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Wall Street: Die US-Börsen im Wartestand

Obwohl die Stimmung an den US-Börsen hinter den Kulissen positiv ist, schlossen beide Indizes im roten Bereich. Der Dow Jones verlor 49 Punkte oder 0,5 % auf 10525 Punkte. Auch die technologie-orientierte Nasdaq schloss im Minus und verlor 8 Zähler auf 1882 Punkte.

Für die optimistische Grundstimmung sorgte insbesondere die Rede von Notenbank-Chef Alan Greenspan . Dieser äußerte sich vor dem Finanzausschuss des Senats optimistischer als noch vor einer Woche bei der Vorstellung seines Rechenschaftsberichts vor dem Kongress. "Wir haben in den letzten Tagen ermutigende Zahlen gesehen, die auf eine deutliche Verbesserung der Nachfragesituation schließen lassen", sagte Greenspan. Vergangene Woche hatte er noch auf das Risiko eines Konjunktureinbruchs hingewiesen, falls die Nachfrage nicht anziehen sollte. Mittlerweile scheint Greenspan dieses Risiko nun geringer zu bewerten.

Schließlich untermauerten noch weitere positive Konjunkturdaten den Glauben an eine bevorstehende Erholung: Die Produktivität stieg stärker als erwartet und legte im vierten Quartal 5,2 % zu. Das ist seit dem zweiten Quartal 2000 die beste Performance. Eine höhere Produktivität führt zu sinkenden Lohnstückkosten und damit zu höheren Gewinnmargen bei den Unternehmen. Auch der Arbeitsmarkt signalisiert positive Entwicklung: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist im Rahmen der Erwartungen gesunken.

Dass sich dennoch wenig Käufer fanden, lag insbesondere daran, dass die Investoren noch mit Spannung auf zwei wichtige Ereignisse warten: Zum einen werden am Freitag die Arbeitsmarktzahlen für den Monat Februar veröffentlicht. Sie werden zeigen, ob in der US-Wirtschaft mehr Jobs entstanden sind. Es wäre das erste Mal seit mehreren Monaten.

Zum anderen sollten sich am Abend die Tech-Riesen Intel und Sun Microsystems zu Wort melden. Der Hardware-Hersteller Sun Microsystems sollte sich zu den revidierten Aussichten äußern. Bislang gaben sich die Experten vom Brokerhaus Soundview pessimistisch. Eine Umfrage bei Händlern hatte ergeben, dass die Geschäfte schlechter liefen als im Januar. Soundview erwartete, dass Sun Micro die Gewinnerwartungen heruntersetzen würde. Die Aktie gab nach und beendete den Tag mit 2,2 % im roten Bereich.

Schließlich stand die Veröffentlichung des Quartalsberichts des Chip-Hersteller Intel auf dem Programm. Für den Branchenführer gab sich vorab nur die UBS Warburg skeptisch. Doch gingen die Analysten von Morgan Stanley, Bear Stearns, Lehman Brothers und der Bank of Amerika davon aus, dass Intel die Erwartungen auf das obere Ende der ursprünglichen Prognosen einengen werde. Intel gewann leicht. Auch andere Chipwerte handelten nach den Verlusten der vergangenen Tage fast alle im Plus. Der größte Verlierer des Vortages McData konnte das Minus teilweise wettmachen. McData verbesserte sich um fast 3 %.

Die stärkste Performance im Dow lieferte der Automobilkonzern General Motors . Die Aktie stieg um 2,5 %, nachdem das Unternehmen von Merrill Lynch auf "kaufen" gesetzt worden war. Die Analysten erwarten "solides Gewinnwachstum in 2002". Der einzige Risikofaktor sei ein zyklisch bedingter Einbruch der Pkw Absatzzahlen in den USA. Dieses Szenario sei in Anbetracht der sich abzeichnenden Konjunkturerholung allerdings unwahrscheinlich.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite schloss das Papier von Wal-Mart . Die größte US-Einzelhandelskette hatte berichtet, der Umsatz in Läden, die schon ein Jahr geöffnet sind, sei im Februar um 10,2 % gestiegen. Das ist deutlich mehr als die Analysten erwartet hatten. Wal-Mart verbesserte sich um 1 %.

Microsoft indes hat ein Problem: Japanischen Presseberichten zufolge muss der Konzern die in Japan verkaufte XBox Spielkonsole zu Reparaturen zurückrufen. Der Software-Konzern habe in den ersten 10 Tagen nach Markteinführung fast 250 Beschwerden über zerkratzte CDs und DVDs erhalten, heißt es. Die Aktie rutschte um 1,4 % ab.

Auch der Biotech-Sektor befand sich im Abwärtstrend. Mehrere Biotech-Unternehmen bekamen blaue Briefe aus dem Hause der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA. Der Pharma-Hersteller Sepracor geriet ins Wanken, nachdem die Behörde das neue Medikament Soltara nicht genehmigen wollte. Das Papier des Pharma-Herstellers rutschte dramatisch ab und verlor fast 60 % seines Wertes. Sepracor muss nun die eigenen Prognosen kräftig zurückfahren. Merrill Lynch hat die Aktie bereits auf "reduzieren" herabgestuft.

Ebenfalls unter Druck geriet das Medizintechnik-Unternehmen Guidant . Das Unternehmen muss eine klinische Studie abbrechen, weil sich die Therapie zur Behandlung von Herzkranzgefäß-Krankheiten als nicht wirksam erwiesen hat. Das Papier verlor 4,2 %.

Eine weitere Absage der FDA belastete schließlich auch die Aktien des Biotechnologie-Unternehmens Celgene . Die Marktzulassung des Medikaments Thalomid als Krebsmittel wurde vorerst untersagt. Damit verzögert sich die Markteinführung um zwei Jahre. Das Papier verzeichnete einen Kursrutsch um 14 Prozent.

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