Archiv
Wall Street im Minus trotz sonniger Konjunkturdaten

Der Donnerstag hatte so sonnig begonnen: besser hätten die Konjunkturdaten kaum ausfallen können. Doch die negativen Meldungen wogen für die Investoren offenbar schwerer. Und so drehten zunächst die Wachstumswerte ins Minus, dann rutschten auch die Blue Chips ins rote Terrain. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 21 Zählern auf 10.106 Punkten, die Nasdaq blieb knapp 21 Zähler im Rot und ging mit 1.731 Punkten.

Die Techwerte hatten nach der Gewinnwarnung von PC-Direktverkäufer Gateway schon auf falschem Fuß den Handelstag begonnen. Gateway endete mit einem satten Minus von über zehn Prozent. Das zog den Goldman Sachs Hardware Index ebenfalls nach unten. Nach dem Lunch verabschiedeten sich auch die Netzwerker, Softwarehersteller und der Chip-Bereich aus der Gewinnzone. Die Aktie von Riverstone sackt um mehr als 40 Prozent ab, nachdem das Management des Netzwerk-Ausrüsters die Umsatzprognosen deutlich reduzieren musste.

Während die Wall Street von einem Absatz in Höhe von 65 Millionen Dollar gerechnet hatte, erwartet Riverstone lediglich 50 bis 54 Millionen Dollar. Riverstone sackte um 48 Prozent ab. Genesis Microchip rutscht ebenfalls drastisch. Die Papiere des Anbieters von integrierten Schaltkreisen zur Verarbeitung digitaler Anzeigen lassen kräftig Federn, nachdem mehrere Analysten am Donnerstag den Daumen nach unten drehten: Die Aktien verlieren 37 Prozent und notieren derzeit bei knapp 26 Dollar.

Damit haben die Bullen, die auf die Konjunkturdaten geschaut hatten, am Donnerstag auf dem Parkett den Kürzeren gezogen. Dabei hatte es am Morgen gleich eine ganze Reihe von positiven Überraschunen gegeben: Das US-Bruttoinlandsprodukt ist nach den neuesten Berechnungen im vierten Quartal um 1,4 Prozent gestiegen. Ausgegangen waren die Experten bisher von lediglich 0,2 Prozent Wachstum. Analysten rechneten lediglich mit einer Revidierung auf 0,9 Prozent. Damit verzeichnete die Konjunkur das stärkste Wachstum seit dem vierten Quartal 2000. Ein deutlich niedrigeres Handelsbilanzdefizit und unerwartet robuste Einzelhandelsumsätze im Dezember trieben das Konjunkturwachstum an.

Und noch ein wichtiger Konjunkturindikator ist heute besser ausgefallen als gedacht. Der Chicagoer Einkaufsmanager Index, der die Industrieentwicklung in dieser wirtschaftlich wichtigen Region mißt. Dieses Barometer hatte in den vergangenen Monaten hinter dem nationalen positiven Trend zurückgelegen. Jetzt liegt der Index bei 53,1 Prozent und damit deutlich über den Prognosen von 47,1 Prozent. Der Indikator erreichte das höchste Niveau seit April 2000. Investoren gehen nun davon aus, dass die am Freitag anstehende Veröffentlichung des nationalen Einkaufsmanager-Index ebenfalls positiv ausfallen wird.

Zu den Profiteuren der guten Stimmung gehört Ebay . Der Internetauktionator hatte am Mittwoch den Rückzug aus Japan angekündigt. Die Aktie war rund sieben Prozent gefallen. Eine gute Kaufgelegenheit sagt Merry Meeker, Internetexpertin bei Morgan Stanley. Die Analystin stuft die Aktie von "outperform" auf "aggressiv kaufen" herauf. Bereits im vorbörslichen Handel legte das Papier knapp vier Prozent zu. Positiv bewertet Meeker, dass Ebay mittlerweile auch Produkte zu festen Preisen über die Seiten verkauft und nicht nur über das Auktionsverfahren vertreibt. Der Online-Auktionator gewann damit sechs Prozent.

Mit zu den größten Tagesgewinnern gehörten an diesem Donnerstag die Aktien von Hotelbetreibern. Die Analysten von Goldman Sachs haben sich nach einem Treffen mit dem Management von Marriott positiv zu der Aktie geäußert. Die Hotel-Gruppe befindet sich auf dem Weg der Besserung. Steigende Analystenschätzungen sollten dem Wert in nächster Zeit zugute kommen. Der Ertrag pro Aktie sollte von der höheren Zimmerauslastung, Kosteneinsparungen und einer niedrigeren Steuerrate profitieren. Auch das Management die kurzfristige Entwicklung noch skeptisch betrachtet, geht man bei Goldman Sachs davon aus, dass die Branche den Boden erreicht hat. Die sich abzeichnende Erholung dürfte insbesondere Marriott zugute kommen.

Der Handel nahm am letzten Tag des Monats einen ähnlichen Verlauf wie schon am Vortag: Am frühen Morgen ein zaghafter Versuch zu einer Rally durchzustarten, dann eine Verkaufswelle und ein letzter Versuch das Ruder herumzureißen. Noch scheint die Frühlingsstimmung der Fundamentaldaten sich nicht gegen das Mißtrauen der Investoren durchsetzen zu können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%