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Wall Street: Die Rally geht weiter

Eine halbe Stunde nach Handelsbeginn durchbrach der Nasdaq Index die 2000er-Grenze, Minuten später schaffte der Dow Jones die magische 10.000-Punkte-Hürde. Zur Mittagsstunde handeln die Märkte bei starkem Volumen auf Höchstständen. Die Blue Chips sind auf dem besten Weg, erstmals seit dem 6. September fünfstellig zu schließen. Der Dow gewinnt 187 Punkte, die Nasdaq legt 71 Punkte zu.

Erfreut nahmen die Händler am Vormittag zur Kenntnis, dass sich eine konjunkturelle Erholung nicht nur in der verarbeitenden Industrie sondern auch im Dienstleistungsbereich abzeichnet. Der nationale Einkäuferindex (exklusive der verarbeitenden Industrie) stieg von 40,6 Punkten im Oktober auf 51,4 Punkte. Die durchschnittlichen Erwartungen von 43 Punkten wurden damit deutlich geschlagen. Ein Index über 50 Punkten signalisiert wachsende Geschäftsaktivitäten.

Die Tech-Branche hatte schon am Dienstag Kraft in den Markt gepumpt, und auch heute geht Kauflaune von den Chip- und Netzwerk-Unternehmen auf. Die beiden Sektoren haben seit den jüngsten Tiefstständen jeweils fast siebzig Prozent zugelegt. Fast sechzig Prozent haben in der gleichen Periode die Titel der Software- und Hardwarebranche gutgemacht.

Das Management von Oracle erwartet Wachstum für 2002, die Aktie legt zehn Prozent zu. Cisco -Chef John Chambers sieht sie aktuellen Bestellungen im Rahmen der Erwartungen, die Aktie legt nach positiven Kommentaren der Credit Suisse First Boston fast vier Prozent zu. Der Branchenindex für die Netzwerkunternehmen notiert am Mittag mit einem Plus von sechs Prozent.

Besser stehen nur noch die Chipwerte da. Samsung und Hynic, zwei führende südkoreanische Chiphersteller, haben bei den PC-Herstellern eine Anhebung der Verkaufspreise von DRAM Chips um 20 Prozent durchsetzen können. Die Branche jubelt und der Index gewinnt 6,5 Prozent. Aktien von Vitesse, PMC Sierra und Micron legen jeweils mehr als zehn Prozent zu.

Der Hardware-Sektor profitiert von positiven Kommentaren von Goldman Sachs. Tech-Analystin Laura Conigliari sagt, ein Besuch bei Sun Microsystems bestätige ihre branchenweit positive Einschätzung. Sie sehe eine Stabilisierung auf dem US-Markt. Sun Microsystems gewinnt 5,3 Prozent. Apple und Dell Computers handeln auf 90-Tage-Hochs. Die Software-Hersteller klettern im Branchenmittel um fünf Prozent.

Aktien von AOL Time Warner haben sich von einem frühen Schrecken erholt. Nachdem CEO Gerald Levin seinen Rücktritt angekündigt hatte, waren die Aktien zunächst ins Minus gerutscht. Händler vertrauen Levin aber nun, wenn dieser sagt: "Die Fusion von AOL und Time Warner läuft seit fast einem Jahr hervorragend, und wir haben ein ausgezeichnetes Management-Team. Der Zeitpunkt ist gekommen, eine neue Führungsspitze zu installieren." Papiere von AOL Time Warner legen 2,6 Prozent zu.

Stabilität in viele Branchen bringt die Entscheidung Russlands, die Ölfördermenge nun doch um 150.000 Barrel pro Tag zurückzufahren. Damit kommt das Land den Opec-Staaten ein Stück entgegen. Es ist zu erwarten, dass die Opec-Länder ihre Fördermengen ab Januar drosseln. Der Ölpreis steigt im Mittagshandel, die Öl-fördernden Unternehmen und die Plattformbetreiber legen im Branchenmittel drei Prozent zu.

Wie stabil die Erholung mancher Branchen doch ist, zeigt sich daran, dass weder die Airlines noch die Automobil-Hersteller unter der Nachricht aus Russland leiden, obwohl diese höhere Preise für Benzin und Flugbenzin impliziert. Die Carrier legen 1,8 Prozent zu. General Motors gewinnt 3,3 Prozent, DaimlerChrysler 1,3 Prozent. Allein Ford steht unter Druck. Fast drei Prozent verliert die Aktie, nachdem das Unternehmen eine deutlich härtere Ertragswarnung ausgesprochen hat als selbst pessimistische Analysten erwartet hatten.

Vor Weihnachten und im offensichtlichen Vertrauen auf eine Stabilisierung des Marktes werden auch die Verbraucher wieder aktiv. Aktien der Einzelhändler notieren mit einem Plus von 2,6 Prozent. Führend dabei sind die Baumärkte mit Gewinnen um vier Prozent. Dies liegt unter anderem an den günstigen Kreditbedingungen für Hausbauer, von denen auch die Baufirmen profitieren. Nicht nur in das neue Haus, auch in das Auto wird investiert: Automärkte wie Pep Boys und Autozone notieren mit bis zu 17 Prozent im grünen Enron

gewinnt 35 Prozent und hat damit in drei Tagen seinen Börsenwert verfünffacht. Mike Greenberger, Professor für Konkursrecht an der Universität von Maryland, sieht in den Käufen einen Ausdruck starken Vertrauens und durchaus Chancen für den Konzern, einen Konkurs abzuwenden. Mike Heim, Analyst bei A.G. Edwards & Sons, sagt, die 1,5-Milliarden-Dollar-Finanzspritze von JP Morgan Chase und Citigroup gebe Anlegern und dem Unternehmen Sicherheit. JP Morgan Chase gewinnt fünf Prozent, Citigroup klettert 3,3 Prozent nach oben.

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