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Wall Street holt Wochenverluste in Zwei-Tages-Rally wieder auf

Die US-Märkte zeigten am Donnerstag eine unerwartet starke Rally, die zumindest den Dow Jones Index zu einem Wochenhoch führt. Das Standardbarometer macht die Verluste vom Dienstag endgültig wett und klettert um 157 Punkte oder 1,6 Prozent auf 9915 Zähler. Um 21 Punkte oder 1 Prozent verbessert sich die Nasdaq , die auf 1934 Punkten schließt.

Nachdem der Markt am Dienstag und Mittwoch von einer Vertrauenskrise heimgesucht worden war, wurde am Donnerstag wieder gekauft. Aktien der Unternehmen, die mit vermeintlichen Bilanz-Unstimmigkeiten ins Gerede und auf die Verliererstraße gekommen waren, machten zumindest teilweise Verluste wieder wett. Tyco verbesserte sich, gestützt durch ein Okay der Ratingagentur Standard & Poor?s, um fast 1 Prozent, der Telekommunikationsriese WorldCom legte 2,8 Prozent zu.

Den vorsichtigen Optimismus, den der Handel gestern aus den Kommentaren der Notenbank ableitete, trübten indes ein wenig die jüngsten Daten aus dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind um 30.000 gestiegen. Damit haben sich in der vergangenen Woche 390.000 Amerikaner zum ersten Mal arbeitslos gemeldet, was etwas mehr ist als der Markt erwartet hatte. Dagegen ist der Lohnkostenindex etwas weniger gestiegen als Analysten prognostiziert hatten.

Zwei Werte waren es, die dem Dow Jones Kraft geben. Procter & Gamble , Hersteller von Alltagsgütern wie Zahnpasta, Küchentücher und Pampers-Windeln, schlug mit seinem Quartalsergebnis die Analystenerwartungen und weist bei einem Gewinn von 1,3 Milliarden Dollar ein Wachstum von 2 Prozent aus. Für das Jahr 2002 gibt man sich vorsichtig optimistisch: Nach einem noch verhaltenen ersten Quartal hofft man auf ein Gewinnwachstum von 4 bis 6 Prozent bis Jahresende. Die Aktie gewinnt 4,2 Prozent.

Mit einem Plus von 3,4 Prozent stützte Intel den Standardindex. Die Analysten von Merrill Lynch stufen den Chipgiganten auf "aggressiv kaufen" auf und setzen ein neues Kursziel auf 42 Dollar, rund 30 Prozent über der aktuellen Notierung. Der neue "Northwood"-Chip verschaffe Intel neue Marktvorteile, hieß es, so dass das Unternehmen die beste Position gegenüber den Mitbewerbern seit 1999 erreichen könne.

Den Chip-Zulieferern hatte man indes ein wenig mehr zugetraut. Maschinenbauer Applied Materials hatte auf einer Technologie-Konferenz der Bank of America in San Francisco erklärt, der Sektor habe einen Boden erreicht und bereits weitgehend durchlaufen. Andere Unternehmen äußerten sich ähnlich optimistisch. Dennoch legte Applied Materials nur 1 Prozent zu und damit in Höhe des Branchenmittel.

Der Software-Hersteller Oracle legte 3,5 Prozent zu, obwohl sich das Unternehmen auf einer Analystenkonferenz nicht eben von seiner Schokoladenseite präsentierte. Das Unternehmen hat zwar die Erwartungen für das laufende Quartal bestätigt, aber damit nur einen mageren Gewinn von 10 Cent je Aktie. Der Absatz neuer Programme werde um 15 und 19 Prozent zurückgehen. Die Analysten von Lehman Brothers und Credit Suisse First Boston sind nicht zufrieden, allein Prudential Securities stuft die Aktie von "Halten" auf "Kaufen" auf. Anleger beeindruckte aber, dass Oracle dem Konkurrenten Siebel Systems einen Großauftrag vom Telekom-Riesen AT&T weggeschnappt hat. Oracle soll 20.000 Computer mit neuen Programmen ausstatten. Die Aktie von Siebel verlor 0,8 Prozent.

Investoren scheinen die geplante Fusion von Compaq und Hewlett-Packard nun doch zu unterstützen. Die Papiere beider Unternehmen gewinnen leicht, nachdem die Europäische Kommission grünes Licht für den Merger gegeben hat. Die Wettbewerbshüter haben die Übernahme im Wert von 24 Mrd. Dollar ohne Bedingungen genehmigt. EU-Kommissar Mario Monti sagte, dass ein gemeinsames Unternehmen den Wettbewerb für Server, Computer und Drucker nicht einschränken würden.

Die Aktie von Electronic Arts konnte frühe Gewinne nicht halten und verlor 6,7 Prozent. Die Analysten von Merrill Lynch und US Bancorp PJ hatten den Videospiel-Marktführer auf "aggressiv kaufen" gesetzt, nachdem das Unternehmen ein Gewinnwachstum von 50 Prozent ausgewiesen hat. Zu verdanken ist das dem omnipräsenten Markt- und Weltenretter Harry Potter, der gemeinsam mit dem Herrn der Ringe, Electronic Arts zu neuen finanziellen Erfolgen führte. Auch die Experten der Deutsche Bank Alex Brown und der UBS Warburg sind angetan und empfehlen zu "kaufen". Doch Anleger scheinen eher James Lin, einem Analysten bei Jefferies & Co folgen zu können: Der warnt, dass Electronic Arts die Gewinne wohl nicht weiter steigern könne, da Spiele in der Pipeline, darunter das Film-Follow-Up Final Fantasy X, die Popularität der Herbst- und Weihnachtsschlager nicht hätten.

Die schwachen Quartalszahlen von Delta Airlines belasteten Aktie und Sektor nicht. Dass es den Fluggesellschaften seit September schlecht geht ist kein Geheimnis, und Zahlen sind daher Makulatur. Der drittgrößte US-Carrier weist einen Verlust von 486 Millionen Dollar im vierten Quartal aus, was einem Anteilsminus von 3,97 Dollar entspricht. Ohne das Airline-Hilfspaket der Regierung hätte Delta sogar 734 Million oder 5,98 Dollar pro Aktie verloren. Die Wall Street hatte mit einem etwas geringeren Verlust gerechnet, was den Markt angesichts der Airline-Krise aber nicht tangiert. Delta verbessert sich leicht. Auch United Airlines legt zu und verbessert sich um fast 1 Prozent. Das Unternehmen wird im Frühjahr weniger Piloten beurlauben als ursprünglich angekündigt, da man mehr Flüge als geplant wieder ins Programm nehmen wird.

Unterdessen müssen Tech-Investoren eine weitere Pleite zur Kenntnis nehmen. Der seit langem angeschlagene Kommunikationsanbieter McLeod USA hat Gläubigerschutz nach "Chapter 11" beantragt und folgt damit dem großen Konkurrenten Global Crossing. Die Aktie, die noch vor einem Jahr über 20 Dollar notiert hatte, ist längst zum Nasdaq-Pennystock verkommen. Das Papier war am Donnerstag vom Handel ausgesetzt.

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