Wall Street endet in der Minuszone – Merrill Lynch senkt Aktienanteil im Marktportfolio
US-Börsen starten schwach in aufregende Woche

Im Laufe dieser Woche werden zahlreiche Unternehmen ihre Berichte über das vierte Quartal 2001 präsentieren. Es wird befürchtet, dass viele Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben werden. Viele US-Investoren gingen deshalb erst einmal in Wartestellung, wodurch die Kurse abbröckelten.

wlr/kjo/HB NEW YORK. Die New Yorker Börsen starteten gedämpft in die neue Handelswoche. Viele Anleger befürchteten, die Rally der vergangenen Monate könnte übertrieben gewesen sein, und die ersten Unternehmensberichte über das vierte Quartal 2001 könnten nun für deutlichere Abschläge bei den Dividendenpapieren sorgen. Für diese Woche werden unter anderem Berichte von Intel, Microsoft und verschiedenen Banken und Autoherstellern erwartet. Bis zum Schluss verlor der Dow-Jones-Index rund 1 % oder 96,11 Punkte auf 9 891,42 Zähler. Der breiter gefasste S & P-500-Index büßte 0,63 % auf 1 138,40 Punkte (-7,20) ein. Nach unten ging es auch für den technologielastigen Nasdaq-Composite-Index, er fiel um rund 1,6 % oder 31,73 Punkte auf 1 990,73 Zähler.

Einen herben Dämpfer verpasste den Börsianern auch die Investmentbank Merrill Lynch. Die Bank senkte den Aktienanteil in dem von ihr empfohlenen Anlagemix für den US-Markt: Sie rät zu einer Aufteilung von 50 % Aktien (-10 %), 30 % festverzinslichen Wertpapieren (+10 %) und 20 % Bargeld. Richard Bernstein, Chef-Investmentstratege von Merrill Lynch, begründete diesen Schritt mit der momentan "sehr extremen Aktienbewertung".

Ähnlich schätzt Larry Wachtel, Marktanalyst bei Prudential Securities, die Lage ein. "Das Grundproblem des Aktienmarktes ist die dreimonatige Rally und der momentan überkaufte Markt", so die Ansicht von Wachtel.

Bereits am Freitag hatte zudem Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, gesagt, die gerade beginnende wirtschaftliche Erholung könnte nicht stark genug sein, um dauerhaft anzuhalten.

Besonders hohe Kursverluste mussten Nextel Communications hinnehmen (-16,3 %). Der Mobilfunkanbieter hat wegen seiner hohen Schuldenlast nach Aussage von John Bensche, Analyst bei Lehman Brothers, eine besonders riskante Position im Mobilfunkbereich. Er senkte sein Anlageurteil für die Aktie daher von "Market Perform" auf "Verkaufen". Laut Bensche haben sich zudem die Aussichten für die gesamte Branche verschlechtert. Er befürchtet, dass die Telefongesellschaften in der nächsten Zeit mehr bestehende Kunden verlieren als neue hinzugewinnen. Offenbar teilten viele Anleger diese Ansicht, denn neben Nextel Communications verloren in den ersten Handelsstunden auch die Aktien von AT & T Wireless Services (-2,9 %) und Western Wireless (-5,4 %).

Zu den größten Kursverlierern des Tages gehörten Miravant Medical Technologies (-74,9 %). Das Pharmaunternehmen hatte bekannt gegeben, dass eine von ihm entwickelte Therapie zur Behandlung einer Augenkrankheit in klinischen Versuchen enttäuschende Ergebnisse gebracht hatte.

Für die Anadarko Petroleum Corporation ging es nur kurzzeitig nach unten. Der größte unabhängige US-Öl- und-Gasproduzent hatte verkündet, dass sein Gewinn im vierten Quartal 25 Cents pro Aktie betragen hat. Damit verfehlte er die Erwartungen der Analysten von 36 Cents pro Aktie. Nach anfänglich deutlicheren Verlusten konnte sich die Aktie später auf ein knappes Plus von 0,2 % erholen.

Erneut unter die Räder gerieten Kmart. Die Aktie des angeschlagenen US-Discounters leidet seit Anfang des Jahres unter einer Gewinnwarnung, Abstufungen der Bonitätsbewertung und Spekulationen über einen möglicherweise bevorstehenden Konkurs. Die Aktie büßte am Montag 13,9 % ein.

Neben allen negativen gab es durchaus auch positive Nachrichten. So gewannen die Aktien des Chipherstellers Micron Technology 1,1 %, nachdem Lehman Brothers das Papier von "Market Perform" auf "Kaufen" heraufgestuft hatte.

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