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Wall Street im Zwiespalt: Schlechte Nachrichten aus der Technologie, gute Konjunkturdaten

An den US-Märkten sieht es vor Handelsbeginn am Donnerstag nach einem verhalten positiven Start aus. Die Marktteilnehmer dürften heute zwischen zwei Stories hin und hergerissen sein: PC-Hersteller Gateway hat mit einer Gewinnwarnung für schlechte Nachrichten im Technologiebereich gesorgt. Gleichzeitig gibt es im Laufe des Tages neue Konjunkturdaten. Die Futures auf die drei großen Indizes stehen zunächst leicht im Plus.

Eine positive Überraschung gab es noch vor dem Läuten der Glocke: Das US-Bruttoinlandsprodukt ist nach den neuesten Berechnungen im vierten Quartal um 1,4 Prozent gestiegen. Ausgegangen waren die Experten bisher von lediglich 0,2 Prozent Wachstum. Gestern hatte Fed-Chairman Alan Greenspan in seiner Rede vor dem vor dem Wirtschaftsausschuss des Kongresses darauf hingedeutet, dass es erste Anzeichen für eine "festere ökonomische Aktivität" gebe. Allerdings blieb der Notenbankchef vorsichtig wie immer und warnte, das Wachstum könne schwächer bleiben, als sonst in einer Aufschwungsphase.

Ebenfalls stützend sollten sich die Arbeitsmarktzahlen auswirken. Auch hier blieben die wöchentlichen Arbeitslosmeldungen mit 378 000 unter den erwarteten 384 000 und damit auch klar unter der wichtigen Marke von 400 000, die auf eine schwächere Wirtschaftsentwicklung steht.

Dagegen sind die Nachrichten aus dem Technologiebereich eher ernüchternd. PC-Direktverkäufer Gateway hat mit einer Gewinnwarnung am Morgen die Anleger erschreckt. Das Management warnt, dass das Unternehmen auch in 2002 nicht die Gewinnzone erreichen wird. Um der Konkurrenz Marktanteile abjagen zu können, müsse man einen aggressiven und kostspieligen Preiskrieg führen. Im Gesamtjahr spricht das Management von einem 39 bis 49 Cents Verlust, während Analysten nur mit einem Fehlbetrag von 17 Cents rechneten. Finanzvorstand Joe Burke prognostiziert erst für 2003 eine Rückkehr in die Gewinnzone

Technologieführer Cisco kann sich ein wenig erholen nach dem Sturz vom Vortag. Der Netzwerk-Gigant hatte von den Aktienexperten von Wachowia schlechte Noten kassiert. Sie hatten ihre Gewinnerwartungen gekürzt und Cisco auf den tiefsten Stand seit Oktober gestürzt. Branchenkollege Riverstone erging es nicht besser. Das Unternehmen wird nach eigenem Eingeständnis seine Quartalszahlen nicht erreichen.

Schwach dürfte auch der Telekomsektor bleiben. Die Analysten von Goldman Sachs setzen die Aktien von Nortel Networks und Lucent Technologies weiterhin nur auf "halten". Der stark unter die Räder geratene Markt für Telekom-Technologie habe den Boden möglicherweise noch nicht erreicht. Auch wenn die Aktien von Lucent Technologies auf einem sehr niedrigen Niveau notieren, könnten sie im Fall eines weiter nachlassenden Umfelds weiter unter Druck geraten. Selbst wenn dies nicht passiert, sollte der Wert für einige Zeit in einer Handelsspanne von 5 bis 6 Dollar verharren. Auch bei dem kanadischen Konkurrenten Nortel Networks bestünden größere Risiken, jedoch sollte der Konzern von einer Nachfrageerholung stärker als Lucent profitieren. Dank der breiten Produktpalette sollten Nortels Wachstumsraten im nächsten Jahr über dem Branchendurchschnitt liegen, glauben zumindest die Analysten.

Auch wenn reiche Menschen in Rezessionsphasen nur etwas weniger reich werden, scheinen sie dennoch den Hang zum Sparen zu entwickeln. Ein Trend, den der Luxus-Einzelhändler Tiffany zu spüren bekommt. So kam es im vierten Quartal zu einem Umsatz- und Ertragsrückgang um jeweils rund 2 Prozent. Das operative Ergebnis vor einmaligen Kosten lag mit 58 Cents pro Aktie mit 2 Cent über den Erwartungen. Das schwierige Einzelhandelsumfeld in den USA und bestimmten internationalen Märkten, konnten nur bedingt durch steigende Gewinnmargen und Kosteneinsparungen aufgefangen werden.

Bleibt abzuwarten, welche Nachrichten die Wall Street heute höher gewichtet: positive Konjunkturdaten oder eher negative Unternehmenszahlen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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