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Wall Street: Keine Begeisterung nach Arbeitsmarktreport

Im August 1995 sahen die USA das letzte Mal eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent. Mit der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts trübte sich die Laune der Anleger. Bevor sie sich ins Wochenende verabschieden, drücken sie noch einige Aktien aus ihren Depots. Der Dow Jones-Index verliert rund 0,4 Prozent, die Nasdaq ist 0,7 Prozent schwächer.

Der Arbeitsmarkt ist nach Angaben des Washingtoner Arbeitsministeriums angespannter als vermutet. Bei den Unternehmen wurden mit 331 000 Stellen mehr Jobs gestrichen als vermutet. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,4 auf 5,7 Prozent. Im Durchschnitt rechneten die Experten nur mit einem Zuwachs auf 5,6 Prozent. Bereits vor einem Monat ist die Quote deutlich in die Höhe gesprungen.

Der Notenbank wird mit den Arbeitsmarktdaten ein weiteres Argument in die Hand gegeben, die Zinsen auf der kommenden Sitzung am Dienstag den Leitzins abermals zu senken. Es wäre die elfte Zinsreduzierung in diesem Jahr. Notenbankchef Alan Greenspan brachte ihn in diesem Jahr bereits von 6,5 auf 2 Prozent.

Zudem zeigen die Daten der Universität Michigan, dass das Konsumentenvertrauen stärker als erwartet gestiegen ist. Dies ist zumindest im ansonsten eher schlechten Wirtschaftsumfeld ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Chipsektor ist einer der wichtigsten. Intel ist der größte Gewinner an der Nasdaq. Immerhin gab es aus dieser Ecke gute Nachrichten. Bei Intel sieht es sehr viel besser aus als gedacht. Die Umsatzerwartung wurde um einige hundert Millionen Dollar auf eine Spanne zwischen 6,7 Mrd. und 6,9 Mrd. Dollar angehoben. Insbesondere die Nachfrage nach dem Pentium 4-Prozessor sei hoch gewesen, sagte das Unternehmen. Bei diesem Chip habe es bereits einige Lieferengpässe gegeben, die sich am Anfang kommenden Jahres vermutlich noch verschärfen werden. Dresdner Kleinwort Wasserstein und Goldman Sachs empfehlen die Aktie zum Kauf, bei ABN Amro steht sie nur auf "Halten".

Das Weihnachtsgeschäft läuft bisher für die Computerhersteller relativ gut. Aus diesem Grund haben die Rechnerproduzenten bereits neue Bestellungen an die Chiphersteller geleitet. Der große Rivale von Intel, Advanced Micro Devices , präsentierte ebenfalls mit einem Strahlen sein Quartals-Update. Demnach werde der Umsatz im laufenden vierten gegenüber dem Vorquartal um "wenigstens zehn Prozent" steigen. Das ist deutlich mehr als Analysten bisher erwarteten. Die Aktie klettert im zweistelligen Prozentbereich.

National Semiconductor meldete ein unerwartet gutes Ergebnis. So konnte der Umsatz im Vergleich zum vorhergehenden Quartal um acht Prozent gesteigert werden, was leicht über den Erwartungen lag. Das Ergebnis profitierte wiederum von einer leichten Verbesserung der Brutto-Margen. Der Hersteller von Spezialchips geht davon aus, dass das Ergebnis in dem nun angebrochenen Quartal die Erwartungen des Marktes einhalten kann. Goldman Sachs stuft den Wert weiterhin nur mit "halten" ein.

Sun Microsystems hat sich weniger in die Karten blicken lassen als erhofft. Anleger strafen die Aktie heute ab, sie notiert zwei Prozent niedriger. Der Serverhersteller sagte, dass die Bestellungen im laufenden Quartal den bisherigen Erwartungen entsprechen. Zudem rechnet Sun gegenüber dem Vorquartal mit einem Umsatzanstieg. Allerdings hat das Management keine Angaben darüber gemacht, ob damit die Umsatzerwartungen erfüllt werden. Auch über die Ertragslage hat sich das Unternehmen ausgeschwiegen. Analysten hatten damit gerechnet, dass der Serverhersteller einen klareren Ausblick geben würde. Das Brokerhaus Morgan Stanley bleibt bei der Einstufung "neutral". ABN Amro kann sich nur zu einem "Halten" entschließen.

Boeing versucht im Rüstungsbereich seine hervorgehobene Position nicht zu verlieren. Zu diesem Zweck soll der neue Militärjet F/A-18 Super Hornet deutlich billiger werden. Die Kosteneinsparungen sollen verdoppelt werden, um weiterhin für Auftraggeber attraktiv zu bleiben. Das Flugzeug wird zunächst vermutlich 50 Millionen Dollar kosten. Nun sollen die Kosten um 20 Prozent auf 40 Millionen Dollar gedrückt werden. Allein durch die Neugestaltung der "Nase" des Flugzeugs könnte eine halbe Million eingespart werden, sagte Boeing. Erst vor kurzem ging dem Konzern ein 200-Milliarden-Dollar-Großauftrag durch die Lappen, den der Konkurrent Lockheed Martin bekam. Lockheed gab zudem bekannt, dass es einen Mehrjahres-Vertrag im Wert von über einer Milliarde Dollar mit der US Air Force unterschrieben habe. Die Sparbemühungen Boeings und der neue Auftrag von Lockheed werden von der Börse honoriert.

DaimlerChrysler macht zurzeit in den USA eher durch negative Nachrichten von sich reden. 120 000 neue Modelle des Wagens Jeep Liberty werden wieder in die Werkstatt gerufen. Die Haltevorrichtungen für Airbags müssen überprüft und verbessert werden. Es könnte sein, dass die potenziellen Lebensretter bei einem Unfall zu langsam aufgeblasen werden. Die Aktie liegt nur leicht im Minus.

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