Wall Street: Auch General Electric hilft nicht gegen „Enronitis“

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Wall Street: Auch General Electric hilft nicht gegen „Enronitis“

Nach den rapiden Kursstürzen zum Wochenauftakt ist eine Trendwende an der Wall Street nicht in Sicht. Erneut öffnen die Märkte schwach, allein General Electric verbessert sich deutlich und stützt den Dow Jones Index . Der notiert eine halbe Stunde nach Handelsbeginn dennoch mit 76 Punkten im Minus, während die Nasdaq erneut 26 Zähler abgibt.

Am Montag hatte der Dow Jones Index 220 Punkte oder 2,2 Prozent verloren und mit nur noch 9687 Punkten geschlossen. Die Nasdaq hatte 56 Zähler oder fast 3 Prozent auf 1855 Punkte abgegeben. Der marktbreite S&P 500 notierte mit 1094 Punkten auf einem Drei-Monats-Tief.

Die großen Verlierer von Montag notieren am Dienstag erneut schwach. Nach einem Kursrutsch um mehr als 50 Prozent büßt die Aktie des Pharmazeuten Elan erneut 10 Prozent ein. Der Mischkonzern Tyco , der zum Wochenauftakt um 16 Prozent abrutschte, verliert erneut 15 Prozent. Ebenfalls mit frühen Verlusten handeln die Papiere von Williams, und United Technologies . Die Angst vor Bilanz-Unstimmigkeiten betrifft vor allem die Aktionäre der Mischkonzerne, deren Unternehmensgeflecht oft unüberschaubar, das Vertrauen der Investoren in das Management daher umso wichtiger ist.

Allein General Electric steuert am Dienstagmorgen gegen den Trend. Das Unternehmen hat seine Wachstums- und Gewinnprognosen für das laufende Quartal und für 2002 bestätigt. Man rechne weiter mit einem Gewinnwachstum von 17 bis 18 Prozent und einem Anteilsplus sogar über den zuletzt prognostizierten 34 Cent in Q1. Für 2002 ist ein Gewinn zwischen 1,65 Dollar und 1,67 Dollar pro Aktie angestrebt. Die GE-Aktie legt 3 Prozent zu und macht einen Teil der Montagsverluste wieder wett.

Doch nicht nur die "Enron-itis" grassiert, sondern auch weiterhin die Unsicherheit über eine wirtschaftliche Erholung. Erneut gibt es am Morgen pessimistische Kommentare, diesmal aus dem Hause Ciena . Der Netzwerkriese rechnet mit einem Verlust von 21 bis 24 Cent pro Aktie im laufenden Quartal, Analysten hatten mit einem Fehlbetrag von nur 11 Cent gerechnet. Das Management warnt auch für das Folgequartal und kündigt 400 Entlassungen an. Die Aktie verliert zeitweise 10 Prozent und belastet auch die Konkurrenten: JDS Uniphase verliert 3,5 Prozent, Cisco notiert schwach behauptet.

Die Aktien von Sprint, sowohl der Festnetz- (FON) als auch der Mobilfunksparte (PCS), verlieren um 10 Prozent. Das Telekommunikationsunternehmen hat am Vorabend einen größeren Verlust ausgewiesen als erwartet worden war, wobei die Ferngesprächssparte weniger enttäuschte. Die Analysten von Merrill Lynch und Morgan Stanley werten entsprechend zunächst die Mobilfunksparte ab, die ohnehin auf den Markt drückt: Da PCS seine Kapitalinvestitionen in 2002 um 100 Millionen Dollar zurückfahren wird, müssen die Zulieferer Verluste einstecken: Die Aktien von Tellabs, Juniper Networks und Qualcom notieren mit bis zu 6 Prozent im Minus.

Mit einem halben Prozent im Minus fährt auch Microsoft am Morgen auf der Verliererstraße. Die Analysten von Goldman Sachs geben sich "vorsichtig", was die Erwartungen für den weltgrößten Software-Hersteller angeht. Analyst Rick Sherlund sagt, dass ein Kommentar von CFO John Connor pessimistischer geklungen habe als erwartet, und eher die Risiken der nahen Zukunft als die Gewinnchancen abgedeckt habe. Goldman Sachs geht nun davon aus, dass eine prognostizierte Wachstumsrate von 15 Prozent für Microsoft "zu aggressiv" ist.

Auch die Aktie von Palm leidet unter einem Analystenkommentar. Bear Stearns verpasst dem Handheld-Hersteller ein Downgrade von "attraktiv" auf "neutral". Das Unternehmen habe unerwartet Schwierigkeiten mit der Markteinführung seiner i705-Reihe, die kabellose Datenübertragung im Sektor der Taschencomputer hätte einführen sollen. Bear Stearns setzt das Kursziel für Palm von 5 Dollar auf 3 Dollar herab, die Aktie verliert 6 Prozent.

Der Computerhersteller Dell verliert am frühen Morgen ebenfalls, obwohl von Seiten des Unternehmens optimistische Kommentare kommen. Auf einer von Goldman Sachs veranstalteten Konferenz sagte Vorstandsmitglied Kevin Rollins, dass sich die PC-Industrie "in der nächsten Zukunft" erholen werde. Die Branche musste im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1985 rückläufige Absatzzahlen hinnehmen. Der größte Computerhersteller der Welt hat vor kurzem seine Gewinn- (17 Cents pro Aktie) und Umsatzerwartung ($ 8 Mrd.) für das laufende Quartal angehoben und nun nochmals bestätigt.

Anleger suchen einen sicheren Hafen bei den Defensivwerten - und werden am Morgen bestätigt. Der größte Hersteller von Zahnpasta, Colgate-Palmolive , hat den Erfolgskurs fortgesetzt. 20 Quartale infolge konnte das Unternehmen ein Gewinnwachstum erzielen. Im abgelaufenen, vierten Quartal ist der Gewinn um drei Prozent gestiegen. Nach Abzug von Sonderbelastungen wurden die Konsensschätzungen damit erfüllt. Colgate-Palmolive hatte rund 15 Millionen Dollar durch die Pleite von Kmart und die Abwertung des argentinischen Peso verloren. Die Aktie handelt dennoch mit fast 5 Prozent im Minus. Gut behauptet notiert das Papier von Clorox ; der Waschmittelriese meldet am Abend Quartalsergebnisse.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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