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Wall Street: Dow klettert nach Zinssenkung und stürzt nach Merck-Warnung

Am Tag der letzten Fed-Sitzung des Jahres erlebte der Dow Jones Index ein Wechselbad der Gefühle. Vor der Zinssenkung hatte der Standardindex bei geringer Volatilität und schwachem Volumen mit leichten Gewinnen notiert. Nach der Zinssenkung ging?s steil bergauf, der Dow durchstieß die 10.000er-Grenze, um dann abzustürzen. Der Dow schloss mit einem Minus von 33 Punkten oder 0,3 Prozent auf 9886 Zählern, die Nasdaq ging mit einem Gewinn von zehn Punkten oder 0,5 Prozent aus dem Handel. Der Tech-Index notiert bei 2002 Punkten.

Was den Dow Jones am späten Nachmittag mit nach unten riss, war eine unerwartete Gewinnwarnung von Merck . Für das laufende Jahr senkte das Unternehmen die Gewinnerwartungen auf das untere Niveau der Konsensspanne von 3,12 bis 3,15 Dollar. Für 2002 erwartet Merck ein Nullwachstum, unter anderem weil Patente auslaufen und dem Konzern Konkurrenz von Generika-Herstellern droht. Merck rechnet erst wieder ab 2003 mit einer Ertragssteigerung. Die Aktie verlor fast zehn Prozent.

Abwärts ging es am Nachmittag auch mit dem Airline-Sektor, der den Tag ebenfalls im grünen Terrain begonnen hatte. Doch dann warnte Don Carty, Vorstand von American Airlines , im laufenden Quartal und im Jahr 2002 drohten "sehr, sehr große Verluste". Wie groß, das sagte er nicht. Analysten an der Wall Street rechnen mit einem Anteilsminus von 4,41 Dollar für das laufende Quartal und von 8,78 Dollar für das Jahr 2002. Die Aktie von AMR, der Holding hinter American Airlines, verlor ein halbes Prozent, der Sektor gab ein Prozent nach.

Dass die US-Notenbank am Nachmittag die Zinsen um 25 Basispunkte gesenkt hatte, ging angesichts der schlechten Unternehmensnachrichten fast unter. Die meisten Marktteilnehmer hatten ohnehin mit einem Abschlag in eben dieser Höhe gerechnet. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve begründete seine Entscheidung mit "nach wie vor gegebenen Risiken" für die US-Konjunktur. Die Wirtschaft sei weiterhin und bleibe auf absehbare Zeit schwach. Tatsächlich zeichnen aktuelle Marktdaten - von der Arbeitslosenstatistik bis zu den schwachen Umsätzen im Einzelhandel - kein gutes Bild. Der US-Leitzinssatz liegt jetzt bei 1,75 Prozent, der Diskontsatz bei 1,25 Prozent, dem niedrigsten Stand in der US-Geschichte.

Bis zu der dramatischen Wende hatte die Aktie von Nokia den Handel dominiert. Das Unternehmen hat die Gewinnerwartungen für das laufende Quartal bestätigt und sagt, es sei möglich, den prognostizierten Anteilsgewinn sogar zu übertreffen. Nokias Höhenflug gründet auf dem Erfolg der neuen Internet-Handys, die besseren Absatz finden als erwartet. Die Aktie legt 8,5 Prozent zu, die Konkurrenten Ericsson und Motorola gewinnen 3,6 beziehungsweise ein Prozent.

Der Erfolg der Handy-Hersteller gab anderen Tech-Sektoren einen kräftigen Schub. Chiphersteller notierten branchenweit auf der Gewinnerseite, allen voran RF Micro Devices mit einem Plus von 12,5 Prozent. Nokia-Zulieferer Qualcomm gewann ein Prozent.

Unter Druck stand erneut der Einzelhandel. Nachrichten aus dem Sektor sind seit Tagen uneinheitlich. Mal rechnen Analysten mit steigenden Umsätzen dank des lange herbeigesehnten Kälteeinbruchs, mal klagen sie über erneute Rückgänge und zu niedrige Gewinnmargen aufgrund der vorweihnachtlichen Schnäppchenpreise. Der Mall-Betreiber ICSS klagt am Morgen, die Umsätze seien um 4,6 Prozent eingebrochen, Redbook berichtet über einen Rückgang um lediglich ein Prozent. Der Sektor schloss am Dienstag mit fast zwei Prozent in den Miesen.

Die Aktien von General Motors gehörten zu den Verlieren, obwohl der weltgrößte Automobilhersteller selbst gar keine Schwierigkeiten hat. Mit Problemen kämpft vielmehr der südkoreanische Konzern Daewoo, an dem GM maßgeblich beteiligt ist. Daewoo musste drei Werke schließen, weil 275 Zulieferer ihre Produkte zurückhalten. Die Zulieferer demonstrieren gegen die schlechte Zahlungsmoral des asiatischen Automobilriesen. Daewoo schulde ihnen insgesamt 1,3 Milliarden Dollar. General Motors verliert 3,5 Prozent.

McDonalds stolperte über ein Downgrade der Lehman Brothers. Die Analysten stufen die Aktie von "aggressiv kaufen" auf "Marktperformer" herunter und senken das Kursziel von 38 Dollar auf 29 Dollar. Aktien des Burger-Bräters verlieren 1,9 Prozent. Mit einem Plus von 3,3 Prozent schloss indes die Konkurrenzkette Wendy?s, die von Lehman Brothers aufgestuft wird und nun als Wert gilt, den Anleger "aggressiv kaufen" sollten.

Einen erstaunlichen guten Einstand in schwachem Umfeld gab der Lebensmittelhändler Aramark . Das Unternehmen, das auch im Catering-Bereich aktiv ist, feierte nach siebzehn Jahren seine Rückkehr zur Wall Street und legte am Tag der Erstemmission 13 Prozent zu. Die laufende Woche ist die letzte vor der Winterpause, in der noch Unternehmen an die Börse gehen können. Zehn so genannte Initial Public Offerings stehen an, darunter am Donnerstag die Erstnotierung von Prudential Financial, die mit einer Marktkapitalisierung von drei Milliarden Dollar der drittgrößte Börsengang des Jahres an der New York Stock Exchange sein wird.

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