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Wall Street: Industrie und Verbraucher stützen den Markt

Zum Wochenschluss sind es erneut Konjunkturdaten, die den Markt diktieren. Eine ganze Flut war es am Morgen, und die Wall Street ist zufrieden, zumal nun auch der moderate Optimismus von Notenbankchef Alan Greenspan stärker bewertet wird als direkt nach dessen Rede am Mittwoch. Den März beginnt der Dow Jones mit einem Plus von zeitweise mehr als 100 Punkten, die Nasdaq verbessert sich eine halbe Stunde nach Öffnung der Märkte um 22 Zähler.

Nachdem bereits am Donnerstag der Einkäufer-Index aus der Region Chicago über den Erwartungen lag, zieht das US-Barometer nach. Der Index, der die Stärke des produzierenden Gewerbes misst, ist von unter 50 auf 54,7 gestiegen, und damit stärker als erwartet. Zuletzt war vor allem das produzierende Gewerbe der große Bremsklotz für die Konjunktur.

Doch nicht nur die Industrie stützt den Markt am Freitag: Das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist um 0,4 Prozent gestiegen, deutlich stärker als der Markt erwartet hatte, und die Leute geben ihr Geld auch aus: Um ebenfalls 0,4 Prozent sind die Ausgaben der Konsumenten gestiegen. Eben diese Konsumentenausgaben sorgen für zwei Drittel der Umsätze der US-Wirtschaft. Dass sie gestiegen sind ist vor allem beachtlich, nachdem die Konsumenten zur Wochenmitte ihr schwächeres Vertrauen in die Stärke der Märkte bekundet hatten.

Alles andere als zufrieden ist der Club der Milliardäre: Die (nach wie vor umstrittene) Rezession geht auch an den Reichen nicht spurlos vorüber. In den letzten 12 Monaten haben 83 Milliardäre ihren Status verloren, es gibt nur noch 497 Personen, auf deren Kontoauszug ein zehnstelliger Saldo steht. "Das zweite Jahr in Folge sind die Vermögensstände zurückgegangen", sagt Louisa Kroll, die für das US-Wirtschaftsmagazin Forbes die Liste der Superreichen recherchiert hat. Sie beziffert das Gesamtvermögen aller 497 Milliardäre auf "nur" noch 1,54 Billionen, 11 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die größten Posten weisen nach wie vor Bill Gates (52,8 Mrd.$) und Warren Buffett (35 Mrd.$) aus, ihnen folgen neu die Aldi Brüder Theo and Karl Albrecht (26,8 Mrd.$).

Bill Gates? Kontostand nimmt am letzten Handelstag der Woche nicht weiter ab, obwohl Microsoft im Zusammenhang mit dem ewigen Kartellrechtsstreit erneut Schlagzeilen macht. Diesmal ist es der Staatsanwalt von Iowa, Tom Miller, dem die zuletzt wieder diskutierte außergerichtliche Einigung des Software-Riesen mit den Bundesstaaten nicht weit genug geht. Der Streit um die angeblich wettbewerbswidrige Koppelung des Internet-Explorers an das Betriebssystem Windows belastet den Konzern seit einem Jahr, am Morgen handelt Microsoft mit 1,5 Prozent im Plus.

Die übrigen Tech-Giganten beginnen den Handelstag freundlich. Der Chip-Gigant Intel verbessert sich um 3 Prozent, der Hardwarehersteller Sun Microsystems legt 1,5 Prozent zu. Auch Cisco notiert stark behauptet, allein, die Aktie könnte im Laufe des Tages erneut unter Druck geraten: Die Analysten von JP Morgan haben ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen an den Netzwerkriesen heruntergesetzt. "Wir glauben, dass eine Erholung des Netzwerk-Umfelds und ein Anstieg der Bestellungen bei Großkunden langsamer einsetzt als wir bislang erwartet hatten", sagen die Experten. Die Cisco-Aktie hat in den vergangenen drei Monaten ein Drittel an Wert verloren.

Mit Novell steht noch ein weiterer Netzwerker auf der Verliererseite, obwohl das Unternehmen einen Gewinn von 3,3 Millionen Dollar oder 2 Cent pro Aktie für das abgelaufene Quartal bekannt gegeben. Damit hatte man die Erwartungen der Analysten deutlich geschlagen: die Wall Street war von einem Verlust von 1 Penny pro Anteil ausgegangen. Novell verliert 5,8 Prozent.

Um 4,5 Prozent nach oben geht es vor der Glocke für die Aktie von Novellus. Der Chip-Ausrüster hat seine Erwartungen für das laufende Quartal nach oben gesetzt. Man sieht weiter Zeichen einer Erholung im Chip-Umfeld. Bei einem erwarteten Absatz von 134 Millionen Dollar, gegenüber vorher prognostizierten 130 Millionen Dollar, will Novellus den Anteilsverlust auf 9 Cent begrenzen. Die Analysten von Robertson Stephens stufen die Aktie auf "kaufen" auf.

Viel Bewegung ist am Freitag im Biotech-Sektor. Dort ist Andrx mit einem Plus von 12 Prozent der große Sieger. Das Unternehmen hat laut einem Bundesgericht in Florida mit der Entwicklung eines Generikums auf die Psychopharmaka von GlaxoSmithKline kein Wettbewerbsrecht verletzt. Das Andrx-Mittel kann noch im Sommer mit der Marktzulassung durch die Prüfbehörde FDA rechnen.

Die Aktie von Invitrogen verliert hingegen 30 Prozent. Das Unternehmen hat am Vorabend erklärt, man werde die Gewinnerwartungen der Analysten im laufenden Quartal verfehlen. Um mehr als 13 Prozent rutschen Papiere von Protein Design Labs. Der Biotech-Konzern hat einen größeren Verlust gemeldet als erwartet worden war und wird bis Ende des Jahres keine schwarzen Zahlen schreiben.

Mit 2,7 Prozent im grünen Bereich handeln die Papiere der Mandalay Bay Casino und Ressort Gruppe. Das Unternehmen, das unter anderem das "Luxor" und das "Circus, Circus" in Las Vegas betreibt, hat für das abgelaufene vierte Quartal einen Verlust von 10 Cent pro Aktie gemeldet, mehr als Analysten erwartet hatten. Dennoch sind einige Experten optimistisch, was die Zukunft des Entertainment-Konzerns betrifft. Bei Robertson Stephens setzt man die Erwartungen hoch und stuft Mandalay Bay auf "kaufen" auf.

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