Wahrung tariflicher Standards
VW will im ersten Schritt 3500 Arbeitslose einstellen

Volkswagen und die IG Metall haben sich im zweiten Anlauf auf das neue Tarifmodell "5000 mal 5000" verständigt.

rtr HANNOVER. Nach 17-stündigem Verhandlungsmarathon verkündeten IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine und VW-Unterhändler Josef-Fidelis Senn am frühen Dienstag morgen in Hannover die Eckpunkte für den Tarifabschluss. Danach sollen zum Oktober 2002 im Werk Wolfsburg zur Produktion eines neuen Minivans 3500 vorwiegend Arbeitslose eingestellt werden, später möglicherweise weitere 1500 im Werk Hannover. Als Arbeitszeit soll für sie die von der Gewerkschaft geforderte 35-Stundenwoche gelten, die je nach Auftragslage flexibel gestaltet werden kann. Die Bezahlung mit einem Einheitslohn von 5000 DM monatlich soll sich mit zusätzlichen Bonusleistungen am Flächentarifvertrag der Metallindustrie orientieren.

"Wir setzen hier ein Beispiel"

Beide Seiten werteten die Einigung als ein Beispiel zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen am Standort Deutschland. "Wir haben sicher gestellt, dass Arbeitslose zu anständigen Bedingungen eingestellt werden", sagte Meine. IG Metall-Vize Jürgen Peters, der ständig an den internen Beratungen der Gewerkschaft teilnahm, sagte: "Wir setzen hier ein Beispiel, wie man unter Wahrung tariflicher Standards - und das on top - in Deutschland Autos bauen kann." Sorgen von Betriebsräten anderer Autokonzerne, hier würden bisherige Tarife unterschritten, seien unberechtigt. Allerdings räumten die Gewerkschafter ein, für das Ziel, bis zu 5000 Arbeitslose in eine Beschäftigung zu bringen, sei akzeptiert worden, dass das Niveau des im Vergleich zum Flächentarifvertrag der Metallindustrie deutlich bessere VW-Haustarifvertrag nicht erreicht werde. Wichtig sei, dass die Beschäftigten nach einer sechsmonatigen Qualifizierungszeit bei Übernahme von VW unbefristet eingestellt werden sollen, sagte Meine.

Zusätzlich zur reinen Arbeitszeit sind pro Woche nach seinen Worten drei Stunden für Qualifizierung vorgesehen, die nur zur Hälfte von VW bezahlt werden. Beim Entgeld wurde nach den Worten von Meine ein Stufenmodell vereinbart. In der sechsmonatigen reinen Qualifizierungsphase beträgt der Bruttolohn 4000 DM monatlich. Danach steigt in drei Stufen mit einem Bonussystem auf jährlich bis zu 69 000 DM, was einem Monatsentgeld von deutlich mehr als dem Basislohn von 5000 DM brutto entsprechen würde.

Samstag wird zum Regelarbeitstag ohne Zuschläge

Der Wolfsburger Autokonzern spart nach den Worten seines Verhandlungsführers Senn im neuen Modell dennoch im Vergleich zum weiterhin gültigen Haustarifvertrag mehr als 20 % an Kosten. Bei der Wochenarbeitszeit habe man gern einen höheren Wert erreichen wollen. Dafür sei aber ein hohes Maß an Flexibilisierung der Arbeitszeit möglich. Bis zu 200 Stunden Mehrarbeit könne jeder Beschäftigte auf einem Arbeitszeitkonto ansammeln, ehe dies in Freizeit ausgeglichen werden müsse. Die Gewerkschaft wollte eigentlich das Arbeitszeitkonto auf etwa 150 Stunden begrenzen. VW habe außerdem am Samstag die Möglichkeit für regelmäßige Frühschichten und bis zu zehn Spätschichten pro Beschäftigten, sagte Senn. Der Samstag wird damit in dem neuen Modell Regelarbeitstag ohne die bisher üblichen Zuschläge.

"Wir haben außerdem den Einstieg in das Programmentgelt erreicht", sagte Senn. "Wenn eine bestimmte Stückzahl oder Qualität nicht erfüllt werden, muss ohne zusätzliche Bezahlung nachgearbeitet werden." Dieser Punkt war zuletzt besonders umstritten. Die Gewerkschaft erreichte nach den Worten Meines, dass Nacharbeiten bezahlt werden müssen, wenn die Ursachen dafür vom Unternehmen zu verantworten sind, wie etwa schlechtes Material. Nach Ansicht Meines ist das Modell des Programmentgelts in seiner ursprünglich geplanten Form damit vom Tisch.

VW und IG Metall hatten ihre Gespräche nach zweimonatiger Unterbrechung und mehreren internen Sondierungen am Montagvormittag wieder aufgenommen. Der Autokonzern legte dabei ein Kompromissangebot vor, das in den strittigen Fragen auf die Forderungen der Gewerkschaft einging.

Der Tarifabschluss mit einer Laufzeit von zunächst dreieinhalb Jahren wurde noch am Dienstagmorgen von den Verhandlungsführer unterzeichnet. Danach müssen der VW-Vorstand sowie auf Gewerkschaftsseite die große VW-Tarifkommission an diesem Mittwoch und anschließend der Bundesvorstand zustimmen.

Eckpunkte des Tarifvertrages für die "Auto 5000 GmbH"


Hintergrund: "Wert schöpfende Arbeitszeit" und "Qualifizierung"


Mit der Einigung bei

VW

geht das Machtkalkül des Bündniskanzlers auf

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