Wahlsieg von Mugabe in Simbabwe belastet den Kurs des südafrikanischen Rands
Goldaktien profitieren von schwacher Währung

Mit großer Besorgnis verfolgen die Anleger in Südafrika derzeit die Ereignisse im benachbarten Simbabwe. Südafrika leidet als direkter Nachbar unter der selbstzerstörerischen Politik von Simbabwe. "Beide Länder werden über einen Kamm geschoren", sagt Konrad Reuss von der Ratingagentur Standard & Poor?s, "vor allem internationale Investoren können oft nur schwer differenzieren."

JOHANNESBURG. Ein Indiz dafür ist der starke Fall der südafrikanischen Währung Rand nach der Bekanntgabe des Wahlsiegs von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Der Druck auf den Rand habe die Zentralbank zu einer Erhöhung der Leitzinsen auf 11,5 % gezwungen, sagt Iraj Abedian, Chefökonom der Standard Bank.

Paradoxerweise hat der Verfall des Rands in den vergangenen drei Monaten dem Aktienmarkt am Kap neue Impulse gegeben: Zwischen Oktober und Januar kletterte die Johannesburg Stock Exchange (JSE) auf Randbasis um rund 30 %. Gemessen am Dollar verzeichnete die Johannesburger Börse im gleichen Zeitraum hingegen ein Minus von fast 20 % - ein Indiz dafür, dass der Anstieg fast ausschließlich lokalen Anlegern zugute kam.

Der Grund für den Aufschwung der JSE liegt im starken Abschneiden der "Rand Hedges" - Aktien von Unternehmen, die einen großen Teil ihrer Einkünfte in harter Währung verdienen, aber in Südafrika notiert sind und damit eine Absicherung gegen den Verfall der Lokalwährung bieten. "Sollte es in den nächsten Wochen zu einem weiteren Anstieg der Leitzinsen kommen und der Druck auf den Rand andauern, dürften die Rand Hedges trotz ihrer bereits hohen Bewertung auch künftig zu den Gewinnern gehören", meint David Galloway, Aktienstratege bei SCMB Securities.

Weitere Rückschläge drohen

Die jüngsten Entwicklungen deuten in diese Richtung: Obwohl die meisten Analysten für dieses Jahr eine Stabilisierung des Rands erwarten, drohen der Währung durch Liquiditätsengpässe im Devisenmarkt und eine mögliche Eskalation der Lage in Simbabwe weitere Rückschläge. Hinzu kommt, dass die südafrikanische Zentralbank ihre für 2002 veranschlagte Inflationsvorgabe von 6 % wegen des Währungsverfalls und der verteuerten Importe nicht erreichen wird. Allgemein wird mit einem Anstieg der Inflation von 6,3 % auf rund 8,5 % gerechnet. Ebenso groß ist am Kap die Sorge, die Zentralbank könne mit einer zu strikten Geldpolitik das ohnehin schon geringe Wirtschaftswachstum drosseln.

Die Goldfirmen, die besonders vom schwachen Rand profitiert haben, kann ein solches Szenario indes nicht schrecken. Fast alle haben bei der Vorlage ihrer jüngsten Ergebnisse Rekordgewinne gemeldet, weil sie für ihre Exportprodukte Dollar erhalten, ihre Lohn- und Produktionskosten aber meist in Rand abrechnen. Kein Wunder, dass die Rohstofftitel dank ihrer gestiegenen Kurse wieder einen Anteil von 45 % am Index der JSE haben. An zweiter Stelle folgen die Finanztitel, deren Anteil auf unter 25 % geschrumpft ist.

Industrie- und Finanzwerte profitieren von Aufschwung

Obwohl die JSE mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,5 im internationalen Vergleich als billig gilt, ist Vorsicht geboten. Dies liegt zum einen daran, dass Goldwerte wie Harmony und Gold Fields mit einem KGV von 25 bzw. 43 als weitgehend ausgereizt gelten. Daneben mahnt das wirtschaftliche Umfeld zur Zurückhaltung. "Viele wirtschaftliche Schlüsseldaten sind wegen der Unsicherheit im Zinsbereich nur schwer vorherzusagen", sagt Portfoliomanager Alwyn van der Merwe vom Vermögensverwalter Old Mutual.

Wenn sich die Wirtschaft stabilisiert, dürften vor allem die Industrie- und Finanzwerte profitieren. "Sollte der Rand hingegen weiter unter Druck bleiben, dürfte es - wie in den letzten Monaten - zu einem weiteren Anstieg der Rohstoffwerte kommen, wenn auch in engeren Grenzen", sagt van der Merwe. Ausländische Investoren würden davon aber wegen der Währungsverluste weniger stark profitieren. Sie sollten deshalb darauf warten, ob die Dauerkrise in Simbabwe anhält oder ob sich Südafrika zu einem Kurswechsel gegen die Diktatur in seinem Nachbarland durchringt.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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