Wall Street: Lustloser Handel vor Greenspan-Rede und Ertragssaison

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Wall Street: Lustloser Handel vor Greenspan-Rede und Ertragssaison

Die Wall Street kam am Donnerstag in keiner Phase in die Gänge. Beide großen Indizes dümpelten die meiste Zeit über bei schwachem Handelsvolumen in der Verlustzone, allein die Nasdaq lugte einige Male ins grüne Terrain und schloss dann auch mit zwei Pünktchen im Plus auf 2047 Zählern. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 26 Punkten auf 10067 Punkten.

Gute Nachrichten kamen am Morgen aus dem ökonomischen Umfeld: Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in der letzten Woche erneut um 56.000 auf 395.000 gesunken. Das ist deutlich besser, als der Markt erwartet hatte. Dennoch gibt diese Nachricht dem Markt keine Kraft, zumal der US-Versicherer 2000 Entlassungen meldet und bei Ford am Freitag über die Entlassung von 20.000 Mitarbeitern entschieden werden soll.

Investoren warteten auf eine Rede von Alan Greenspan, der sich am Freitag zur Konjunktur äußern will, und - mit Blick auf die anstehende Ertragssaison - auf optimistische Meldungen von Unternehmensseite - doch die trudelten nur verhalten ein.

Zum Teil kamen sie aus dem Einzelhandelsektor. Die gebeutelte Modekette The Gap , die bei der Mehrheit der Wall Street Analysten nur noch auf "Halten", bei einigen sogar auf "Verkaufen" steht, erwartet für das vierte Quartal weniger Umsatzeinbußen als ursprünglich angenommen. Morgan Stanley gab der Aktie ein Upgrade auf "Market Outperformer" und hob das Kursziel auf 20 Dollar an. The Gap verbesserte sich um 12,6 Prozent. Zu den Einzelhandelsgewinnern gehörten auch Wal-Mart, Sears Roebuck, Federated Department Stores und die Modekette Ann Taylor . Auf der Verliererseite schlossen die Discountkette JC Penny die gebeutelte Aktie von K-Mart. Die verlor erneut mehr als zwölf Prozent, nachdem das Management bekannt gab, man werde seine Liquidität prüfen müssen.

Unter Druck stand die Aktie von Ford . Mehr als sechs Prozent gab das Papier ab, nachdem die Analysten der UBS Warburg den Titel auf "reduzieren" abgestuft haben. Es ist die erste Verkaufsempfehlung für die Automobilbranche, die 2002 vor einem schwierigen Jahr steht. Am Freitag will das Management von Ford über 20.000 Entlassungen entscheiden, und die UBS Warburg wittert Gefahr: Die Aktie, die momentan bei 15,37 Dollar handelt, könnte unter 14 Dollar fallen.

Etwas besser ist die Lage beim großen Konkurrenten General Motors . Der Branchenführer setzt die Ertragserwartungen für das vierte Quartal von 54 Cent auf 60 Cent Gewinn pro Aktie hoch. Allerdings rechnet man auch bei GM damit, zehn Prozent der Mitarbeiter in den USA und in Europa entlassen zu müssen, nicht zuletzt, weil die Verkäufe nach den Rekordjahren 2000 und 2001 wohl um zehn Prozent zurückgehen werden. Die Aktie von General Motors verliert ein halbes Prozent.

Zwei Tage nach der groß angelegten Vorstellung des neuen iMac stand Apple auf der Verliererseite. Der Grund: Die Analysten von Merrill Lynch sagen, der iMac sei "zum schlechtesten Zeitpunkt überhaupt" auf dem Markt gekommen. Viele Kunden hätten geplante Computerkäufe um einige Monate verschoben, um das stark umworbene Modell mitnehmen zu können. Dadurch habe sich das Unternehmen im Weihnachtsgeschäft selbst geschadet. Die Dezemberverkäufe dürften schwach sein, die Quartalsergebnisse enttäuschend. Merrill Lynch gab sich "vorsichtig"; die Aktie verliert 1,7 Prozent.

Auf den Dow Jones drückte unterdessen ein anderer Computerhersteller: Auf dem Parkett ging das Gerücht um, IBM werde eine Gewinnwarnung aussprechen. Bei großem Volumen verlor die Aktie zwei Prozent, obwohl Marktbeobachter einwarfen, das Gerücht komme vor der IBM-Quartalsmeldung schon fast traditionell auf und basiere nicht auf aktuellen Markt- oder Unternehmensdaten. Weiter Druck auf den Dow kommt von den Industriegiganten: United Technologies, 3M, Caterpillar und Honeywell schlossen mit Verlusten.

Auf dem Weg nach unten fanden sich die Chip-Hersteller. Lehman Brothers stufte den Sektor ab, nachdem die Aktien in den vergangenen drei Monaten zu schnell zu hoch geklettert seien. Fundamentale Zweifel an der Stärke des Sektors äußern die Analysten nicht, die Papiere seien schlicht zu teuer. Chipzulieferer Rambus handelte bei moderatem Volumen nahe der Null-Linie: Das Unternehmen, das unter anderem die Chips für Intel designed, meldete nach Börsenschluss Quartalsergebnisse. Mit einem Anteilsplus von sechs Cent pro Aktie konnte Rambus die Analystenerwartungen um zwei Cent schlagen, die Aktie kletterte nach der Glocke um fast zehn Prozent.

Mit einem Minus von 3,4 Prozent drückte die Aktie von Juniper Networks auf den Sektor. Das Brokerhaus Unterberg Towbin stufte den Titel ab. Die Analysten sehen Juniper technologisch nicht an der Spitze und erwarten, dass das Unternehmen Marktanteile an Cisco verlieren wird. Dennoch halten sie an den Gewinnerwartungen fest und belassen ihr Kursziel für Juniper bei 25 Dollar.

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