschaft ist: Die erfolgreiche Wirtschaftspolitik wird fortgesetzt", sagte Schmieding.

An den großen Einbruch an den Börsen glaubt auch Hasan Tevfik von Credit Suisse First Boston nicht. Die Unsicherheit nach dem unklaren Ausgang der US-Wahl werde nicht lange anhalten. "Bis Jahresende kann es dadurch noch die eine oder andere Kursrally an den Börsen geben", sagte Tevfik. Vor allem europäische Bankhäuser sind davon überzeugt, dass die Aktienkurse nicht weiter fallen. "Wer verunsichert ist, der hat verkauft", meinte Technologieexperte André Jäkel von der BHF-Bank.

Dagegen fürchtet das amerikanische Investmenthaus Salomon Smith Barney langfristige Auswirkungen auf Grund der Wahlwirren. "Wir sehen jetzt ziemlich albern aus", kommentierte Analyst John Manley die Situation, "wir könnten das Vertrauen der ausländischen Investoren verlieren." In Kombination mit allen anderen Faktoren bewege sich die US-Wirtschaft jetzt auf eine Rezession zu. "Aber wir werden nicht allein gelassen, die Zentralbank sieht das auch und wird mit Sicherheit gegensteuern."

Unterdessen sprach sich gestern die Wahlkommission von Palm Beach dafür aus, die Stimmen im gesamten US-Bundesstaat Florida manuell auszählen zu lassen. Stichproben hatten Abweichungen vom maschinellen Ergebnis gezeigt. Demnach kam der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore auf 33 zusätzliche Stimmen, sein republikanischer Konkurrent George W. Bush auf 14. Die Republikaner reichten eine einstweilige Verfügung ein, um die manuelle Auszählung zu verhindern. In Miami tauchten Urnen mit noch nicht ausgezählten Stimmen auf.

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