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Wall Street klettert dank Industrie und Verbrauchern steil ins Wochenende

Zum Wochenschluss gaben die US-Märkte ihr Bestes: Auf einer Welle guter Konjunkturdaten und optimistischer Kommentare von Unternehmensseite surfte der Dow Jones auf ein Sechs-Monats-Hoch. Das Standardbarometer legte 263 Punkte oder 2,6 Prozent auf 10.369 Punkte zu. Auch die Nasdaq schaffte die Wende und legte 71 Zähler oder 4,1 Prozent auf 1803 Punkte zu.

Auf die Woche bezogen verbesserten sich der Dow um 4 Prozent, das Tech-Barometer um 4,5 Prozent. Wie breit die Gewinne gestreut sind beweist schließlich der S&P 500 Index, der 3,9 Prozent zulegte.

Eine Flut positiver Konjunkturdaten brachte Anleger in dieser Woche auf die optimistische Lesart zur Rede Alan Greenspans, der am Mittwoch erneut zweideutig gesprochen hatte. Nachdem bereits am Donnerstag der Einkäufer-Index aus der Region Chicago über den Erwartungen gelegen hatte, zog zum Wochenschluss das nationale Barometer nach. Der Index, der die Stärke des produzierenden Gewerbes misst, ist von unter 50 auf 54,7 gestiegen und signalisiert damit erstmals nach 19 Monaten Wirtschaftswachstum.

Doch nicht nur die Industrie stützt den Markt am Freitag. Das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist um 0,4 Prozent gestiegen, deutlich stärker als der Markt erwartet hatte, und die Leute geben ihr Geld auch aus: Um ebenfalls 0,4 Prozent sind die Ausgaben der Konsumenten gestiegen. Eben diese Konsumentenausgaben sorgen für zwei Drittel der Umsätze der US-Wirtschaft. Dass sie gestiegen sind ist vor allem beachtlich, nachdem die Konsumenten zur Wochenmitte ihr schwächeres Vertrauen in die Stärke der Märkte bekundet hatten.

Dezimiert geht der Club der Milliardäre ins Wochenende: Dass laut der aktuellen Forbes-Liste 83 Milliardäre in den letzten 12 Monaten ihren Status verloren haben, lässt Händler auf dem Parkett allerdings nur schmunzeln. "Das zweite Jahr in Folge sind die Vermögensstände zurückgegangen", sagt Louisa Kroll, die für das US-Wirtschaftsmagazin Forbes die Liste der Superreichen recherchiert hat. Sie beziffert das Gesamtvermögen aller 497 Milliardäre auf "nur" noch 1,54 Billionen, 11 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die größten Posten weisen nach wie vor Bill Gates (52,8 Mrd.$) und Warren Buffett (35 Mrd.$) aus, ihnen folgen neu die Aldi Brüder Theo and Karl Albrecht (26,8 Mrd.$).

Bill Gates? Kontostand nahm am letzten Handelstag der Woche wieder zu, obwohl Microsoft im Zusammenhang mit dem ewigen Kartellrechtsstreit erneut Schlagzeilen machte. Diesmal ist es der Staatsanwalt von Iowa, Tom Miller, dem die zuletzt wieder diskutierte außergerichtliche Einigung des Software-Riesen mit den Bundesstaaten nicht weit genug geht. Der Streit um angebliche Wettbewerbsverletzungen belastet den Konzern seit einem Jahr, am Freitag schloss Microsoft mit 5,3 Prozent im Plus.

Auch die übrigen Tech-Giganten legten deutlich zu: Zwar verlor Microsoft-Konkurrent Oracle 4,3 Prozent, doch legten der Hardwarehersteller Sun Microsystems 4,7 Prozent, der Netzwerker Cisco 4,8 Prozent und der Chip-Riese Intel 8,5 Prozent zu. Während sich Cisco tapfer gegen die zweifelnden Kommentare von JP Morgan stemmte, die ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen an den Netzwerkriesen heruntergesetzt hatten, ging es für einen anderen Netzwerker in den Keller: Novell verlor2,4 Prozent, nachdem das Unternehmen nach guten Quartalsergebnissen einen unsicheren Ausblick gibt. Im zweiten Quartal erwartet man geringere Umsätze im Beratungsgeschäft.

Intel gehört zu den großen Gewinnern, nachdem der Chip-Ausrüster Novellus seine Erwartungen für das Quartal und das laufende Jahr nach oben gesetzt hatte. Bei Novellus sieht man weiter Zeichen einer Erholung im Chip-Umfeld. Die Analysten von Robertson Stephens stufen die Aktie auf "kaufen" auf, die Aktie schloss mit 14,7 Prozent im Plus.

Mehr als 15 Prozent legt die Aktie von Yahoo zu. Das Internetportal wird vom Brokerhaus SoundView aufgewertet. Die Analysten wagen noch einmal eine positive Prognose für die Entwicklung des Online-Anzeigenmarktes. Eine fundamentale Verbesserung sei abzusehen.

Viel Bewegung war am Freitag im Biotech-Sektor. Dort war Andrx mit einem Plus von 25 Prozent der große Sieger. Das Unternehmen hat laut einem Bundesgericht in Florida mit der Entwicklung eines Generikums auf die Psychopharmaka von GlaxoSmithKline kein Wettbewerbsrecht verletzt. Das Andrx-Mittel kann noch im Sommer mit der Marktzulassung durch die Prüfbehörde FDA rechnen.

Die Aktie von Invitrogen hingegen verlor 25 Prozent. Das Unternehmen hatte am Vorabend erklärt, man werde die Gewinnerwartungen der Analysten im laufenden Quartal verfehlen. Um mehr als 5 Prozent rutschten Papiere von Protein Design Labs. Der Biotech-Konzern hatte einen größeren Verlust gemeldet als erwartet worden war und wird bis Ende des Jahres keine schwarzen Zahlen schreiben.

Mit 7 Prozent im grünen Bereich schlossen die Papiere der Mandalay Bay Casino und Ressort Gruppe. Das Unternehmen, das unter anderem das "Luxor" und das "Circus, Circus" in Las Vegas betreibt, hat für das abgelaufene vierte Quartal einen Verlust von 10 Cent pro Aktie gemeldet, mehr als Analysten erwartet hatten. Dennoch sind Experten optimistisch, was die Zukunft des Entertainment-Konzerns betrifft. Bei Robertson Stephens setzt man die Erwartungen hoch und stuft Mandalay Bay auf "kaufen" auf.

Eine sichere Anlage sahen Investoren am Freitag auch wieder bei den zyklischen und den Konsumwerten. Die zyklischen, darunter die Dow-Werte Caterpillar, United Technologies, 3M und International Paper kletterten um 1,5 Prozent. Die Konsumwerte, darunter Coca-Cola, Pepsi, Philip Morris und Procter&Gamble legten bis zu 2 Prozent zu.

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