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Wall Street: Branchenübergreifend Gewinne am „Merger Monday“

Die US-Märkte starteten mit einer kleinen Rally in die neue Woche, zur Mittagsstunde hatte der Dow Jones Index mehr als hundert Punkte gewonnen. Zur Schlussglocke notierte der Standardindex immerhin mit 86 Punkten im Plus und damit auf einem Stand von 9897 Zählern. Die technologie-orientierte Nasdaq legte 34 Punkte oder 1,7 Prozent zu und schloss auf 1987 Zählern.

Auf der Gewinnerseite standen zum Wochenauftakt fast alle Sektoren. Offensichtlich ist das Vertrauen der Anleger in den Markt stärker als noch in der letzten Woche befürchtet worden war. Die beiden großen amerikanischen Indizes hatten im Strudel von Gewinnwarnungen und Entlassungen deutlich verloren. "Alles halb so wild", denken sich die Marktteilnehmer heute, und Joseph Rooney, Portfolio Stratege bei Lehman Brothers, gibt ihnen recht. Er erwartet im kommenden Jahr einen Anstieg des globalen Aktien Index um 16 Prozent. Damit wären Aktien im Jahr 2002 das attraktivste Anlageinstrument.

Ganz anders sehen das - zumindest mittelfristig - die Analysten von Merrill Lynch. Der Dow Jones habe seine Grenze leicht oberhalb der 10.000 Punkte, die Nasdaq leicht über den 2.000 Punkten, sagt Richard McCabe von Merrill Lynch. Der Aktienmarkt dürfte in den ersten drei bis sechs Monaten des neuen Jahres den Rückwärtsgang einschlagen und die Tiefstpunkte vom September nochmals testen. Folgen dürfte eine dauerhafte und kräftigere Erholung im weiteren Jahresverlauf und bis ins Jahr 2003-2004 hinein.

Kurzfristig ging es auf jeden Fall nach oben: Am Freitag ist dreifacher Hexensabbat, an dem unter anderem Futures und Optionen auslaufen und Volatilität in den Markt bringen. Schon am Montag zogen viele Investoren ihr Geld aus Bonds und kauften Aktien. Den Finanzsektor ließ das überraschend kalt. American Express kletterten um 2,5 Prozent, Citigroup und JP Morgan legten jeweils 1,5 Prozent zu und stützten den Standardindex.

Am "Merger Monday" waren alle Augen aber auf die beiden Hochzeitspaare gerichtet. Das weltgrößte Biotech-Unternehmen Amgen hat die Übernahme von Immunex bestätigt. Analysten heißen den Deal gut. Zwar werde das Ergebnis von Amgen in 2002 und 2003 durch den Deal leicht verwässert, doch sei auf längere Sicht mit stärkerem Ertragswachstum zu rechnen, sagen übereinstimmend die Analysten von Merrill Lynch und Prudential Securities. Aktien von Immunex gewannen acht Prozent, Papiere von Amgen schlossen mit fast einem Prozent im Plus.

Mit dem Einstieg von Vivendi Universal bei USA Networks ist eine der größten Fusionen in der Medienbranche über die Bühne gegangen. Das französische Konglomerat wird für 10,3 Milliarden Dollar die Entertainment-Sparte übernehmen. Der Kauf des Film- und Fernsehbereichs sichert Vivendi den Zugang zu rund 82 Millionen Haushalten in den USA. Analysten sehen in der Akquisition von USA Networks einen entscheidenden Schritt für Vivendi, den Großkonzernen AOL Time Warner und Walt Disney Konkurrenz zu machen. Papiere von Vivendi gewannen 6,5 Prozent, USA Networks legte 4,4 Prozent zu.

Negative Nachrichten kommen am Morgen aus dem Airline-Sektor. Offenbar zeichnet die rasche Erholung der Papiere der Carrier kein zutreffendes Bild von der wahren Entwicklung des Marktes. Nach bereits angekündigten 100.000 Entlassungen in der Branche hat Delta Air Lines zusätzliche Einsparungen bekannt gegeben. Ein Teil der Piloten soll für einen Monat Urlaub nehmen - unbezahlt. Delta hat sei September die Flugpläne um 16 Prozent gekürzt. Die Aktie verlor 2,5 Prozent, die Branche gab zwei Prozent ab.

Nicht besser geht es den Automobilherstellern - zumindest Ford steht erneut auf der Verliererseite. Das Wall Street Journal berichtet, dass Ford über eine dauerhafte Senkung der Produktionszahlen nachdenkt und Entlassungen erwägt. Negative Analystenkommentare drücken ferner auf die Aktie: Goldman Sachs senkt die Ertragsprognosen für 2002 von 35 Cents pro Aktie auf Null. Ford verlor fast sieben Prozent, General Motors handelt schwach behauptet, und alleine DaimlerChrysler steht mit 1,8 Prozent im grünen Bereich.

Gute Nachrichten kommen hingegen vom Kommunikationschip-Hersteller Conexant , der im ersten Geschäftsquartal besser abschneiden wird, als bisher erwartet worden war. Gegenüber dem vierten Quartal wird der Umsatz voraussichtlich um zehn Prozent steigen. Ursprünglich hatte Conexant lediglich mit einer Steigerung um fünf bis sieben Prozent gerechnet. Die Aktie legt zum Wochenauftakt mehr als acht Prozent zu.

Größter Gewinner unter den Tech-Werten ist der Software-Programmierer Take Two . Das Unternehmen, dessen Aktie nach Spekulationen um die Buchführung am Morgen von Handel ausgesetzt worden war und erst am späten Nachmittag freigegeben wurde, kletterte um 34 Prozent ins Plus. Das Unternehmen hat die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal drastisch gesenkt, die Prognosen für das erste Quartal des neuen Jahres aber heraufgesetzt. Das Management rechnet mit einem Anteilsplus von 70 Cents, der Konsens der Wall Street Analysten hatte zuvor auf 30 Cents gelautet.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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