Wall Street: Nachbörslich notiert
Die dreifache Vertrauenskrise

Die Wall Street ist nach zwei gut gelaunten Wochen wieder in ihre alte Tristesse gefallen.

Den Investoren fehlt das Vertrauen in den Markt, in die Analysten, in den Weltfrieden und sie bleiben lustlos in ihren Ecken sitzen. Nachdem Dow und Nasdaq zum Wochenbeginn schon 2,5 % beziehungsweise 4,5 % abgegeben haben, sieht es für den Rest der Woche nicht besser aus.

Im Gegenteil: Dass die Kurse in den nächsten Tagen noch weiter fallen ist sehr wahrscheinlich. Grundsätzlich hat das mit der Vertrauenskrise zu tun, die Merrill Lynch am Dienstag mit der halbseidenen Einigung mit der Generalstaatsanwaltschaft wieder in Erinnerung gerufen hat. Und mit der Angst der Anleger vor weiteren Terror-Attacken, vor denen aus Washington gewarnt wird. Angeblich sind erneut "Attacken gegen New Yorker Wahrzeichen" geplant - und wenngleich das auf dem Parkett nur eine untergeordnete Rolle spielt, drückt es doch auf die Stimmung.

Ansonsten ist die Nachrichtenlage flau. Und wo man einst dachte, keine Nachrichten seien zumindest kein Verkaufsgrund, so denkt man heute, keine Nachrichten sind kein Kaufgrund.

Keine Nachrichten? Nun ja, am Donnerstag steht die Quartalskonferenz des Netzwerkers Ciena an, doch es ist lange her, dass dieser den Markt positiv beeinflusst hätte. Vorher - am Mittwoch - meldet nur der Chiphersteller Nvidia, der unter anderem Microsoft für die Xbox beliefert, und über den es noch am Dienstag positive Kommentare unter anderem von Bear Stearns gegeben hat. Doch ist nicht damit zu rechnen, dass Nvidia den Sektor oder gar den Markt bewegen kann - allein die eigene Aktie dürfte profitieren, wenn die Zahlen entsprechend ausfallen.

Grundsätzlich macht Analysten die Tech-Schwäche mittlerweile Sorgen, und zwar vor allem, was deren Gewichtung in den Indizes und im Bewusstsein der Anleger angeht. High-Tech-Unternehmen tragen nur 4 % zum US-Bruttoinlandsprodukt bei, dafür fällt auf den Sektor gut die Hälfte des Handelsvolumens im marktbreiten S&P 500-Index.

Dem Anleger ist dieses Missverhältnis in der Gewichtung nicht klar. Er sieht fallende Indizes und glaubt an eine im Großen und Ganzen schwache Konjunktur. Dabei haben die Statistiker von A.G. Edwards ermittelt, dass Aktien aus dem Nicht-Techbereich in den vergangenen 6 Monaten um durchschnittlich 10 % geklettert sind. Die miesen High-Techs haben den Index indes um 20 % in den Keller geschickt.

Angesichts dieser Ergebnisse ist ein Aufschwung schwer zu vermitteln.

© Wall Street Correspondents, Inc.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%