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Wall Street: Freundlich vor dem Wochenende

Die US-Märkte haben schwächer eröffnet als erwartet. Eine halbe Stunde nach Handelsbeginn notiert der Dow Jones mit einem Verlust von 30 Punkten, die technologie-orientierte Nasdaq liegt mit einem Minus von 5 Zählern im roten Bereich.

Durchwachsene Nachrichten kommen am Morgen von Seiten der Regierung. Der Index der Verbraucherpreise blieb im November unverändert gegenüber dem Vormonat, damit ist während der Rezession zumindest Inflation kein Problem, mit dem sich die US-Wirtschaft beschäftigen müsse. Die sinkenden Preise für Nahrungsmittel und Energie herausgerechnet, ist die Kernrate hingegen um 0,4 % gestiegen, vor allem aufgrund der Preisanstiege im Automobil- und Tabakbereich. Dies ist der größte Zuwachs seit rund einem halben Jahrzehnt.

Der größte Medienkonzern der Welt, AOL Time Warner , steht nach einem Upgrade von Goldman Sachs auf der Gewinnerseite. Die Analysten sagen, jüngste Zweifel an der Performance des Unternehmens seien übertrieben aufgenommen worden, vor allem in bezug auf das langsamere Wachstum, personelle Veränderungen im management und den Einfluss eines Bertelsmann-Ausstiegs aus AOL Europe. Goldman Sachs bestätigt AOL Time Warner auf der "Empfehlungsliste" und rät zu kaufen. AOL gewinnt 1 %.

Calpine ähnelt Enron

McDonald?s gewinnt 4 % und ist stärkster Wert im Dow, nachdem CEO Jack Greenberg die Erwartungen für das laufende vierte Quartal bestätigt hat. Ohne Sonderbelastungen erwartet man einen Gewinn von 34 Cents pro Aktie - dies ist im Rahmen des Wall-Street-Konsens. Für das kommende Jahr erwartet der Hamburger-Bräter einen Ertrag zwischen 1,47 und 1,54 $ je Aktie. Analysten rechnen mit einem Gewinn von durchschnittlich 1,49 $ je Aktie.

Größter Verlierer an der Wall Street ist der Energieriese Calpine. Schon seit Tagen raunt man auf dem Parkett, die Unternehmensstruktur von Calpine sei der des gescheiterten Konkurrenten Enron ähnlich. Calpine distanzierte sich von dieser Interpretation. Am Freitagmorgen droht das Analystenhaus Moody?s, die Kreditwürdigkeit Clapines zu senken und das Unternehmen - wie zuvor Enron - auf "Junk"-Status zu setzen. 15 % verliert die Aktie vor der Glocke.

Auf und ab springen die Aktien im Pharmasektor. Ausgerechnet Bristol-Myers Squibb legt am Morgen 1,5 % zu, dabei hatte das Management am Vorabend einen Ertragsrückgang um bis zu 6,6 % angekündigt. Das Unternehmen verliert im nächsten Jahr den Patentschutz für sein Diabetes-Mittel Glucophage und muss mit starker Konkurrenz durch Generika rechnen. Die Analysten von Lehman Brothers sehen in der Aktie mit Blick auf die vielversprechende Pipeline dennoch einen "überdurchschnittlichen Marktperformer".

Viagra-Hersteller unter Druck

Aktien von Pfizer stehen leicht unter Verkaufsdruck, obwohl das Unternehmen für 2002 ein Gewinnwachstum um 20 % erwartet. Pfizer verliert vor 2005 kein einziges Patent und muss Konkurrenz durch Billigpräparate und den Verlust von Marktanteilen nicht fürchten. Ein Gewinnwachstum um 16 bis 21 % erwartet auch Konkurrent American Home Products, die Aktie legt 1 % zu.

Auch an der Nasdaq dreht sich alles um Medizin. Am späten Donnerstagnachmittag hatte das Biotech-Unternehmen Amgen erklärt, man sei an einer Übernahme von Immunex interessiert. Der Deal soll 18 Mrd. $ schwer sein, was Analysten für ein Unternehmen mit einem Jahresgewinn von nur 1 Mrd. $ zu viel erscheint. Die Deutsche Bank Alex Brown hält die Übernahme für "unwahrscheinlich". Aktien von Immunex büßen daher Gewinne vom Donnerstag ein und notieren 1 % schwächer, Amgen notiert mit einem Minus von 6,3 %.

Pharmacyclics ist am Morgen der große Verlierer unter den Biotechs. Das mit großer Hoffnung getestete Krebsmedikament Xcytrin hat nicht die erhofften Erfolge gebracht. In Tests an 400 Patienten konnten Forscher nicht feststellen, dass das Medikament die Ausbreitung von Metastasen in das Gehirn verhindern konnte. Verbesserungen an dem Medikament und neue Tests werden eine Markteinführung um mindestens zwei Jahre verschieben, meinen die Analysten der USB Piper Jaffray. Sie verpassen der Aktie ein Downgrade. Pharmacyclics bricht um 55 % ein.

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