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Wall Street klettert, verliert aber an Dampf

Die US-Börsen haben den Freitagshandel im Plus beendet, von den frühen Gewinnen nach einem unerwartet starken Arbeitsmarktbericht aber einiges abgegeben. Der Dow Jones verbesserte sich um 47 Punkte oder 0,5 % auf 10572 Punkte, die Nasdaq schloss bei 1929 Zählern, das entspricht einem Plus von 48 Punkten oder 2,5 %.

Die US-Börsen haben den Freitagshandel im Plus beendet, von den frühen Gewinnen nach einem unerwartet starken Arbeitsmarktbericht aber einiges abgegeben. Der Dow Jones verbesserte sich um 47 Punkte oder 0,5 % auf 10572 Punkte, die Nasdaq schloss bei 1929 Zählern, das entspricht einem Plus von 48 Punkten oder 2,5 %.

Beide Indizes hatten am Morgen viel stärker zugelegt, nachdem der Arbeitsmarktbericht unerwartet positiv ausgefallen war. Die Arbeitslosenquote ist wider Erwarten leicht gesunken und notiert bei 5,5 %. Mit 66.000 neu geschaffenen Jobs zeigt sich die US-Wirtschaft deutlich stärker als Marktbeobachter prognostiziert hatten. Auch die durchschnittlichen Stundenlöhne sind um ein Zehntelprozent gestiegen. Nach einer Flut positiver Fundamentaldaten aus dem konjunkturellen Umfeld und der optimistischen Greenspan-Rede hatten Anleger und Analysten auf den Arbeitsmarktbericht als letztes Mosaiksteinchen gewartet, mit dem sich das Bild eines zuletzt oft beschworenen "robusten Aufschwungs" legen ließe.

Zwei weitere Faktoren beeinflussten den Markt am Freitag: die Quartalszwischenkonferenzen von Intel und Sun Microsystems. Vom Chip-Riesen Intel gab es allerdings kaum bewegende Neuigkeiten. Das Unternehmen hat seine Gewinnprognosen eingeengt und dabei sowohl Ober- als auch Untergrenze beschnitten. Analysten hatten tagelang orakelt, ob Intel am unteren oder am oberen Ende seiner frühen Vorhersagen melden würde, wobei die Mehrheit der Experten auf eine positive Überraschung gehofft hatte. Intel legte im Handelsverlauf 3,3 % zu.

Der Hardware-Hersteller Sun Microsystems hat unterdessen seine Erwartungen bestätigt und damit einige Analysten überrascht, die sich zuletzt noch vorsichtig über den Wert geäußert hatten. Nach wie vor geht das Management von einem Anteilsverlust von 2 Cent für die laufenden drei Monate und von einer Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Quartal aus. Die Papiere von Sun Micro schlossen mit einem Plus von 13 %.

Am Freitagnachmittag trommelte Sun Microsystems die Börsianer noch einmal zusammen und gab bekannt, den Konkurrenten Microsoft auf 1 Milliarde Dollar zu verklagen, da dessen Betriebssystem Windows nicht mehr Java-kompatibel ist, und sich das Unternehmen entgegen dem wettbewerbsrechtswidrig ausgeschlossen fühlt. Es ist nicht die erste Drohung dieser Art, die Sun Micro gegen den Computerriesen aus Seattle ausspricht, entsprechend bleiben Anlerger ruhig. Die Aktie von Microsoft legte 1,6 % zu.

Auch von anderen Tech-Werten erfuhr der Dow Unterstützung, so verbesserte sich IBM um 1,2 %. Ebenfalls stark zeigten sich die Finanztitel und einige zyklische Werte. Schwächster Performer im Dow war der Alu-Riese Alcoa , obwohl dieser am Freitagmittag eine erfolgsversprechende Innovation vorgestellt hatte. Die Flugzeug-Zuliefersparte des Konzerns hat die Cockpit-Tür "Fortress" (dt.: Festung) entwickelt, die den neuen Bestimmungen der Flugaufsichtsbehörde FAA entspricht. Türen wie "Fortress" müssen ab Oktober in allen Flugzeugen im US-Verkehr eingebaut sein.

Eine Innovation glaubte auch Schering-Plough vorzustellen, doch der Schuss ging vorerst nach hinten los. Der Pharma-Konzern hat bei der US-Arzneimittelbehörde FDA den rezeptfreien Verkauf des Anti-Allergikums Claritin beantragt, um sich gegen die zunehmende Konkurrenz durch Generika und andere rezeptfreie Medikamente zu wehren. Das Problem: Wenn Claritin rezeptfrei vertrieben wird, könnte es dem verschreibungspflichtigen Clarinex Marktanteile abgraben, und das kommt ebenfalls aus dem Hause Schering-Plough. Merrill Lynch und die CIBC stufen die Aktie herab, die im Handelsverlauf 6 % verlor.

Weitere marktbewegende Nachrichten kamen aus dem Biotech-Sektor. Serono hat von der Prüfbehörde FDA das Okay für sein Multiple Sklerose-Mittel Rebif bekommen. Das Management rechnet damit, das Medikament "in wenigen Tagen" auf den Markt bringen zu können. Die Aktie verbesserte sich um 13 %. Serono kann nun gegen den großen Konkurrenten Biogen antreten, der den Markt bislang beherrschte. Die Neuigkeiten schickten die Papiere von Biogen auf Talfahrt, sie verloren 8 %.

Unter Druck standen auch die Glasfaser-Unternehmen. Die Analysten von Merrill Lynch haben sich mit dem Sektor beschäftigt und erwarten einen Nachfrageeinbruch von 20 % im laufenden Jahr im Bereich der optischen Leiter. Die Experten senken nun die Erwartungen für die Marktführer Ciena und JDS Uniphase . Anlegern rät Merril Lynch, Papiere von Ciena zu "reduzieren". Aktien von Ciena verloren 4 %. JDS Uniphase schloss mit 0,5 % im roten Terrain.

Der zahlungsunfähige Einzelhändler Kmart hat am Morgen seine Restrukturierungspläne erläutert: Die Kette wird landesweit 284 Filialen schließen und 22.000 Mitarbeiter entlassen. An der Wall Street hatte man mit deutlich mehr Schließungen gerechnet. Jetzt fragen sich Anleger, ob das Unternehmen besser da steht als erwartet oder die Restrukturierung nicht weit genug geht. Die Skeptiker setzten sich am Freitag durch: Nachdem die Aktie im frühen Handel um 20 % Prozent nach oben geklettert war, schloss sie mit einem Plus von nur noch mit 4 %.

Besser als erwartet zeigte sich der Broker-Sektor. Am Morgen hatte sich Salomon Smith Barney zu Wort gemeldet und die einstigen "Kauf"-Werte Morgan Stanley, Merrill Lynch und Lehman Brothers herabgestuft. Bereits im Laufe der Woche hatten zahlreiche Analysten die Erwartungen für die Broker beschnitten, allein bei Merrill Lynch empfiehlt man, diesen Bereich weiterhin zu "übergewichten". Der Branchenindex gewann etwa 1 %.

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