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Wall Street: Gerüchte um Bin Laden stützen den Markt zum Wochenende

Nach stetem Auf und Ab beendeten die beiden großen US-Indizes den Freitagshandel im grünen Terrain. Der Dow Jones Index hatte zur Schlussglocke 45 Punkte zugelegt und ging bei einem Stand von 9811 Punkten aus dem Handel. Die Nasdaq legte sieben Punkte zu und schloss bei 1953 Punkten.

Ein Grund, warum sich der Markt in der letzten Handelsstunde von der Null-Linie löste, mag eine Meldung der Nachrichten-Agentur Dow Jones ("Wall Street Journal") gewesen sein. Diese meldete, dass Afghanen die Höhle gefunden haben wollen, in der sich Bin Laden verstecke. Bestätigungen dafür gibt es weder aus Afghanistan noch aus dem Pentagon, doch aus dem Parkett sorgt die Nachricht für einen kleinen Aufschwung.

Dennoch: Auf Wochensicht hat der Dow Jones 2,4 Prozent abgegeben, die Nasdaq 3,4 Prozent verloren. Nach einem Rekord-November und einer starken ersten Dezemberwoche ziehen vorsichtige Anleger Geld aus dem Markt. Vielen ging die Erholung nach den Septembertiefständen zu schnell und zu weit. Zuletzt hatte eine wahre Welle von Entlassungen und Gewinnwarnungen am Mittwoch und Donnerstag den Markt erschüttert.

Die größte Stütze für den Dow Jones war zum Wochenende das Papier von McDonald?s, das 4,5 Prozent zulegt. Das Unternehmen erwartet einen Quartalsgewinn von 34 Cents pro Aktie, was einen Penny unter dem Konsens der Wall Street Analysten liegt. Nach drei Quartalen mit negativem Wachstum werten Analysten diese Stabilisierung als Erfolg, zumal CEO Jack Greenberg optimistisch in das neue Jahr geht. Er schraubt die Erwartungen hoch auf 1,47 bis 1,54 Dollar Gewinn je Aktie. Analysten hatten zuvor mit einem Plus von 1,49 Dollar je Aktie gerechnet.

Auch andere Restaurantketten, darunter Wendy?s, Outback, Darden und die Muttergesellschaft von Kentucky Fried Chicken, Taco Bell und Pizza Hut, Tricon, schlossen deutlich in der Gewinnzone und machten die Branche zum stärksten Sektor im Freitagshandel.

Schwächste Aktie im Standardindex war Disney. Die Analysten von Merrill Lynch säbeln an den Ertrags- und Umsatzprognosen des Entertainmentriesen. Das Ergebnis dürfte im ersten Quartal bei lediglich acht Cents pro Aktie liegen und damit 75 Prozent unter dem Vorjahresniveau. In den nächsten Quartalen sollte es für das Unternehmen jedoch wieder aufwärts gehen, vor allem dank einer Erholung im Merchandising und Filmgeschäft. Merrill Lynch stuft Disney nur noch mit "halten" ein und das Papier verliert drei Prozent.

Fast ein Fünftel seines Wertes gab Calpine ab, der Energieriese ist damit der Tagesverlierer an der Wall Street. Die Rating-Agentur Moody?s droht, die Kreditwürdigkeit Calpines zu senken und das Unternehmen - wie zuvor Enron - auf "Junk"-Status zu setzen. Calpine und Konkurrenten wie Dynegy, Duke, Williams und Reliant handeln nahe ihrer 52-Wochen-Tiefs.

Die Supermarktkette K-Mart musste das Downgrade der Rating-Agentur am Freitagabend bereits einstecken. Moody?s setzen das Unternehmen auf "Junk"-Stufe, die Aktie verlor daraufhin in den letzten Handelsminuten fünf Prozent.

Die Tech-Branchen, die während der letzten drei Tage überwiegend auf der Verliererstraße gefahren waren, konnten sich zumindest zum Teil am Freitag retten und Schadensbegrenzung üben. Chiphersteller Broadcom kletterte am Nachmittag von einem Minus von zwei Prozent auf ein Plus von zwei Prozent. Das Unternehmen hat eine Klage von Intel wegen vermeintlicher Patentrechtsverletzung gewonnen und muss dem Chipgiganten nicht 82 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen.

Weiter bergab ging es für die Papiere von Amgen und Immunex. Die Übernahmeverhandlungen der beiden Konzerne beeindrucken Analysten nicht, die Deutsch Banc Alex Brown hält eine Fusion für "unwahrscheinlich". Vor allem der Preis von 18 Milliarden Dollar, den Amgen zahlen wollte, scheint Marktbeobachtern zu hoch, zumal Immunex einen Jahresumsatz von nur einer Milliarde Dollar hat. Amgen verlor sechs Prozent, Immunex gab vier Prozent ab.

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