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Wall Street im Verlauf positiv

Trotz einer Flut von Gewinnwarnungen setzte heute eine Erholung an der Wall Street ein. Vor allem die Nasdaq begab sich auf Berg- und Talfahrt. Nach einem posiven Börsenstart rutschte der Index der Technologieaktien kurzzeitig unter sein 21-Monatstief, um kurz darauf wieder ins Plus zu drehen.

som/su/sum DÜSSELDORF. Nach den dramatischen Vortagesverlusten an den Aktienmärkten in New York konnte gestern jedoch noch nicht von einer Trendwende gesprochen werden. Die Standardwerte im Dow-Jones-Index legten bis 20 Uhr MEZ um 1,46 % zu. Die High-Tech-Titel an der Nasdaq stiegen um 3,32 %. Der breiter gefasste S & P-500-Index gewann um 1,34 %. Insgesamt wechselten in den ersten Handelsstunden rund 374 Mill. Aktien ihren Besitzer. Den 1238 Kursgewinnern standen 1264 Kursverlierer gegenüber.

Händler glauben, dass viele Anleger mit der Hoffnung, dass der Tiefpunkt erreicht worden sei, wieder eingestiegen sind. "Offensichtlich war der Markt reif für eine Rally", sagte Richard Cripps von Legg Mason Wood Walker. "Angesichts der Verkäufe aus steuerlichen Gründen zum Jahresende und auf Grund der Abflüsse aus den Investmentfonds, sehe er jedoch Schwierigkeiten, die Aufwärtstendenz beizubehalten. Die große Frage sei es jetzt, ob sich die Erholung fortsetzen wird."

Bei den Technologiewerten erholte sich die Aktie des Telekom-Ausrüsters Cisco Systems um knapp 10 %. Bei den Standardwerten legten unter anderem J.P. Morgan & Co., Coca Cola, Homedepot und Wal-Mart Stores Inc. zu und stützen den Dow Jones.

Doch der Kursanstieg stand auf wackligen Beinen, da er von geringen Umsätzen getragen wurde. Die Gründe waren ein neuer Schwung an Gewinnwarnungen mehrerer großer US-Unternehmen und die Angst unter den Investoren vor einem deutlichen Abkühlen des US-Wirtschaftswachstums. Es herrsche am Markt noch eine große Zurückhaltung. "Der Bär will einfach nicht loslassen", sagte Peter Cardillo von Westfalia Investments.

So wurde der Markt durch AT&T verunsichert. Die Aktie des Telekomriesen verlor 12 %. AT&T hatte am Mittwoch nachbörslich die Anleger vor geringeren Umsätzen und Erlösen gewarnt und zudem eine Dividendenkürzung um 83 % angekündigt. Die Gewinnwarnung von AT&T habe die Furcht der Investoren vor einem branchenweiten Rückgang des Wachstums geschürt, sagten Analysten. Die anderen großen US-Ferngesprächsanbieter, Worldcom und Sprint, hatten im vergangenen Monat Gewinnwarnungen veröffentlicht und das mit einem schwachen Markt begründet.

Händler und Analysten erwarten auch in nächster Zeit kaum gute Nachrichten von AT&T. "2001 wird nicht das Jahr, in dem die Umsätze besser werden", sagt Adam Quinton von Merrill Lynch. Der Analyst rechnet mit noch schwächeren Zahlen im kommenden Jahr. Für Davenport-Analyst Drake Johnston besteht die Herausforderung für AT&T jetzt darin, Geschäftsfelder zu finden, die Anleger anlocken. Ferngespräche seien jedenfalls keine Attraktion mehr: "Der einzige Weg, wie sie mit diesem Geschäft Investoren anziehen konnten, war eine hohe Dividende." Johnston erwartet, dass die Aufspaltung des Konzerns den Investoren möglicherweise einige Chancen bietet. Aber sie müssten warten. So bewertet er das Breitbandkabel-Geschäft mit etwa 25 $. Allerdings müssten die Anleger voraussichtlich bis 2002 warten, ehe sie Anteile an der Abteilung kaufen könnten.

So verlor der US-Telekomausrüster Lucent Technologies fast 20 %. Das Unternehmen hatte vorbörslich mitgeteilt, dass es für das erste Quartal 2001 deutlich höhere Verluste als geplant erwarte. Grund sei ein sich verschlechterndes Marktumfeld. Zudem revidierte Lucent seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal und korrigierte dabei seine Umsatzzahlen und den Gewinn aus den laufenden Geschäften noch weiter nach unten. Auch im Jahr 2001 sei nicht mit einem Umsatzwachstum zu rechnen, sagte der Vorstandsvorsitzende Henry Schacht. Trotz aller Probleme hält er Lucent für ein "gesundes Unternehmen".

Lucent will künftig seine Operationen entschlacken, das Produktangebot reduzieren und die Kostenstruktur erheblich senken. Dabei wird es auch Entlassungen geben. Die US-Ratingagentur Moody's Investors Service wertete nach der Erklärung des Unternehmens das langfristige Rating für Verbindlichkeiten auf "A3" von "A2" ab.

Nach den erneuten Gewinnwarnungen dürfte Händlern und Analysten zufolge die erhoffte Gegenbewegung der Wachstumsaktien im Keim erstickt worden sein. Vor allem charttechnisch orientierte Analysten sehen noch keinen Hoffnungsschimmer. Nach dem Unterschreiten der wichtigen Unterstützungslinie bei 2600 Punkten im Nasdaq-Index und den sich anschließenden dramatischen Kursverlusten bei einem gleichzeitig hohen Handelsvolumen habe sich das Bild noch weiter eingetrübt, urteilten Charttechniker.

Micron Technology stiegen jedoch trotz einer schlechten Unternehmensnachricht um 3 %. Der Produzent von Speicherchips hatte einen Gewinnrückgang im ersten Quartal auf 58 Cent pro Aktie bekannt gegeben. Analysten hatten 60 Cent erwartet. Auch Mitbewerber Conexant Systems kann seine Gewinn- und Umsatzerwartungen nicht erreichen. Die Aktie verlor 28 %. Der größte Chiphersteller Intel legte um gut 2 % zu.

Real Networks gerieten mit - 46 % in den Abwärtsstrudel. Der Anbieter von Medien-Software für das Internet setzte den gesamten Internet-Sektor erneut unter Druck. Real Networks teilte mit, dass die Umsätze und Erträge im vierten Quartal und im Gesamtjahr 2001 unter den Erwartungen bleiben. Das Unternehmen beklagte rückläufige Investitionen im Internet-Bereich. Mehrere Investmenthäuser reagierten mit einer Herabstufung des Titels.

Vor dem Börsenstart hatte das US-Handelsministerium Daten zur Entwicklung des US-Brutto-Inlandproduktes (BIP) mitgeteilt. Danach ist im dritten Quartal das BIP um 2,2 % gestiegen. Das ist die langsamste Wachstumsentwicklung im dritten Quartal seit vier Jahren. Analysten hatten mit einem Anstieg um 2,4 % gerechnet.



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