Wahlsieger spricht von Wiedergeburt der Hoffnung
Iliescu gewinnt Präsidentenwahl

"Die Zeit der Versöhnung, Vereinigung und Zusammenarbeit" sei gekommen, so Iliescu, auf den laut der Zentralen Wahlkommission 80,7 Prozent der Wahlstimmen entfielen.

ap BUKAREST. In der zweiten Runde der rumänischen Präsidentenwahl hat sich der linksgerichtete Kandidat Ion Iliescu deutlich gegen den Ultranationalisten Corneliu Vadim Tudor durchgesetzt. Wie die Zentrale Wahlkommission am Montag in Bukarest mitteilte, entfielen auf Iliescu nach Auszählung von 80,7 Prozent der Stimmen 66,9 und auf Tudor 33,1 Prozent. Iliescu erklärte in einer Fernsehansprache, nun sei "die Zeit der Versöhnung, Vereinigung und Zusammenarbeit" gekommen. Ziel Rumäniens sei die Aufnahme in die wirtschaftlichen und militärischen Bündnisse Europas.

Zur Wahl Iliescus, der vor seiner dritten Amtszeit als Staatsoberhaupt seit dem Sturz des kommunistischen Systems steht, hatten alle demokratischen Parteien aufgerufen. Ein Sieg Tudors hätte die Gefahr einer Isolation des wirtschaftlich schwer angeschlagenen Landes heraufbeschworen, befürchteten viele Politiker. Sein Einzug in die Stichwahl galt als Ausdruck des Wählerprotests gegen das Scheitern von Regierungen aller demokratischen Parteien im Kampf gegen Armut und Wirtschaftskrise. Tudor hatte mit rechtsradikalen Sprüchen gegen eine angebliche `Zigeunermafia", Juden und die ungarische Minderheit in der ersten Runde am 26. November 28 Prozent der Stimmen bekommen und damit den zweiten Platz hinter Iliescu belegt. Am Sonntag bezeichnete er die Ergebnisse von Wählernachfragen, die ihn bei rund 30 Prozent Stimmenanteil klar hinter Iliescu sahen, als `größten Betrug in der rumänischen Geschichte des 20. Jahrhunderts."

Iliescu, der 1989 den Aufstand gegen den damaligen Staatschef Nicolae Ceausescu angeführt hatte, wurde bei der Wahl von 1996 von dem Mitte-rechts Politiker Emil Constantinescu geschlagen. Dieser trat zu einer zweiten Wahlperiode nicht mehr an, weil ihm in Umfragen keine Chancen auf einen Sieg eingeräumt wurden. Nach Bekanntgabe der Wählernachfragen wiederholte Iliescu im staatlichen Fernsehen sein Bekenntnis zu sozialen Reformen. Seinen Sieg bezeichnete er als `kategorische Ablehnung von Extremismus und Fremdenfeindlichkeit".

Iliescu von der linksgerichteten Partei der Sozialen Demokratie (PDSR) hatte seine Karriere unter Ceausescu begonnen. In seiner Amtszeit von 1990 bis 1996 hatte er den marktwirtschaftlichen Reformprozess verlangsamt. Zuletzt stellte er sich aber als proeuropäischen Politiker dar.

Rumänien leidet unter einer anhaltenden Wirtschaftskrise. Die Inflation erreicht schon das zehnte Jahr in Folge zweistellige Raten und liegt mittlerweile bei etwa 40 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt elf Prozent und wäre bei Schließung unrentabler Staatsunternehmen noch höher.

Bei der Stichwahl waren 17,7 Millionen Bürger zur Stimmabgabe berechtigt. Die Beteiligung lag bei rund 50 Prozent.

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