Wall Street: Nachbörslich notiert
Bittere Pillen verderben die Oracle-Freude

Die Freude währte nur kurz: Der Software-Hersteller Oracle hatte nachbörslich starke Zahlen vorgelegt, Anleger hatten sich auf eine weitere High-Tech-getriebene Rally am Mittwoch gefreut - doch dann hagelte es schlechte Nachrichten aus dem Chip- und dem PC-Bereich, die die US-Börsen zur Wochenmitte nun doch unter Druck setzen dürften.

wsc NEW YORK. Advanced Micro Devices, kurz: AMD und nach Intel der zweitgrößte Hersteller von Computerchips, warnt, man werde die Gewinnerwartungen im laufenden dritten Quartal verfehlen. Das Management spricht sogar von einem "erheblichen Verlust". Noch schwerer dürfte unterdessen wiegen, dass man auch vor einem schwächer als erwarteten Umsatz warnt: Dass AMD "aufgrund eines nach wie vor schwachen PC-Marktes in Nordamerika und Europa" die Umsatz-Prognosen um mehr als 200 Mio. $ senkt, dürfte Anlegern die Laune vergällen und die Nasdaq in den roten Bereich drücken.

Zumal auch der Computerhersteller Apple von der anhaltend schwachen Nachfrage ein Lied singen kann. Auch das Unternehmen mit dem iMac in der Hinterhand sprach am späten Dienstagabend eine Gewinn- und Umsatzwarnung aus und musste ein nachbörsliches Minus von mehr als 10 % einstecken.

Gegen diese bitteren Pillen dürfte die Wirkung von Muntermacher Oracle im Mittwochshandel verblassen, wenngleich unter den schlechten Nachrichten lediglich die High-Tech-Branchen, nicht aber die Oracle-Aktien leiden dürften. Der kalifornische Programmierer hat im abgelaufenen Quartal 14 Cent Gewinn pro Aktie eingefahren und damit 2 Cent mehr als Analysten erwartet hatten. Auch der Umsatz des Unternehmens war deutlich höher als erwartet, und im Bereich der Lizenzeinnahmen über Software-Großkunden hat man deutlich mehr verdient als selbst Optimisten dem Software-Sorgenkind zugetraut hätten.

Nun stehen die High-Techs vor einer ungewissen zweiten Wochenhälfte - ebenso wie die Finanztitel. Aus den Quartalszahlen von Lehman Brothers (Gewinn besser als erwartet als schlechter als im Vorjahr) vermochten Analysten am Dienstag nicht viel Neues zu interpretieren. Man wartet ab, schließlich melden am Mittwoch die Kollegen von Bear Stearns und Morgan Stanley, Goldman Sachs legt am Donnerstag nach. Dann gibt es auch wieder Konjunkturdaten, die den Handel zum Wochenschluss ebenso mitbestimmen dürften wie die Nachrichten, die erneut aus dem geopolitischen Umfeld auf das Parkett dringen.

Erneut scheint sich die Lage im Israel-Palästina-Konflikt zuzuspitzen. An den US-Börsen wurde der Einmarsch Israels mit ersten Panzern in die palästinensischen Städte Jenin und Ramallah mit Besorgnis aufgenommen. Zwar haben Meldungen aus Kriegs- und Krisengebieten an der Wall Street nicht mehr die Kursschwankungen zur Folge, die man noch zu Beginn des Afghanistankrieges beobachten konnte, doch verfolgt man die Lage konzentriert und mit der Gewissheit, Geld im Notfall schnell aus dem Markt zu nehmen.

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