Wall Street: Nachbörslich notiert
Aktien treten nach unerwarteter Rally den Rückzug an

Einige freilich legten sich Erklärungen zurück, doch führten diese größtenteils in ergebnisloses Gefasel.

NEW YORK. Zur Theorie des Tages sei folgende Aussage gekrönt: Der Markt habe mit Erleichterung darauf reagiert, dass die Explosion eines FedEx-Trucks in Missouri kein terroristischer Akt war. Schon kurz nachdem der Wagen ausgebrannt und gelöscht war, bestätigte die lokale Polizei, dass es sich um einen "gewöhnlichen Verkehrsunfall" handelte. Zum einen ist nun interessant, wie "gewöhnliche" Unfälle in Missouri aussehen. Zum anderen ist eine Erleichterungs-Rally schon deshalb nicht nachvollziehbar, weil es zuvor überhaupt keine Kurseinbrüche im Zusammenhang mit dem Unglück gegeben hatte.

Nach wie vor scheinen einige Experten nicht begriffen zu haben, dass es für manche Kursverschiebungen keine handfesten Gründe gibt, sondern dass viel Auf und Ab vor allem in einer Woche unsicheren Abwartens schlicht psychologische Gründe hat.

Wie auch immer, die meisten Anleger halten sich zum Wochenbeginn mit Investments zurück. Konsequenterweise gaben die Kurse an den US-Börsen im nachbörslichen Handel wieder nach. Man scheint abzuwarten, was die Woche im weiteren Verlauf bringt. Und das waren am Abend zunächst nur einige wenige Quartalsmeldungen aus der High-Tech-Branche, die im Mittwochshandel zwar die ein oder andere Aktie, nicht aber den Markt beeinflussen dürften.

So meldete der Videospiel-Hersteller Activision starke Ergebnisse für das abgelaufene Quartal. Der Hersteller von Actionspielen hat dank des Erfolges einiger neuer Titel die Prognosen der Analysten geschlagen und die Erwartungen auf Jahressicht angehoben. Die Aktie verbesserte sich um 10 %.

Mit leichten Verlusten handelte der Chiphersteller Maxim Integrated Products, nachdem das Unternehmen einen Gewinn in Höhe aber den Umsatz unter den Analystenerwartungen gemeldet hatte. Kostensenkungen und höhere Gewinnmargen retteten die Bilanz, nutzen aber Sektor und Konjunktur nicht. Auch der Elektronikhersteller Sanmina-SCI schnitt im vergangenen Quartal in Höhe der Erwartungen ab, die Aktien verbesserten sich leicht.

Untern den Big Caps war nach der Schlussglocke wenig los. Verlierer Cisco bewegte sich nach zwei Downgrades im Tagesverlauf nicht von seinen Verlusten weg - von einigen Ausnahmen abgesehen kauften Anleger eben nicht, sondern warteten ab. Das bekamen auch Sun Microsystems und Intel zu spüren, die beide ihre Tagesverluste minimal ausbauten.

Für schadenfrohes Grinsen sorgte am späten New Yorker Abend eine Meldung des Optik-Riesen Bausch & Lomb. CEO und Chairman Ronald Zarrella muss auf Boni in Höhe von 1,1 Mill. $ verzichten, nachdem er zugegeben hat, in seinem Curriculum Vitae gelogen zu haben. Der Manager hatte sich selbst ein MBA von der New York University zuerkannt, was seine Kollegen nicht gut hießen. Zarrella hatte im Rahmen seines Geständnisses seinen Rücktritt angeboten, doch ist der Mann gut und man lässt ihn nicht gehen. Anders erging das vor zwei Wochen dem Finanzchef des Software-Herstellers Veritas, der seinen Hut nehmen musste, weil er sich ein MBA von der Elite-Uni Stanford selbst zuerkannt hatte. Nun scheint sich eine neue Art des Betrugs an der Wall Street zu etablieren - man darf auf weitere Varianten gespannt sein.

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