Wall Street: Nachbörslich notiert
Anleger warten auf das Orakel

Ein Auftakt nach Maß - und schon stellt sich die Frage: Waren es wieder nur Schnäppchenjäger, die Dow und Nasdaq zum Wochenbeginn in ungeahnte Höhen trieben. Sicher, nach vier Wochen teilweise dramatischer Verluste tat eine Rallye not, der Markt war überverkauft, doch ist offen, wo so urplötzlich das Vertrauen in die Börse hergekommen sein soll.

Vieles spricht dafür, dass der Aktienrun am Montag nur eine Ein-Zwei-Dreitagsfliege war. Zum einen die Tatsache, dass die zumindest einige High-Tech-Aktien nachbörslich leicht nachgaben. Es ist das Handlungsmuster der Schnäppchenjäger. Den Markt früh kaufen, Euphorie aufs Parkett bringen und die gemehrten Bestände zur Glocke wieder abstoßen.

Richtig in den Keller ging es nachbörslich indes nicht, und das spricht dafür, dass die Börsen zumindest auf sehr kurzfristige Sicht nochmal ein paar Prozent drauflegen könnten. An Meldungen mangelt es im weiteren Verlauf der Woche nicht: Am Dienstag legt der Software-Hersteller Oracle Zahlen zum abgelaufenen vierten Quartal vor - das Unternehmen hatte bereits vor zwei Wochen versteckt bestätigt. Hält das Orakel was es versprach, dann dürfte die Branche noch einmal klettern, vor allem die Papiere von Siebel Systems, BEA Systems und Microsoft. Aber auch die Papiere der Sektoren Computer-, Chip- und Netzwerke dürften klettern.

Optimismus zeigten Investoren auch vor den Quartalskonferenzen einiger großer Brokerhäuser: Lehman Brothers wird ebenfalls am Dienstag melden, bis Ende der Woche folgen Konferenzen von Goldman Sachs, Bear Stearns und Morgan Stanley. Was von den Brokern zu erwarten ist? Das dürfte ebenso unbekannt wie marktbestimmend sein. Zuletzt hat man nicht viel Positives aus der Branche vernommen, die unter dem neuen Misstrauen der Anleger leidet. Nur ein Fähchen halten die Firmen hoch: Der IPO-Markt, also das Geschäft mit Erstnotiergungen an den amerikanischen Börsen, laufe gut. Das wäre ein sehr optimistisches Zeichen für den Aktienmarkt - und entsprechende Quartalsergebnisse könnten den Markt nachhaltig stützen.

Ende der Woche ist dann wieder alles offen. Es ist dreifacher Hexensabatt, hohe Volatilität ist sicher. In welche Richtung der Aktienmarkt ausschlägt, dürfte sich Stunden oder Minuten vor der Glocke am letzten Handelstag der Woche entscheiden.

© Wall Street Correspondents Inc.

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