Wall Street: Keine Euphorie trotz dreistelligem Plus

Archiv
Wall Street: Keine Euphorie trotz dreistelligem Plus

Die US-Märkte haben am Mittwoch nahe ihrer Tageshöchststände geschlossen. Der Dow Jones schloss mit einem satten Plus von 126 Zählern oder 1,3 Prozent auf 9988 Punkten. Die technologie-orientierte Nasdaq schloss mit 1858 Punkten, das entspricht einer Verbesserung um 24 Punkte oder 1,3 Prozent.

Marktbeobachter wollen Tagesgewinne - selbst im dreistelligen Bereich - zur Zeit aber nicht überbewerten. "Der Markt handelt im Moment in einer engen Spanne, es wird in den nächsten Woche wohl keine dramatischen Gewinne oder Verluste für die großen Indizes geben", sagt ein Händler am Mittwoch, der seine These auch in einem vergleichsweise schwachen Volumen begründet sieht.

Den Markt stützten Zahlen aus dem Einzelhandel. Die US-Verkaufszahlen sind im Januar zwar um 0,2 Prozent gefallen, doch ist das einem starken Einbruch im Automobil- und Energiebereich zuzuschreiben. Der warme Winter hat auf die Ausgaben für Heizöl gedrückt; doch dies und die schwachen Autoabsätze nicht mitgerechnet, sind die Verkäufe um 1,2 Prozent gestiegen. Das sind nicht nur gute Nachrichten für den Einzelhandel, der im Branchenmittel 1 Prozent zulegt, sondern auch für zahlreiche andere Branchen, da Verbraucher mit höheren Ausgaben Vertrauen in die Wirtschaft signalisieren.

Trotz der offensichtlichen Schwäche im Automobilsektor handeln die Papiere der "großen Drei" am Morgen im grünen Bereich. Besonders optimistisch geben sich die Analysten von Merrill Lynch für den Marktführer General Motors . Sie setzen die Gewinnerwartungen für das Jahr 2002 herauf und begründen dies mit einer stärkeren Nachfrage als man bisher erwartet habe. GM verbessert sich um 3,1 Prozent. Ford gewinnt 4 Prozent, DaimlerChrysler legt 2,7 Prozent zu.

Im Dow schlossen nur wenige Werte auf der Verliererseite, einer davon ist JP Morgan . Die Aktie der zweitgrößten US-Bank verlor 4 Prozent, nach Gerüchten, die Rating-Agentur Moody?s wolle die Kreditwürdigkeit der zweitgrößten US-Bank herabsetzen. Moody?s dementiert, allerdings bewertet man JP Morgan schon seit September "negativ", während Standard & Poor?s an einem Rating als "stabil" festhält. Die Analysten von Merrill Lynch verteidigen die Branchenkollegen, doch ihr Ruf verhallte ungehört.

Die übrigen Finanztitel, Banken wie Brokerhäuser, schlossen leicht im Plus. Die Analysten der ABN Amro setzt sie Erwartungen für die Branchenkollegen herab. Unter einem schwächeren Handel würden vor allem Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley leiden. Etwas besser positioniert sieht man Merrill Lynch, für die Aktie sprechen sie nach wie vor die Empfehlung "Kaufen" aus. Merrill Lynch gewinnt 1,7 Prozent.

Unter Druck steht in dieser Woche United Airlines - und das gilt nicht nur für die Aktie. Die Mechaniker-Gewerkschaft hat ein Tarif-Angebot der Fluggesellschaft abgelehnt, dass eine Gehaltserhöhung um 37 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Lohngarantien, Arbeitsplatzsicherheit und Altersversorgung seien nur unzureichend berücksichtigt worden, sagt die Gewerkschaft. 68 Prozent der Mitglieder haben sich für einen Streik ausgesprochen, der frühestens am Mittwoch beginnen könnte und den zweitgrößten US-Carrier in enorme Schwierigkeiten, und nach Unternehmensaussage sogar in eine mögliche Pleite, führen könnte. Analysten rechnen nicht damit, dass es so weit kommen wird, Anleger ziehen sich aber vorerst zurück: United Airlines verlor ^5,2 Prozent.

Mit Verlusten gingen auch die Medienaktien von Rupert Murdochs News Corp und der angeschlossenen TV-Gruppe Fox aus dem Handel. Die Unternehmen leiden unter dem Anzeigenschwund, der Fox allein in den Bereichen Football, Baseball und Nascar mehr als 900 Millionen Dollar gekostet hat. Goldman Sachs nimmt News Corp und Fox von der Empfehlungsliste. News Corp verlor 5 Prozent, Fox gab 2,8 Prozent ab.

Besser sieht es bei Viacom aus. Der Medienkonzern, meldete bei einem Umsatzrückgang von nur 5 Prozent einen Quartalsverlust von 8 Cent pro Aktie und damit 2 Cent besser als erwartet. Obwohl man das nach wie vor schwache Umfeld wahrnimmt, geht Viacom davon aus, die Erwartungen für 2002 übertreffen zu können. Die Aktie schloss stark behauptet.

An der Nasdaq blieb der Focuss auf zwei Werte gerichtet: Applied Materials , der größte Hersteller von Maschinen für die Chipproduktion, verdiente im vergangenen Quartal 15 Millionen Dollar oder 2 Cent pro Aktie. Analysten gingen von einem Break-Even aus. Obwohl die Auftragseingänge unverändert geblieben sind, will man den Gewinn im laufenden Quartal um bis zu 15 Prozent steigen. Applied Materials schloss mit einem Plus von 7,7 Prozent.

Network Appliance klettert um 18 Prozent. Das Unternehmen hat bei einem Umsatzrückgang um ein Drittel einen Gewinn von 16 Millionen Dollar oder 4 Cent pro Aktie eingefahren und die Erwartungen um zwei Cent übertroffen. Network Appliance geht für das laufende Quartal von einem Gewinn in gleicher Höhe wie im jetzt abgelaufenen Quartal aus, Analysten sind optimistischer und rechnen mit einem Ertrag von 3 Cent pro Aktie.

Während auch die übrigen Chipwerte sowie die Aktien der Hardware-, Software und vor allem der Internet-Branche die Nasdaq stützen, drückt die Biotech-Branche auf den Index. Weiter auf Kletterpartie ist das Internet-Unternehmen Overture, dem neu geschlossene Kooperationen mit Yahoo und Microsofts Internet-Plattform MSN zu neuer Kraft verhilft. Die Aktie übertraf mit einem Plus von 19 Prozent sogar noch die Zugewinne der Vortage.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%