Wall Street: Nachbörslich notiert
Die Rettungsinseln sind gesunken

In den ersten Stunden nach Börsenschluss blieben die ganz großen Kursschwankungen aus, doch damit ist die Gefahr von Anschlussverlusten nach dem schwachen Dienstagshandel nicht gebannt.

NEW YORK. High-Tech-Anleger fürchten weitere schlechte Nachrichten von einem Branchenmeeting bei Bear Stearns, außerdem könnten sich andere Analystenhäuser vom PC-Pessimismus der Experten bei Goldman Sachs anstecken lassen.

Vor allem aber hinter der Aktie von Nokia sehen Marktbeobachter noch Gefahr lauern. Denn nach einem unerwartet starken Handel für die Papiere des finnischen Handy-Spezialisten sind einige Fragen offen geblieben: Warum konnte die Aktie 5 % zulegen? Haben Anleger plötzlich wieder auf die Gewinne geschaut und den Umsatz außer acht lassen? Lassen sich Investoren von Kostensenkungen und Massenentlassungen blenden? Und wenn ja, ist es Naivität oder Hoffnung, die hinter der Fehlinterpretation steckt?

Denn die Tatsachen stehen im Raum: Nokia hält an seinen Gewinnprognosen für das laufende Quartal fest, doch ist man pessimistisch was den Umsatz anbelangt. Doch der ist der eigentlich Antrieb für den Markt. Denn Kostensenkungen nutzen wohl kurzfristig einem Unternehmen, gehen aber zu Lasten des Arbeitsmarktes, des Verbrauchervertrauens und damit letztlich der Volkswirtschaft.

Vielmehr als kurzsichtige Tech-Interpretationen und schlechte Nachrichten aus dem Chip- und PC-Sektor dürfte allerdings ein anderer Punkt dem Markt schaden: Der Börse sind die sicheren Häfen abhanden gekommen, die Rettungsinseln, auf die sich Anleger so gerne zurückzogen, wenn es mit den Wachstumswerten bergab ging oder eine bestimmte Branche zeitweilig unter Beschuss geriet. Energie- und Pharmawerte waren beliebte Inseln, doch sind diese geflutet. Untergegangen im eisigen Sturm des neuen Misstrauens und Konjunkturpessimismus.

Aus der Konjunktur kommen nach einem ruhigen Wochenauftakt übrigens am Mittwoch und in den folgenden Tagen wieder Meldungen. Die Notenbank legt ihr "Beige Book" mit Anmerkungen und Interpretationen zur ökonomischen Lage der Nation vor, am Donnerstag und Freitag gibt es Daten zu den Produzentenpreisen, der Industrieproduktion, der Kapazitätsauslastung und zum Verbrauchervertrauen. Darauf, dass positive Indikatoren den Markt nachhaltig stützen, vertraut an der Wall Street zwar kaum einer mehr. Doch zumindest kurzzeitig könnten sie ein kleines Stimmungshoch auslösen, Kauflust entfachen und dem Markt eine Zwischenrallye bescheren.

© Wall Street Correspondents, Inc.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%