Archiv
Wall Street: Flacher Handelsauftakt nach Achterbahnfahrt

Am frühen Freitagmorgen fällt es schwer, eine Wochenbilanz zu ziehen. Für den Dow Jones ging?s am Dienstag dreistellig runter, am Mittwoch dreistellig rauf, am Donnerstag wieder dreistellig runter. Der Markt weiß nicht wohin. Die Futures deuten zum Wochenschluss - wieder einmal - auf einen flachen Handelsauftakt, eine halbe Stunde vor Handelsbeginn notieren der Dow Jones einstellig über, die Nasdaq einstellig unter dem Schlusskurs vom Vortag.

NEW YORK. Am Donnerstag hatte der Dow Jones fast den ganzen Tag über in positivem Terrain gehandelt und einmal mehr sogar an der 10 000-Punkte-Marke geknabbert; In den Keller ging es dann, als erstmals seit Beginn des Afghanistan-Krieges Nachrichten aus dem militärischen Umfeld für Aufregung auf dem Parkett sorgten. Eine japanische Zeitung hatte berichtet, amerikanische Spezialeinheiten seien im Irak gelandet. Das wird vom US-Verteidigungsministerium zwar dementiert, doch gibt das Pentagon bekannt, dass man 5 Millionen Barrel Flugbenzin für die Standorte im Mittleren Osten kaufe. Auch die erneute Zuspitzung der Situation im Nahen Osten nach Kommentaren von Israels Premier Sharon macht den Anlegern Sorgen.

Erneut bewegen am Freitag Analysten den Markt: Zu den aktivsten Sektoren im vorbörslichen Handel gehören die Chips. Die Branchengiganten Intel und Advanced Micro Devices erholen sich leicht von ihren aktuellen Tiefständen. Die Analysten von JP Morgan nehmen sich den mittelgroßen Unternehmen des Sektors an und stufen Xilinx und Altera auf "kaufen" auf. Anleger hätten die Unternehmen zuletzt zu sehr auf die Telekomchip-Sparte beschränkt und unangemessen verkauft. Sowohl Xilinx als auch Altera machten 70 Prozent ihres Umsatzes aber in anderen, stabileren Chip-Sektoren, so die Experten. Die Papiere beider Unternehmen verbessern sich um frühe 5 Prozent. Robertson Stevens nennt RF Micro Devices und Triquint "Marktperformer", die Aktien legen vor der Glocke leicht zu.

Bei Cisco halten sich Schnäppchenjäger und weiter vorsichtige Anleger am Morgen die Waage. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 30 Prozent verloren, was viele Käufer reizvoll finden. Doch die Analysten bei UBS Warburg sind weiter vorsichtig, was den mittelfristigen Ausblick für den Netzwerkkonzern angeht. Sie bleiben bei ihrer Empfehlung auf "kaufen", setzen aber die Gewinnerwartungen für 2002 und 2003 herab und senken das Kursziel um 2 Dollar auf 21.50 Dollar, am frühen Morgen handelt die Aktie flach bei 15 Dollar.

Weiter unter Druck dürften die Banken stehen. JP Morgan verliert erneut bis zu 4 Prozent. Nachdem das Unternehmen für undurchsichtige Verstrickungen in die Enron-Pleite bereits Hiebe einstecken musste, ermittelt die Federal Reserve Bank nun auch in bezug auf einen Deal der zu JP Morgan gehörenden Chase Manhattan Bank mit dem Öl-Multi Mahonia. Zudem klingt eine "Kauf"-Empfehlung der UBS Warburg nicht eben überzeugend. Trotz des positiven Ratings warnen die Analysten vor Risiken im Zusammenhang mit Argentinien, Buchhaltungsfragen, Turbulenzen im Management und dem schwierigen Umfeld in Privatkundengeschäft und Investment Banking.

Größter Gewinner ist am Morgen die Aktie des Industrieriesen TRW. Der Rüstungskonzern Northrop Grumman, einer der besten Performer im S&P 500 seit dem 11.September, hat dem Unternehmen ein Übernahmeangebot unterbreitet. Northrop Grumman will sich vor allem die Rüstungs- und Raumfahrtsparte des Multis einverleiben und die Auto- und Autoelektroniksparte abschieben. Die Aktie von TRW legt im vorbörslichen Handel um 23 Prozent zu und notiert bereits über 47 Dollar, dem Übernahmekurs, den Northrop Grumman genannt hat.

Zu den großen Verlierern gehört hingegen Circuit City. Drei Tage nach dem ersten großen Kurssturz für die Aktien der Elektronikhändler, und zwei Tage, nachdem einige Analysten die Papiere verteidigt hatten, scheint klar, dass das große Comeback für Hightech weiter auf sich warten lässt. Circuit City warnt, dass die Nachfrage im Januar und Februar unerwartet schlecht verlaufen sei. Für 2002 sei lediglich mit einem Gewinn von 62 bis 65 Cents pro Aktie zu rechnen. Die durchschnittlichen Analystenschätzungen liegen bei 93 Cents. Circuit City verliert 11 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%