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Wall Street: Freundlicher Handel nach der Talfahrt

Nach zwei Tagen mit hohen Verlusten öffnet die Wall Street am Donnerstagmorgen freundlich. Große Gewinne sind für die beiden großen Indizes aber nicht drin. Der Dow Jones notiert mit 25 Zählern im Plus, die Nasdaq legt 15 Punkte zu.

NEW YORK. Einen Dämpfer bekommt der Handel am Morgen vom Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in der letzten Woche um 54.000 auf 488.000 gestiegen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat um 300.000 zugenommen. Das ist der größte Wochenzuwachs seit 1994, die Arbeitslosenquote ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Auf lange Sicht lässt diese Statistik keine Stabilisierung der US-Ökonomie erwarten. Angesichts der schlechten Arbeitsmarktsituation geht fast unter, dass die Bestellungen von langfristigen Gütern erstmals seit sechs Monaten zugenommen haben, und zwar um überraschende12,8 Prozent. Das stützt die Industrieproduktion.

Auch am Donnerstag ist die gescheiterte Übernahme des Energiekonzerns Enron durch Dynegy Thema des Tages auf dem New Yorker Börsenparkett. Nachdem sich Dynegy aus dem Deal zurückgezogen hat, gibt es für den einstigen Branchenriesen Enron kaum eine Chance mehr. Einige Anleger hatten vorbörslich Aktien gekauft - auf einfachem Grund: Investoren haben bei einem Aktienpreis von 60 Cents nicht viel zu verlieren. Sollte der Konzern noch zu retten sein, sind indes hohe Gewinne möglich. Im Handel bricht Enron allerdings um weitere 37 Prozent ein. Die Aktie notiert bei 38 Cents.

Im Sog von Enron finden sich die Aktien zahlreicher Unternehmen: J.P. Morgan und Citigroup verlieren jeweils ein Prozent. Die Banken müssen im Fall eines Konkurses von Enron Hunderte Millionen Dollar in den Wind schreiben.

Von den Problemen beim Energiekonzern profitieren hingegen Papiere von Nvidia und Anheuser-Busch . Der Chip- und Softwareentwickler Nvidia wird Enron im S&P 500 Index ersetzen, Budweiser-Brauer Anheuser-Busch soll für den Energiehändler im S&P 100 Index gelistet werden. Damit müssen Index-gebundene Fonds Aktien in Millionenhöhe kaufen. Nvidia legt sechs Prozent zu, Anheuser-Busch gewinnt ein Prozent.

Der Airline-Sektor gehört am Morgen mit einem Branchenplus von drei Prozent zu den großen Gewinnern. Die Analysten der Deutsche Bank Alex. Brown haben die Aktien von fünf Fluggesellschaften aufgestuft. Anleger sollen Papiere von American Airlines, Continental , Delta , Northwest und Alaska Air "aggressiv kaufen". Auch ohne Upgrade ist US Airways größter Gewinner im Sektor: Sieben Prozent legt die Aktie zu.

Zahlreiche Technologiewerte stehen am Morgen auf der Gewinnerseite. Auf der Tech-Konferenz in Arizona werden heute Kommentare von SAP , Hewlett-Packard , Siebel, Xilinx und Broadcom erwartet. Marktbeobachter rechnen durchweg mit guten Ausblicken, die Unternehmen legen zwischen zwei und fünf Prozent zu.

Fast vier Prozent legt der weltgrößte Handheld-Hersteller Palm zu. Das Unternehmen hat eine neue Entlassungsrunde ausgerufen. Weitere 250 Jobs oder 18 Prozent der Gesamtbelegschaft werden gestrichen. Einige Investoren werten das als einen weiteren Hinweis auf einen bevorstehenden Merger mit Handspring, über den bereits vor einer Woche spekuliert worden war. Auch Konkurrent Handspring legt fünf Prozent zu. Das Wall Street Journal sieht in dem neuen Minicomputer Treo 180 einen Durchbruch.

Der Biotech-Sektor, der am Mittwoch zu den aktivsten gehörte, wird heute von Acambis gestützt. Die US-Regierung hat bei dem Unternehmen 155 Millionen Impfungen gegen Pocken geordert. Damit will die US-Behörde für Seuchenkontrolle einen Vorrat anlegen für den Fall, dass die tödlichen Erreger als biologische Waffen eingesetzt werden. Merck und GlaxoSmithKline hatten sich ebenfalls um den Auftrag in Höhe von 428 Millionen Dollar beworben. Merck gewinnt 1,5 Prozent, GlaxoSmithKline gibt 1,7 Prozent ab.

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