Archiv
Wall Street bekommt wenig Auftrieb von Cisco und WorldCom

Seit vier Tagen zieht es die Wall Street kontinuierlich ins Minus. Von anfangs dramatischen Kursstürzen erholt sich der Markt nicht. Zum einen geht nach wie vor die "Enron-itis" um, zum anderen machen die Quartalszahlen von Cisco nicht eben Hoffnung und auch WorldCom hat die Erwartungen verfehlt. Die Futures deuten am Donnerstagmorgen auf einen Handelsauftakt im Plus, doch schon in den vergangenen Tagen hatten die großen US-Indizes anfängliche Gewinne nicht halten können.

Die wichtigste Meldung des Tages kommt erneut von Cisco. Nachdem der Netzwerkriese am Mittwoch mit einem verfrühten Blick auf die Quartalszahlen überrascht hatte, liegen nun Details und ein Ausblick vor. Für die abgelaufenen drei Monate weist das Unternehmen einen Gewinn von 660 Dollar oder 9 Cent pro Aktie aus. Der Umsatz lag bei 4,8 Milliarden Dollar, und damit ebenfalls über den Prognosen. Den Blick nach vorn richtet man mit wenig Optimismus: Im laufenden Quartal werde Cisco kein weiteres Umsatzplus verbuchen, oder höchstens eines im niedrig einstelligen Prozentbereich. Analysten sind sich nicht einig: Die Dresdner Kleinwort Wasserstein stuft die Aktie am Morgen auf "verkaufen" ab, die ABN Amro rät zu "kaufen". Die Aktie verliert vorbörslich 4 Prozent. Auch der gebeutelte Telekom-Riese WorldCom, dessen Kurs die Angst vor eventuellen Bilanzfälschungen mehr als halbierte, legt Zahlen vor. Das Unternehmen weist für das abgelaufene Quartal einen Gewinnrückgang um 64 Prozent auf 258 Millionen Dollar aus, der Umsatz ist um zwölf Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar gesunken. Unter?m Strich verfehlt man die Gewinnerwartungen der Wall Street um einen Cent. Schuld daran seien die krassen Investitionskürzungen der großen Unternehmenskunden. WorldCom verbessert sich vor der Glocke um 8 Prozent. Weiter abwärts fährt am Morgen die Aktie von AT&T. Vier Prozent gibt das Papier am Morgen ab, damit ist AT&T der schwächste Performer im angeschlagenen Telekom-Sektor. Nach den Pleiten von Global Crossing und McLeod und Gerüchten um Bilanz-Unstimmigkeiten bei verschiedenen Unternehmen haben Anleger der Branche das Vertrauen entzogen. Auch die Sprint-Aktien (Festnetz und Mobilfunk) und die Papiere von Qwest handeln vorbörslich im roten Bereich. Ein weiteres Unternehmen ist zur Wochenmitte in den Sog der Bilanz-Gerüchte gekommen: Cornell Companies, der größte US-Gefängnis-Betreiber. Dessen Management muss hoffen, sich nicht bald selbst in den eigenen Zellen wieder zu finden. Die Enron-belasteten Bilanzprüfer von Anderson untersuchen, ob ein Deal aus dem letzten August den Bestimmungen der SEC gemäß verbucht worden ist; damals hatte Cornell 11 Gefängnisse verkauft und anschließend zurückgeleast. Die Aktie ist am Mittwoch um fast 50 Prozent eingebrochen und notiert auch am frühen Donnerstagmorgen schwach. Schlechte Nachrichten gibt es für die Unternehmen aus der Pharma- und Biotechbranche. Die US-Arzneimittelbehörde FDA, die über die Marktzulassung eines jeden Medikaments bestimmt, wird die Gebühren für die Firmen erhöhen. Nach einem erwarteten Gewinn von 169 Millionen Dollar in 2002 will man im nächsten Jahr ein Einnahmeplus von 60 Prozent erreichen. In ersten Reaktionen zeigten sich Branchenvertreter empört.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%