Wahlsieg der rot-grünen Koalition weckt neue Hoffnungen für die Branche
Windkraftbetreiber atmen auf

Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün atmet die Branche der Windkraftanlagen-Betreiber auf. Zumindest die gesetzlichen Grundlagen, die das Überleben der alternativen Energielieferanten sichern, bleiben den Firmen erhalten. Doch scharfen Gegenwind spüren die Windparks nun aus der Richtung ihrer Versicherer.

HAMBURG. "Das Positive ist, dass uns nichts Negatives erwartet", untertreibt Dietmar Kestner seine Hoffnungen, die sich mit dem Wahlsieg der rot-grünen Regierungskoalition verbinden. Der Vorstandschef der Nordex AG in Norderstedt ist längst nicht der einzige, der sich nach dem für Rot-Grün erfolgreichen Bundestagswahlkampf neuen Rückenwind aus Berlin verspricht. Wolfgang von Geldern, Vorstandschef des Windparkbetreibers Plambeck Neue Energien AG, Cuxhaven, bringt es auf den Punkt: "Das Ergebnis der Wahl ist ein klares Signal für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und im Ausland."

Das von der Regierungskoalition geschaffene Gesetz über den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) sieht Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender von Repower, als Existenzgrundlage der gesamten Branche. Es regelt die Einspeisung von Windstrom und garantiert den Stromlieferanten feste Abnahmepreise. Damit die Branche auf die im EEG zugesicherten Subventionen verzichten kann, müssen die Produktionskosten von jetzt 9 Cent pro Kilowattstunde auf 6 Cent reduziert werden, betont Fahrenholt. Dies sei bis zum Jahr 2012 realistisch.

Jährlich 40 % Wachstum in der Branche

Gestützt wird die Branche von der Prognose des europäischen Windenergieverbandes, nach der die Windenergie-Industrie jährlich um 40 % wächst. Danach könne sie bis zum Jahr 2020 etwa 12 % des weltweiten Strombedarfs decken. Nach den Angaben werden 80 % aller weltweit verkauften Windturbinen in Europa produziert.

Unbill droht der Windbranche allerdings durch die Versicherungen. Beitragserhöhungen und verstärkte Selbstbeteiligung werden bei der Maschinenunterbrechungs- und der Maschinenbruchversicherung diskutiert und bei Neuanlagen bereits durchgesetzt.

Treiber der Aktion ist, wie aus der Windkraftbranche zu hören ist, die Allianz. Vom Münchener Versicherungsriesen war hierzu allerdings keine Stellungnahme zu erhalten.

Versicherungswirtschaft prüft Schadenshäufigkeit

Nach den Beobachtungen von Ian Grimble vom Umweltkontor Renewable Energy AG, Erkelenz, werden seit drei Monaten für Neuanlagen die Prämien in beiden Versicherungskategorien um 50 bis 100 % angehoben. Grimble rechnet damit, dass die Versicherer auch die Prämien bestehender Rahmenverträge erhöhen werden, wenn ihre Laufzeiten enden.

Offensichtlich überprüft die Versicherungswirtschaft die Schadenhäufigkeit der einzelnen Hersteller und Anlagentypen. Danach sollen die Selbstbehalte in der Maschinenbruchversicherung angepasst werden. Nach Informationen des Handelsblatt wird diskutiert, die Selbstbehalte auf mindestens 10 % jeden Schadens und bis maximal 5 000 Euro je Schadensfall anzuheben. Bisher lag der Selbstbehalt bei 1 000 bis 2 000 Euro je Schadenfall.

Bei der Betriebsunterbrechungsversicherung, die bisher am dritten Tag nach Eintritt des Schadens griff, soll die Wartezeit bis zum Eintritt der Versicherung auf fünf bis maximal sogar 14 Tage je nach Hersteller und Typ der Windkraftanlage gestreckt werden. Ergänzt werden diese Pläne durch die Einführung eines Selbstbehalts von 10 % des Tagesausfalls.

Disziplinierung durch eine Instandhaltungsklausel

Schließlich will die Assekuranz die Windparkbetreiber durch die Einführung einer Instandhaltungsklausel disziplinieren. Danach müssen wesentliche Anlagenteile, wie Getriebe oder Flügel, nach 40 000 Betriebsstunden auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft und Bauteile mit begrenzter Haltbarkeit ausgewechselt werden. Dahinter steht die Erfahrung der Versicherer, dass viele Bauteile mit Auslaufen der Garantiezeit gleich zu Bruch gehen.

Zum harten Kurs der Versicherungen dürften auch die Erfahrungen mit dem 2001 in Konkurs gegangenen Anlagenkonstrukteur Frisia beigetragen haben. Von den rund 135 Frisia-Anlagen mussten 80 Maschinen, die in den neuen Bundesländern in Parks stehen, wegen Konstruktionsmängeln stillgelegt werden.

Die Commerzbank, die an der Finanzierung von Frisia-Anlagen-Windparks beteiligt war, bemüht sich nach Angaben ihres Sprechers Peter Pietsch um eine Lösung. Allerdings zeigen sich die Anlagenbauer zurückhaltend bei der Reparatur der defekten Windmühlen, um nicht eine neue Gewährleistung übernehmen zu müssen.

Quelle: Handelsblatt

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