Wall Street: Nachbörslich notiert
Alle gegen Abby: „Der Markt ist zu riskant“

Der Indikator der Volatilität (VIX) klettert seit Wochen unaufhaltsam. Zurzeit notiert er auf dem historischen Hoch, das er schon einmal im September 2001 erreicht hatte. Das zeigt deutlich, wie viel Unsicherheit zur Zeit im Markt ist.

Und es legt den Verdacht nahe, dass es auf absehbare Zeit nicht zu einer nachhaltigen Rallye kommen wird.

Darauf deutet indes noch viel mehr hin: Zum Beispiel die Tatsache, dass die Intervalle zwischen Gewinntagen immer länger werden. Der Dow geht schon mal fünf Tage auf Tauchfahrt - ohne Luft zu holen. Dass mit Dow, Nasdaq und dem S&P 500 die drei großen Indizes gemeinsam im Plus schlossen ist schon mehr als 2 Monate her - der 17. Mai sei im Kalender markiert.

Seit einiger Zeit sind sich Groß-Investoren und Fond-Manager weitgehend einig, die ersten 20 % einer Rallye gerne zu verpassen - um dafür auf keinen Fall einen zu frühen Einstieg oder gar eine erneute Bärenmarkt-Rallye zu riskieren.

Am Montagabend fasst David Solin, Partner bei Foreign Exchange Analytics, zusammen: "Es ist einfach zu riskant, jetzt zu kaufen. Der Anleger sollte lieber abwarten, bis sich wirklich deutlich ein Boden abzeichnet - dann kauft er zwar nicht zum absoluten Tief, hat aber ein deutlich geringeres Risiko." Der Markt sei grenzenlos überverkauft, gibt Solin zu. "Aber es zeichnet sich einfach kein Boden ab."

Das sagt auch Bryan Piskorowski, Marktkommentator bei Prudential Securities. "Natürlich ist der Markt überverkauft - aber das ist auch das einzige, was ihn für Investoren interessant macht." Jetzt aufzustehen und Geld in den Markt zu tragen, sei riskant und nicht unbedingt lohnend.

Solin und Piskorowski reagieren mit ihren Kommentaren unter anderem auf die bullishen Worte von Goldman Sachs? Star-Analystin Abby Joseph Cohen, die noch am Wochenende eine Trendwende herbeibeschworen hatte.

Die dürfte hingegen auch nach den guten Ergebnissen einiger Tech-Riesen noch nicht kommen. Doch sorgen Firmen wie Texas Instruments, Novellus und Computer Associates zumindest ein wenig gute Abendstimmung über der Wall Street.

Texas Instrument, der größte Hersteller von Handy-Chips hat mit einem Quartalsgewinn von 95 Mio. $ oder 6 Cent pro Aktie die Erwartungen der Analysten übertroffen, nachdem man "vor allem im Bereich der Entwicklung neuer Technologien die Branche dominiert" habe, wie CEO Tom Engibous selbstsicher sagt. Texas Instruments rechnet mit einem Umsatzwachstum um 5 % im laufenden Quartal und hat die bisherigen Gewinnerwartungen bestätigt.

Bei Novellus sieht es zwar auf Jahressicht schlecht aus, immerhin notiert der Umsatz des Chipausrüsters um 80 % unter dem Umsatz des Vergleichsquartals. Doch sind die Zahlen besser als in den ersten drei Monaten dieses Jahres und in Höhe der Erwartungen. Für das laufende Vierteljahr geht man erneut von einem Umsatzwachstum aus, rechnet aber mit einem Gewinn unter den bisherigen Prognosen.

Der Software-Hersteller Computer Associates hat unterdessen die Prognosen geschlagen. Analysten hatten mit einem Break-Even gerechnet, ein Gewinn von 2 Cent pro Aktie steht nun unter den Bilanzen des Unternehmens, das vor einem halben Jahr ebenso in einen Finanzskandal verstrickt war wie die Firmen heute, die die Vertrauenskrise an den US-Märkten begründet haben.

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