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Wall Street knickt zum Wochenende ein

Nach zwei Tagen mit soliden Gewinnen knickte die Wall Street zum Wochenschluss leicht ein. Allerdings war der Handel am letzten Tag einer äußerst volatilen Woche sehr flach, weshalb auch die großen US-Indizes nur wenig abgaben. Der Dow Jones Index verlor 12 Zähler auf 9907 Punkte, die Nasdaq rutschte 22 Zähler tief auf 1911 Punkte.

Auf die Woche bezogen hat das Standardbarometer nur ein halbes Prozent zugelegt, die Nasdaq geht mit Verlusten ins Wochenende, 1,5 Prozent verlor der Tech-Index an fünf Handelstagen.

Während der Handel in den letzten drei Tagen von Unternehmensmeldungen und einer Vertrauenskrise aufgrund ungewisser Bilanzpraktiken dominiert worden war, waren es zum Wochenschluss Zahlen aus dem konjunkturellen Umfeld, die an der Wall Street für Furore sorgen. Die Arbeitslosenrate ist im Januar auf 5,6 Prozent gesunken, was selbst Optimisten überrascht. Der Markt hatte damit gerechnet, dass sich die Dezember-Rate von 5,8 Prozent eher verschlechtern würde. Allerdings gingen im Januar 89.000 Stellen verloren, fast doppelt so viele wie erwartet worden war. Vor allem im produzierenden Gewerbe und in der Baubranche wurde Mitarbeitern gekündigt, Einstellungen gab es hingegen vor allem im Einzelhandelssektor. Nachdem das Weihnachtsgeschäft besser als erwartet ausgefallen ist, hat die Branche 68.000 neue Jobs geschaffen.

Vor allem schwache Finanztitel drückten am Freitag auf den Handel. JP Morgan Chase war mit einem Minus von 5,5 Prozent schwächster Performer im Dow Jones. American Express gab 2,4 Prozent ab, Papiere der Citigroup schlossen mit leichten Verlusten. Etwas besser schlossen die Konsum-Aktien: Procter & Gamble hat nach guten Quartalszahlen vom Vortag noch Rückenwind und legt 1,4 Prozent zu, Coca-Cola verbessert sich um 2 Prozent.

Größte Stütze für das Standardbarometer war aber die Aktie von Walt Disney , die 6,6 Prozent zulegt. Das Unternehmen hat Quartalszahlen deutlich über den Erwartungen der Analysten gemeldet. Vor allem der Bereich Freizeitparks überrascht die Experten: Hier verzeichnet Disney Einbußen von 17 Prozent beim Umsatz und 51 Prozent beim Gewinn - weniger als die Analysten prognostiziert hatten. Offensichtlich erholen sich die Besucherzahlen nach der Flug- und Tourismuskrise schneller als erwartet. Unternehmen und Analysten rechnen weiter mit einer raschen Verbesserung der Lage. Merrill Lynch stuft Disney auf "kaufen" auf und setzt der Aktie ein Kursziel von 25 Dollar.

United Airlines verlor 8,6 Prozent, nachdem das Unternehmen das zweitschlechteste Quartal seiner Geschichte gemeldet hat - schlechter war nur das vorhergehende, in das die September-Angriffe aus Amerika fielen. United Airlines hat trotz der Hilfe seitens der Regierung 308 Millionen Dollar verloren. Auch die Aussichten sind trübe: Zwar will United Airlines im Frühjahr einige der Flüge wieder aufnehmen, die nach dem 11.September gestrichen worden waren und daher weniger Piloten beurlauben als ursprünglich angekündigt. Doch auf dem Parkett kursiert die Einschätzung, United Airlines sei "die Airline, die am ehesten von einem Bankrott bedroht ist."

Auf der Verliererstraße fuhren die Automobilhersteller. Bei Ford sind die Verkäufe im Januar um 10 Prozent zurückgegangen, deutlich stärker als der Markt erwartet hatte. Ab Montag wollen sowohl Ford als auch Branchenführer General Motors insgesamt sechs Werke für eine Woche stilllegen und jeweils mehr als 5000 Arbeiter ausschlafen lassen. Es gilt, die Produktion herunterzufahren, um Lagerbestände bei einigen schwach nachgefragten Modellen abzubauen. Ford verlor 2,6 Prozent, Daimler Chrysler gab 1,4 Prozent ab, General Motors schloss schwach behauptet.

Positive Kommentare kommen aus dem Chip-Bereich. Micron Technologies profitierte von einem Upgrade von Morgan Stanley und legte 3 Prozent zu. Nachdem die Preise für DRAM-Chips in dieser Woche deutlich gestiegen sind, erwarten sie, dass der Trend anhält. In 2002 und 2003 rechnen sie mit steigender Nachfrage und einer Chip-Knappheit, die Micron zu neuen Gewinnen verhelfen dürfte. Die ABN Amro spekuliert des weiteren, dass Micron rentable Posten des südkoreanischen Chip-Herstellers Hynix günstig übernehmen könne, ohne das operative Geschäft an sich zu ziehen. Diese Variante der lange diskutierten Übernahmepläne gefällt Anlegern.

Nachdem am Donnerstag die Aktie von Oracle zulegen konnte, legte am Freitag der Softwarehersteller Adobe nach. Das Unternehmen, das vor allem Bildbearbeitungs- und Layoutprogramme sowie die Acrobat-Serie entwickelt, hat die Erwartungen an das laufende Quartal bestätigt und wird einen Gewinn zwischen 20 und 22 Cents je Aktie melden. Die Konsensschätzungen der Analysten liegen bei 20 Cents pro Anteil. Adobe legte 6,5 Prozent zu.

Eine schwere Woche hat der Biotechsektor hinter sich. Doch am Freitag gibt es gute Nachrichten, zunächst von Amgen . Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat grünes Licht für "Neulasta" gegeben, den Nachfolger des Blockbuster-Medikaments "Neupogen", mit dem das Unternehmen Milliarden verdiente. Beide werden im Zusammenhang mit Chemotherapien angewendet. Die Analysten der Deutsche Banc Alex. Brown stufen die Amgen-Aktie auf und setzen sie auf "aggressiv kaufen". Die Gewinnerwartung für 2002 heben die Analysten von 1,32 auf 1,39 Dollar je Aktie an. Auch für die Jahre 2003 bis 2006 gehen die Experten von höheren Gewinnen aus. Amgen ging mit einem Plus von 4 Prozent aus dem Handel.

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