Wall Street Inside
Kolumne: Keine Lust auf Schule

Dass Schüler nach den Sommerferien, nach Sonne und Strand, am liebsten nie mehr in die Schule zurück möchten, ist nicht neu. Dass aber auch die Eltern dem Schulanfang nicht unbedingt mit Freude entgegensehen - das schon. Doch während die Kids vor Algebra und Geschichtsklausur zurückschrecken, haben die Eltern ganz andere Gründe: Mit dem Schulanfang kommen jedes Jahr Kosten auf die Familien zu, die man sich im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld lieber sparen würde.

In amerikanischen Supermärkten, Schreibwarengeschäften - und seit der Machtübernahme von Tommy Hilfiger und Nike auch in Mode- und Schuhgeschäften - haben die "Back-to-School"-Wochen begonnen. Und nach den ersten beiden Wochen fallen die Zahlen für die meisten Ketten nicht so gut aus, wie man im Vorfeld gehofft hatte.

Der Hauptgrund: Mr. und Mrs. Normalverbraucher wollen nicht mehr soviel Geld ausgeben wie bisher. Wer schon das ganze Jahr spart, im Urlaub lieber zur Oma nach New Jersey fährt als in die Karibik und statt im Restaurant plötzlich doch lieber zuhause speist, der kauft den Kids auch nicht unbedingt jedes Jahr eine neue Tasche, einen neuen Füller und den Taschencomputer im neusten Action-Design. Vor Schulbeginn beläuft sich der Kassenzettel auf durchschnittlich 442 $, im letzten Jahr hatte man durchschnittlich 457 $ ausgegeben - damit droht dem Einzelhandel ein Minus von 3,5 %.

Zwei der größten US-Händler spüren das besonders: Branchenführer Wal-Mart und Federated Department Stores, die Holding hinter Macy?s und Bloomingdale?s. Beide Unternehmen haben am Montagmorgen enttäuschende Zahlen vorgelegt. Bei Wal-Mart ist man der Meinung, dass vor allem das warme Wetter die Kunden von den Läden fernhalte, beim Konkurrenten ist man einfach nur "sehr enttäuscht". Strahlen können wirklich nur wenige: die Discounter und Schnäppchenketten. Bei JC Penney, Kohl?s und Target laufen die Geschäfte im Rahmen der Erwartungen.

Bei JC Penney sind dabei nicht nur günstigere Preise ein Argument für Kunden. Shari Ebert, Analystin bei JP Morgan, geht davon aus, dass das Unternehmen mit seiner aktuellen Werbekampagne voll im Trend liegt. Bunte spritzige Spots kämen zur Zeit gut an, meint die Expertin - Ebert sagt: "JC Penney hat in die Kauflust der Kunden investiert."

Teure Kampagnen lohnen sich zum Schulstart ganz besonders: Die Aktionen für die Zeit nach den Ferien machen bis zu 10 % der US-Einzelhandelsumsätze aus. Nur das Weihnachtsgeschäft ist für die Branche noch bedeutender, da werden 20 bis 40 % der Jahresumsätze gemacht.

Bis Weihnachten wollen aber zumindest die Aktionäre nicht warten - sie distanzieren sich am Montagmorgen von den Papieren der großen Ketten. Wal-Mart und Federated geben im Handel ab, die Discounter legen zu.

Zu weit dürften sich Anleger indes nicht von der Branche entfernen, denn Marktbeobachter haben eine Tendenz erkannt, die schwache Verkäufe vor Schulbeginn zumindest teilweise ausgleichen dürfte: Immer mehr Eltern warten mit ihren Einkäufen, bis die Schule tatsächlich angefangen hat. Diese Überlegung ist nicht wirtschaftlicher Natur, denn große Rabatte stehen nicht an. Doch will man einfach sehen, welche Shirts, Schuhe und Notizbücher die anderen haben, um ja keinen Trend zu verpassen.

Analysten sehen entsprechend noch Potential für die September-Verkäufe. Allerdings warnen sie vor euphorischen Käufen, denn die Verkaufszahlen für den nächsten Monat seien wohl nicht aussagekräftig. Denn sie stehen im Jahresvergleich zum September 2001. In jenen Monat fielen die Terror-Angriffe auf die USA, die gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten - inklusive der Einzelhandelsverkäufe - fielen auf ein historisches Tief. Aussagekräftige Vergleiche werde man, so Analystin Ebert, erst wieder im November anstellen können.

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