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Wall Street klettert bei marktbreitem Optimismus

Ein Start nach Maß: Die Wall Street profitierte zum Wochenauftakt von optimistischen Kommentaren zur US-Konjunktur und setzte ihre Rally vom Freitag fort. Der Dow Jones verbesserte sich um 217 Punkte oder 2,2 % auf 10.586 Punkte. Die Nasdaq legte 56 Zähler oder 3,2 % zu und schloss bei 1859 Punkten.

Damit haben die großen US-Indizes einen außergewöhnlichen Start in den März hingelegt. An zwei Handelstagen im noch jungen Monat hat der Dow fast 500 Punkte gewonnen und damit die steilste Zwei-Tages-Rally seit eineinhalb Jahren gezeigt. Und auch die Nasdaq scheint nach einem schwachen Handel seit Jahresbeginn die Trendwende geschafft zu haben. Ganze 7 % hat das Tech-Barometer gutgemacht.

Dabei hatte es am Morgen nicht gut ausgesehen. In Afghanistan fielen neun amerikanische Soldaten in den bisher härtesten Kämpfen, und auch weitere Anschläge in Israel machen Sorgen.

Doch es waren die Analysten von Merrill Lynch, auf die der Markt hörte. Sie glauben weiter an eine starke Konjunktur und haben die Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt auf ein Wachstum von 4,3 % in 2002 heraufgesetzt. Mit dem Bruttoinlandsprodukt steigen die Gewinne für die Unternehmen, sagen die Experten und setzen die Erwartungen für die Firmen im S&P 500 auf ein Gewinnwachstum von 15 % in 2002 und 22 % in 2003.

Zu einer Umgewichtung rieten indes die Analysten von Morgan Stanley. "Wir glauben nicht länger als die USA als einzig wachsende Wirtschaftsmacht", sagen sie und raten, US-Aktien zu untergewichten und Papiere europäischer Konzerne zu übergewichten.

Die positiven Kommentare zur Konjunktur kamen vor allem den Finanztiteln und zyklischen Werten zugute. JP Morgan war mit einem Plus von fast 10 % stärkster Performer im Dow, auch Citigroup und American Express legten deutlich zu. Des weiteren unter den großen Gewinnern: Alcoa, Caterpillar, General Electric, Eastman Kodak, International Paper und United Technologies . Eher schwach handelten die Konsum-Aktien, darunter Philip Morris, Coca-Cola und Procter & Gamble . Der breite Optimismus trieb Anleger aus den Defensivwerten zu Tech-Aktien.

Ebenfalls auf der Siegerstraße fuhr General Motors : die Aktie gewann 6,6 %. Die Analysten von JP Morgan setzen den Titel von "halten" auf "kaufen" und nennen ihn die "beste Auto-Aktie". Sie sagen, der weltgrößte Autokonzern profitiere von der anhaltend robusten US-Nachfrage für PKWs und der vorteilhaften Entwicklung der Marktanteile. Unerwartet starke Februarverkäufe, die am Mittag bekannt gegeben wurden, unterfütterten diese Einschätzung.

Zwei Downgrades belasten den Dow Jones indes nur wenig. Das Brokerhaus Lehman Brothers senkt die Gewinnerwartungen für Minnesota Mining & Manufacturing, kurz 3 M. Vor allem im ohnehin schwachen Auslandsgeschäft erwarten die Experten weitere Einbrüche. Die Aktie gewinnt 2,3 %. Einer der schwächsten Performer war unterdessen Home Depot . Die UBS Warburg senkt ihr Rating für die größte US-Baumarktkette und den Konkurrenten Lowe?s von "aggressiv kaufen" auf "kaufen". Der Sektor habe den übrigen Einzelhandel outperformt, nach einer zuletzt erfolgreichen Performance seien positive Überraschungen in naher Zukunft ausgeschlossen. Die Analysten senken ihr Kursziel für Home Depot auf 55 - 35 Dollar, für Lowe?s auf 52 bis 59 Dollar. Home Depot hab 0,8 %, Lowe?s gab 2,2 % ab.

Der Computerriese IBM und der Chiphersteller Xilinx hatten am Morgen ein zweijährige Kooperation gemeldet und legten beide an Wert zu. Xilinx verbesserte sich um 6,6 %, "Big Blue" legte 3,2 % zu und scherte sich nicht um kritische Kommentare von Merrill Lynch, das sich nur noch "neutral" über IBM äußert. Man sei um die Umsätze beim Computerriesen "besorgt", hieß es.

Stärkster Sektor war am Montag die Chipbranche, die 6 % zulegte. Deutlich schwächerlegte Branchenriese Intel zu. Das Unternehmen legt am Donnerstag einen Zwischenbericht zum Quartal vor. Dan Niles, Chip-Analyst von Morgan Stanley geht davon aus, dass der Marktführer seine Umsatzerwartungen einengen und nach unten begrenzen wird. Er erwartet, dass Intel einen Umsatz von 6,6 - 6,7 Milliarden Dollar ankündigen und die Spanne bis 7 Milliarden Dollar ausklammern wird.

In bester Stimmung starteten die Internet-Aktien die neue Woche: Die Analysten von Merrill Lynch stuften Yahoo auf, die Deutsche Banc Alex Brown setzte den Internet-Auktionator Ebay auf "aggressiv kaufen". Beide Aktien legten um 7 Prozent zu.

Auch Software-Werte verbessern sich im Branchenmittel, bildeten aber den schwächsten Sektor an der Nasdaq. Vor allem die Aktie des Softwareherstellers Oracle war mit einem Minus von 14 % größter Verlierer, nachdem das Unternehmen eine Ertragswarnung ausgesprochen hatte. Bei nachhaltig schwachem Umsatz rechnet der Marktführer für Speichersoftware damit, die allgemeinen Gewinnerwartungen an das Quartal um einen Cent zu verfehlen. Die Analysten von Merrill Lynch stufen die Aktie auf "halten" ab. Bei Prudential Securities senkt man unterdessen die Gewinnerwartungen an Oracle, die Credit Suisse First Boston setzt das Kursziel herab.

Andere Software-Titel erholen sich von ihrem frühen Oracle-Schock: Die Konkurrenten Peoplesoft und Siebel Systems gewannen jeweils mehr als 5 %, Branchenführer Microsoft verbesserte sich um 3 %.

Sogar der Software-Hersteller Computer Associates schaffte den Sprung ins Plus. Die Ratingagentur Moody?s hat die Kreditwürdigkeit des zuletzt gebeutelten Unternehmens um einen Grad heruntergesetzt. Für die Analysten von JP Morgan kommt dies zwar überraschend, doch urteilt man, es hätte schlimmer kommen können. Die Experten hatten mit einer Senkung um zwei Grade gerechnet. Im übrigen glauben sie, das Downgrade sei bereits eingepreist, für die Aktie sei nach einem Kurseinbruch um zuletzt 60 Prozent ein Boden erreicht. Computer Associates gewann 0,3 %.

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