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Wall Street: Entlassungswelle belastet den Handel

Die US-Börsen handeln zur Mittagsstunde weiter in der Verlustzone. Der Dow Jones Index verliert 75 Punkte, die Nasdaq gibt 39 Punkte ab. Damit ist der Technologie-Index erneut unter die 2000-Punkte-Grenze gefallen, für den Dow Jones sind die "magischen 10.000" vorerst wieder in weiter Ferne gerückt.

Kurz vor Mittag ist das Handelsvolumen an der Wall Street drastisch zurückgegangen. Händler verfolgten das Bin-Laden-Video, das auf allen TV-Schirmen am Parkett lief. Kursbewegungen gab es kaum noch, was belegt, wie wichtig dieser letzte Beweis für die Verantwortung des Terror-Fürsten für die Anschläge des 11. September ist. Auf den späteren Handel hat das Tape dennoch keine Auswirkungen. Zunehmend verunsichert sind Investoren aber mit Blick auf die Lage im Nahen Osten.

Auch Konjunkturdaten, die vor Handelsbeginn veröffentlicht wurden, können den Handel nicht stützen. Die Einzelhandelsumsätze sind im November um 3,7 Prozent gefallen. Analysten hatten mit einem Rückgang in Höhe von lediglich 3,1 Prozent gerechnet. Damit verbucht der amerikanische Einzelhandel den größten Rückschritt seit fast zehn Jahren. Die Verbraucherpreise sind im vergangenen Monat um 0,6 gefallen, doppelt so stark wie erwartet worden war. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in der vergangenen Woche erneut gestiegen, allerdings um nur 394.000 und damit geringer als erwartet.

Der Handel auf dem New Yorker Parkett steht dennoch im Zeichen der Unternehmensnachrichten, vor allem aus der Telekommunikationsbranche. Der weltgrößte Telekomausrüster Lucent hat die Umsatzziele für das erste Quartal auf 3,1 bis 3,4 Milliarden Dollar korrigiert. Analysten waren von 4,47 Milliarden Dollar ausgegangen. Der Verlust wird zwischen 23 und 26 Cents pro Aktie betragen. Auch Wettbewerber Qwest warnt vor Umsatzeinbußen, und auf der Aktie von Global Crossing lastet ein Kommentar im Wall Street Journal, der Konkursgerüchte um das Unternehmen schürt.

Ähnlich pessimistisch sind die Aussichten für den Netzwerk-Hersteller Ciena . Das Unternehmen erwartet einen Umsatzeinbruch um 30 bis 40 Prozent. Die Lucent-Aktie verliert zwölf Prozent, Ciena verliert 15 Prozent, und beide Werte ziehen Zulieferer in den Sektoren Netzwerke und Telekommunikations-Chips mit. Cisco, JDS Uniphase, Juniper, Broadcom, Vitesse, PMC Sierra und andere Titel stehen im roten Bereich.

Auch der Chipausrüster Applied Materials blickt skeptisch in die Zukunft. 1700 Mitarbeiter, das sind zehn Prozent der Belegschaft, werden entlassen. Das Unternehmen muss Kosten sparen, um im Falle eines Turn-Arounds die Gewinnschwelle zu senken. Auch der große Intel Konkurrent Advanced Micro Devices belastet den Chipbereich. Die Analysten von Prudential Securities raten, AMD zu "verkaufen". Die Intel Pentium 4 Chipsets dürften die durchschnittlichen Verkaufspreise der AMD Athlon XP Chips weiter unter Druck setzen. "AMD gibt neun Prozent ab, Applied Materials sechs Prozent.

Mehr als sechs Prozent verliert das Internetportal Yahoo . Das Unternehmen befindet sich auf Expansionskurs und will die Online-Arbeitsvermittlungsagentur Hotjobs.com übernehmen. Problem: Hotjobs.com hat mit TMP Worldwide bereits einen Übernahmepartner gefunden. TMP Worldwide gibt zur Mittagsstunde ebenfalls sechs Prozent ab, der umworbene Onlinedienst legt hingegen 60 Prozent zu.

Doch nicht nur die Tech-Werte notieren am Donnerstag auf der Verliererseite. General Motors , der weltgrößte Automobilhersteller, überrascht mit der Ankündigung, im nächsten Jahr weiterhin Kunden mit Sonderangeboten und billigen Sonderfinanzierungen ködern zu wollen. Damit will das Unternehmen seinen Marktanteil weiter ausbauen. Investoren sehen aber, dass die Null-Prozent-Darlehen, mit denen GM zuletzt Kunden köderte, zu sehr auf die Gewinnmargen drücken. General Motors verliert fast zwei Prozent, auch DaimlerChrysler und Ford geben ab.

Nur noch leicht im Minus handelt die Aktie von Aetna. Auch der größte Krankenversicherer der USA hat massive Entlassungen bekannt gegeben. Geplant ist der Abbau von 6.000 Stellen oder 16 Prozent der Mitarbeiter.

Eine der wenigen Stützen des Dow ist zur Stunde die Aktie des Flugzeugherstellers Boeing . Nach den Terroranschlägen werden voraussichtlich einmalige Kosten in Höhe von 400 Millionen Dollar anfallen. Weiterhin rechnet der Konzern mit der Auslieferung von 522 Flugzeugen in diesem und zwischen 350 bis 400 Flugzeugen im nächsten Jahr. An den Umsatzprognosen für 2001 und 2002 hält das Management fest.

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