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Wall Street: Das große Rätseln nach Fed und Fiorina

Zwei Entscheidungen prägten den Dienstagshandel: die der Notenbank über die weitere Konjunkturpolitik und die der Hewlett-Packard-Aktionäre über den viel diskutierten Merger mit Compaq. Beide wusste der Markt indes nicht gleich zu deuten. Der Dow beendete den Tag mit einem Plus von 57 Punkten oder 0,5 % auf 10635 Punkten. Die Nasdaq gewann 4 Zähler auf 1880 Punkte.

Die Stellungnahme der Notenbank Fed zur konjunkturellen Lage der Nation fiel aus wie erwartet: Die Währungshüter um Alan Greenspan beließen die Zinsen auf dem aktuellen Niveau, dem 40-Jahres-Tief von 1,75 %. Auch die Einschätzung des Gremiums ähnelte früheren Statements, wobei ein leicht optimistischer Ton zu vernehmen war. Nach wie vor, so Greenspan, hänge das Wirtschaftswachstum von der Endnachfrage ab, die noch keinen klaren Trend zeige. Doch anerkenne man ein ausgewogeneres Verhältnis der Wirtschaftsrisiken als bisher, und Marktbeobachter sehen dies als ersten Schritt zu Zinserhöhungen in den kommenden Monaten. Die Futures deuten darauf hin, dass die meisten Anleger von Zinserhöhungen nicht vor Mai erwarten.

Unerwartet früh meldete sich am Dienstagnachmittag Carly Fiorina zu Wort. Obwohl die Stimmzettel der Aktionäre von Hewlett-Packard noch nicht ausgezählt sind und frühestens zum Wochenende mit einem Endergebnis zu rechnen ist, kündigt die Chefin einen Sieg an. Bei Fiorina und Kollegen knallten die Sektkorken - kein Wunder: Eine Absage der Fusion hätte die Vorstandsvorsitzende den Kopf gekostet. Anleger reagierten unterdessen unschlüssig, für die Aktien beider Unternehmen ging es auf und ab. Hewlett-Packard schloss mit einem Plus von 0,2 %, Aktien von Compaq legten um 5 % zu.

Konkretes hörte man am Dienstag aus dem Bereich der Konsumgüter-Hersteller: Colgate-Palmolive, Clorox und Dial haben ihre Prognosen für Quartal und Fiskaljahr bestätigt. Branchenriese Procter & Gamble , der unter anderem Pampers-Windeln und die Zahlcreme Blendamed herstellt, will die Erwartungen zu schlagen. Die Aktie legte 2,5 % zu.

Ebenfalls zu den Erwartungen äußerte sich General Motors . Einen Tag nachdem die Analysten der UBS Warburg ihre Umsatzprognosen für die Branche heraufgesetzt haben, bestätigt der weltgrößte Automobilhersteller die seinigen. Man rechnet mit einem Gewinn von 1,20 $ pro Aktie im ersten Quartal und 3,50 $ im Gesamtjahr und steht damit deutlich vor der Konkurrenz: Ford und Chrysler haben einen Break-Even angekündigt. Die Aktie von GM verlor 0,4 %.

Zu den stärksten Sektoren im Dienstagshandel gehörten die Broker-Aktien. Zwar meldete Goldman Sachs das fünfte Quartal in Folge einen Gewinnrückgang, doch schlägt das Brokerhaus mit einem Anteilsplus von 98 Cent die noch schwächeren Erwartungen der Analysten deutlich. Der schwache Aktienmarkt, in dem zuletzt kaum Erstnotierungen und Merger stattfanden, habe das Ergebnis erneut geschwächt, heißt es. Die Aktie gewann 2 %.

Optimistisch äußerte sich die Bank of America am Morgen über die Zukunft der Brokerkollegen. Einige kurzfristige Indikatoren deuten darauf hin, dass die Branche im Laufe dieses Jahres zulegen werde, sagen sie. Beste Aktie sei das Papier von Merrill Lynch , das die Analysten auf "aggressiv kaufen" setzen, das Papier verbesserte sich um 2,6 %.

Von frühen Verlusten erholte sich das Papier von Tyco , das letztlich 2 % zulegte. Der Mischkonzern, der zuletzt durch überraschende Akquisitionen und später durch angebliche Bilanzungereimtheiten im Stile von Enron Schlagzeilen gemacht hatte, soll laut Wall Street Journal Probleme mit einigen Tochterunternehmen haben. Diese wollen von Tyco schneller ausbezahlt werden, um ihren Cash Flow zu verbessern.

Größter Verlierer bleibt Gemstar-TV Guide. Der Provider von interaktiven Programmführern im Fernsehen hat am Vorabend einen Quartalsverlust von 210 Millionen Dollar oder 51 Cent pro Aktie bekannt gegeben. Für das laufende Quartal spricht das Management eine Gewinnwarnung aus, und dass Finanzchef und Vizepräsident Peter Boylan das Unternehmen verlässt, stimmt Aktionäre auch nicht milde. Gemstar TV verlor 28 %.

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