Wall Street kalkuliert Scheitern der Übernahme bereits ein
US-Politiker sind weiterhin gegen Voicestream-Kauf

Die Deutsche Telekom ist dem Vollzug der Akquisition von Voicestream näher gekommen. Die Opposition im US-Senat lässt aber nicht locker. US-Senator Hollings will seinen Gesetzesvorschlag, der die Übernahme verbietet, rasch einbringen. Im US-Wahlkampf ist eine Eskalation des Konflikts nicht auszuschließen.

Handelsblatt NEW YORK/ WASHINGTON. Trotz der Genehmigung durch das US-Justizministeriums in der vergangenen Woche gibt es im US-Senat weiter starke Opposition gegen die geplante Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream Wireless durch die Deutsche Telekom. Nach einer Anhörung vor dem Kongress zeigten sich Vertreter der Telekom und andere Beobachter zuversichtlich, dass US-Senator Ernest Hollings mit seinem Gesetzesvorschlag scheitern wird. Hollings will der Telekom wegen des hohen Anteils der Bundesregierung die Übernahme eines US-Konzerns verbieten. Investoren an der Wall Street sehen allerdings deutlich höhere Risiken für das Telekom-Vorhaben.

William Lake, der als Anwalt der Kanzlei Wilmer, Cutler & Pickering die Deutsche Telekom in Washington vertritt, verwies gegenüber dem Handelsblatt darauf, dass bei der Anhörung vor dem Kongressausschuss mit nur einer Ausnahme alle geladenen Experten ein neues Gesetz abgelehnt hätten. Auch von der US-Aufsichtsbehörde für Telekommunikation FCC scheint der Telekom kein Widerstand zu drohen. Die FCC könne sicherstellen, dass bei der Übernahme von Voicestream die nationalen Interessen der USA nicht verletzt würden, sagte FCC-Chef William Kennard. Eine mögliche Bedrohung der nationalen Sicherheit ist aus US-Sicht einer der Knackpunkte bei internationalen Fusionen.

Fachleute rechnen nicht mit Widerstand vom CFIUS

Die FCC muss als Teil der amerikanischen Kartellbehörde der Übernahme zustimmen. Neben der FCC muss zudem der Ausschuss für ausländische Investitionen CFIUS die Übernahme genehmigen, in dem auch Vertreter der Bundespolizei FBI sitzen. CFIUS muss prüfen, ob durch die Übernahme die nationale Sicherheit der USA gefährdet wird - etwa weil die Möglichkeit zur Telefonüberwachung durch das FBI beeinträchtigt werden könnte. Fachleute rechnen aber nicht mit Widerstand vom CFIUS.

Ernster wird dagegen Senator Hollings und seine Mitstreiter genommen. Um eine rasche Entscheidung herbeizuführen, will Hollings seine spezielle Gesetzesinitiative an ein allgemeines Haushaltsgesetz anhängen. Dieses Haushaltsgesetz könnte nämlich schon in dieser Woche vom Kongress verabschiedet werden. Kommt Hollings' Gesetzesentwurf jedoch nicht als Anhang zur Abstimmung, dürfte seine Chancen erheblich sinken. Dann müsste der Senator seine Initiative eigenständig im Kongress einbringen - mit geringen Aussichten auf eine Mehrheit. Das räumt auch der Presseprecher von Hollings ein. Zudem macht es der wegen der anstehenden US-Wahlen vollgepackte Terminplan des Kongresses für die Telekom-Gegner schwierig, ihren Gesetzesentwurf noch vor Ende der aktuellen Sitzungsperiode Anfang Oktober einzubringen.

Kommt es zu einer Vertagung, sinkt auch das Risiko, dass das Thema im laufenden US-Wahlkampf noch instrumentalisiert wird. Das halten Beobachter wie Tom McVey, Leiter der internationalen Abteilung bei der Anwaltskanzlei Williams, Mullen, Clark & Dobbins in Washington, derzeit für die größte Gefahr. Für McVey stehen hinter der Hollings-Initiative protektionistische Bestrebungen. "Es geht ihm darum, amerikanische Unternehmen vor ausländischen Konkurrenten zu schützen", sagte McVey. Das Argument von Hollings, der Telekom wegen des noch hohen Staatsanteils die Übernahme von Voicestream zu untersagen, hält McVey für vorgeschoben. Hollings sei trotz der starken ausländischen und deutschen Investitionen in seinem Heimatstaat Süd-Carolina bekannt für protektionistische Positionen. McVey hält es für wahrscheinlich, dass die Voicestream-Übernahme durch die Telekom vollzogen wird.

Marktteilnehmer an der Wall Street sind weniger optimistisch. Ein Portfoliomanager glaubt, dass aus Sicht der Investoren die Chancen 50 zu 50 stehen, dass die Fusion wegen des politischen Widerstands platze. Das zeige sich schon am Kurs der Voicestream-Aktie. Die Aktie notiere fast 35 % unter dem Preis, den die Telekom zu zahlen bereit sei. "Diese große Spanne reflektiert das Risiko, dass die Fusion scheitern könnte", meint der Investor.

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