Archiv
Wall Street lahmt trotz Greenspans moderatem Optimismus

Greenspan kam, sprach - und dann wusste man doch nicht, was genau Sache ist. Entsprechend unsicher zeigten sich die Märkte. Die großen US-Indizes hielten sich bis zum Nachmittag stabil im Plus, stürzten dann in rotes Terrain und rappelten sich erst in den letzten Handelsminuten wieder auf. Der Dow Jones schloss mit einem knappen Plus von 13 Zählern auf 10.128 Punkten, die Nasdaq blieb 15 Zähler unter Normal-Null auf 1.752 Punkten.

Man könne eine moderate Wirtschaftserholung in den USA ausmachen, meinte Greenspan Ob diese Erholung jedoch von Dauer sein wird, hänge letztendlich von den Nachfragetrends ab. Derzeit profitiere die Konjunktur von den niedrigen Lagerbeständen. Lässt dieser positive Effekt nach und die Netto-Nachfrage zieht nicht rechtzeitig an, sei das Wirtschaftswachstum gefährdet, das die Notenbank im Konsens auf 2,5 bis 3 Prozent in 2002 schätzt. Greenspan deutet damit an, dass das Risiko einer W-förmigen Konjunkturentwicklung durchaus bestehe. Greenspans Skepsis hat indes auch eine gute Seite: Mangels Stabilität in der Konjunktur ist mit Zinserhöhungen auf absehbare Zeit nicht zu rechnen.

Eher im Hintergrund standen, vor allem am Nachmittag, die übrigen Daten aus dem konjunkturellen Umfeld. Die Bestellungen für langfristige Güter, einer der wichtigsten Indikatoren über das Wohl des produzierenden Gewerbes, sind im Januar um 2,6 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die Wall Street erwartet hatte. Das produzierende Gewerbe ist eine der Schlüsselbranchen, die über das mögliche Ende der Rezession und das Maß eines anstehenden Aufschwungs Auskunft geben.

Die Hausverkäufe im Januar sind indes um 15 Prozent gesunken, nachdem die Branche zwei Monate lang stark zulegen konnte. Erst am Dienstag hatte mit Toll Brothers einer der Branchenriesen unerwartet starke Verkäufe gemeldet und den Sektor gestützt. Letzteres beeindruckt Anleger mehr, Toll Brothers legte noch einmal 1 Prozent zu, die Branche schloss ähnlich stark. Allein Konkurrent Lennar gab 2 Prozent ab.

Vom moderaten Optimismus auf eine Erholung gestützt, zählten einige zyklische Werte zu den Dow-Gewinnern, darunter Honeywell, Boeing, Alcoa und United Technologies . Auch die Finanzwerte Citigroup und American Express verbesserten sich leicht, während die Abteilung Tech mit den Aktien von IBM, Intel und Microsoft abrutschte und im Minus schloss.

Doch nicht die Dow-Techs enttäuschten über die Maßen, sondern der Netzwerkriese Cisco , der 8,3 Prozent abgab. Finanzchef Larry Carter, eine der wenigen konjunkturell bullishen Unternehmensgrößen, warnt, dass selbst im Aufschwung Firmenkunden sehr zurückhaltend blieben, was die Höhe ihrer Investitionen angehe. Cisco müsse weiter Kosten senken und wohl einen Teil seiner fast 40.000 Mitarbeiter entlassen. Analysten sehen derweil an anderer Stelle Handlungsbedarf: Cisco könne seine Position als Marktführer nur verteidigen, wenn man stärker als bisher auf neue Techniken wie sprachkompatible Internet-Verbindungen eingehe. Das Brokerhaus Wachovia Securities senkt die Ertragserwartungen, und auch die Zunftkollegen von CIBC äußern sich "vorsichtig" dem Konzern gegenüber.

Größter Gewinner war ein zuletzt arg gebeutelter Wert aus der Biotech-Branche: ImClone . Die Prüfbehörde FDA erklärt, das Unternehmen könne die Marktzulassung für das Krebsmittel Erbitux nun doch neu beantragen und mit bekannten Testdaten unterfüttern. Ursprünglich hatte die FDA neue klinische Tests verlangt, die nicht nur Millionen verschlungen, sondern die Markteinführung des Medikaments um mindestens zwei Jahre verzögert hätten. Nun könnte Erbitux bis Frühjahr 2003 auf den Markt kommen, was allerdings immer noch ein Jahr nach dem ursprünglich angestrebten Termin wäre. ImClone verbesserten sich um 32 Prozent. Aktien vom Pharmariesen Bristol-Myers Squibb, der an Entwicklung und Vermarktung von Erbitux beteiligt ist, kletterten um 3,8 Prozent.

Schwach handelten die Aktien von OSI Pharmaceuticals, Abgenix und AstraZeneca . Diese waren von Analysten aufgewertet worden, da sie als ImClone-Konkurrenten von jeder Erbitux-Verzögerung profitiert hätten, und hatten zuletzt kräftig zugelegt. Abgenix steht am Morgen ohnehin unter Verkaufsdruck, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, Anleihen im Wert von 200 Millionen Dollar ausgeben zu müssen, um anstehende Forschungsprojekte finanzieren zu können. Abgenix verlor 14 Prozent.

Mit zu den großen Gewinnern gehörte der Softwarehersteller Ariba. Das Unternehmen geht nach einem Blick in die Orderbücher davon aus, den Umsatz in diesem Jahr um 30 Prozent steigern zu können. Von JP Morgan kommt derweil ein Upgrade auf "kaufen", da die Aktie im letzten Monat fast die Hälfte ihres Wertes verloren und das Kurspotential deutlich höher zu bewerten sei als das Risiko. Die Aktie legte 16 Prozent zu.

Konkurrent Veritas verlor unterdessen 6 Prozent. Bei Salomon Smith Barney kümmert sich ein neuer Analyst um das Papier, der das Rating seines Vorgängers von "Kaufen" auf "Market Outperform" und das Kursziel von 56 Dollar auf 42 Dollar senkt. Zwar stimmten die Fundamentaldaten von Veritas milde, doch müsse das Unternehmen mit stärkerer Konkurrenz als bisher rechnen, nachdem man einige neue Produkte in bereits dicht belegte Sektoren gelauncht hat.

Abwärts ging es für die Aktie von The Gap . Die Zahlen des einstigen Mode-Marktführers enttäuschten Anleger und Analysten. Das Unternehmen blickt nun schon zwei Jahre in Folge auf schrumpfende Ergebnisse, flaue Nachfrage und deutlich mehr Sonderangebote führten im abgelaufenen Quartal zu einem Verlust von 4 Cent pro Aktie, für das nun angebrochene Quartal spricht man eine Ertragswarnung aus. Die Aktie gab 8 Prozent ab. Schwach behauptet schloss Federated Department Stores , die Holding hinter den Kaufhäusern Macy?s und Bloomingdale?s. Das Unternehmen hatte am Vortag im Rahmen der Analystenerwartungen gemeldet und bekommt am Morgen ein Upgrade der ABN Amro auf "kaufen".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%