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Wall Street kommt vor Thanksgiving nicht in Kauflaune

An der Wall Street wird weiter verkauft. Einen Tag vor "Thanksgiving" ist die Euphorie vom Montag, als der Dow Jones der magischen 10.000-Punkte-Grenze so nahe war, vorsichtiger Zurückhaltung gewichen. Der Dow Jones Index notiert zur Mittagsstunde mit einem Verlust von 75 Punkten auf 9825 Zählern, der technologielastige Nasdaq Index gibt 21 Punkte ab und steht auf 1859 Zählern.

Aus dem ökonomischen Umfeld kommen am Mittwoch kaum marktstützende Nachrichten. Zwar ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der vergangenen Woche erneut um 15.000 auf 427.000 gesunken, doch gibt es so viele Langzeitarbeitslose wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosenquote ist im Oktober um 0,5 Prozent auf 5,4 Prozent geklettert. Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg auf 6,5 Prozent bis Mitte kommenden Jahres. Das Verbrauchervertrauen ist nach der aktuellen Erhebung der Universität Michigan nur minimal gestiegen, zu wenig, um den Markt zu beeinflussen. Microsoft steht am Mittwoch auf der Verliererseite und drückt auf den gesamten Markt. 2,5 Prozent verliert die Aktie am Mittag, nachdem die Analysten von Salomon Smith Barnes den Software-Giganten von "Market Outperformer" auf "Halten" abgestuft haben. Die sehen Absatz-Schwierigkeiten für die vor einer Woche eingeführte Spielkonsole X-Box. Mit Microsoft fallen auch die Aktien zahlreicher X-Box-Zulieferer wie NVidia, Activision und THQ. Etwas erholt hat sich zum Mittag der Chipsektor. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen damit, dass die Branche einen fundamentalen Boden erreicht hat, wenngleich sie vor weiteren kurzfristigen Einbrüchen warnen, da die Kurse noch zu optimistisch seien. Intel notiert zur Stunde mit einem halben Prozent im Plus, die Papiere von Applied Microsystems, PMC Sierra und Vitesse stehen noch auf der Verliererseite. Der Biotech-Index gibt nach, obwohl einer der wenigen Gewinner des Tages aus eben diesem Sektor kommt. Amgen, das weltgrößte Biotech-Unternehmen, hat die Prognosen für 2002 bis 2005 erhöht. Das Management rechnet mit einem jährlichen Gewinnwachstum von über 20 Prozent. Vor allem die neuen Medikamente für Blutarmut- und Arthritis-Patienten sollen dazu beitragen. Amgen gewinnt 6,5 Prozent. Schlechte Nachrichten drücken hingegen den Kurs des Konkurrenten Chiron: Ein Präparat gegen Blutvergiftung hat sich in Tests als ineffektiv erwiesen. Die Aktie verliert zur Stunde neun Prozent. Unter Druck steht weiter die Reisebranche. Bei den Airline-Aktien gibt es Gewinn-Mitnahmen, der Sektor verliert 2,5 Prozent. Und einen Tag nachdem die Kreuzfahrt-Unternehmen Royal Caribbean und P&O Princess Cruises ihre Fusion bekannt gegeben haben, werten die Analysten von Morgan Stanley eben diese Titel ab. Auch Konkurrent Carnival Cruises, der durch die Fusion seine Position als Branchenführer verliert, wird nur noch mit "neutral" bewertet. Zu den schwächsten Sektoren gehört die Energiebranche. Das ist allerdings nicht allein dem erneuten Kursrutsch von Enron anzulasten. Der hat sich mittlerweile sogar von seinem Tagestief erholt. Das Unternehmen hat bekannt gegeben, ernsthafte Gespräche mit seinen Gläubigern zu führen, die ihre Forderungen im Hinblick auf eine anstehende Fusion mit Dynegy noch einmal aufschieben sollen. Die Aktie notiert immer noch mit mehr als zwanzig Prozent in den Miesen, nicht zuletzt weil die Analysten von Goldman Sachs glauben, dass Enron einen Großteil des verlorenen Geschäfts nicht mehr zurückgewinnen werde.

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