Wall Street: Nachbörslich notiert
Ein Montag wie aus dem Lehrbuch 2003

Der Montag, und zwar genau der Montag dieser Woche, könnte in die Börsenlexika eingehen. Wie kaum ein anderer Tag symbolisierte er die Stimmung an den Börsen, die Handelstrends und-tendenzen, die sich an der Wall Street seit Wochen abspielen und auch noch ein paar Wochen abspielen werden.

NEW YORK. Der gute Wochenstart steht für den nicht tot zu kriegenden Optimismus, der die Wall Street über weite Strecken auszeichnet. Da fängt der Geheimdienst einen einzelnen Terroristen, da vernichtet Saddam Hussein ein paar Raketen, und der Markt nimmt das als hoffnungsfrohes Zeichen und lässt die Indizes klettern. Voreilig, wie man wenig später bemerkt. Denn der Terrorist steht für nichts als höchstens das Versagen der USA, bin-Laden zu finden, und wo der Irak Raketen vernichtet, geraten am Himmel nordkoreanische Fighter mir US-Spionagejets ins Gehege.

Auch dass die persönlichen Einnahmen und Ausgaben der Amerikaner für Januar nahe der Erwartungen ausfielen, nahm der Markt als eher gutes Zeichen - wenngleich nahe eher drunter war als drüber. Erst das nur schwache Wachstum im Produzierenden Gewerbe, die schwachen Absatzzahlen der Automobilindustrie und klare Worte von Warren Buffet über den Irrsinn des Kaufens führen den Markt zurück auf Kurs - nach unten.

Wie der Montag, so das Jahr - das klingt zwar etwas weit hergeholt, ist sicherlich auch sehr allgemein und ungenau ausgedrückt, stimmt aber im Ansatz. Und in der aktuellen Situation der totalen Ordnungslosigkeit reicht das allemal.

Die US-Märkte begannen das Jahr mit einer Rallye, die eigentlich schon im Vorjahr gestartet war - im Monatagshandel war das die erste halbe Stunde. Erst nach wenigen Wochen merkte man, dass die geopolitischen Schwierigkeiten und die Signale aus der Konjunktur nicht stimmten. Es ging und geht wieder abwärts - im Montagshandel war das der Vormittag. Danach, und also im weiteren Verlauf des Jahres und im Handel nach Irak, wird man merken, dass auch die Unternehmensergebnisse nicht ausreichen, weitere Kursgewinne zu rechtfertigen, und dann werden die Märkte ganz einbrechen - im Montagshandel war das der Nachmittag nach den GM-Zahlen.

Konsequent zu Ende gedacht, würde man das Jahr erneut im Minus beschließen, und wenn Experten sagen, dies wäre nur deshalb kaum möglich, weil es vier rote Jahre in Folge nie zuvor gab, dann ist das nur lachhaft. Schließlich gab es einen Aktienboom wie in den Jahren vor der aktuellen Baisse auch noch nie zuvor.

Für den Dienstagshandel stehen die Karten vorab nicht gut, Kaufgründe lassen sich nicht erkennen. Zu den durchwachsenen Zahlen aus dem Chipbereich - weltweite Umsatzverluste für die Branche, nur bedingt positive Aussichten euphorischer Analysten für Intel -, kamen auch von Fairchild Semiconductor am Montagabend kaum überzeugende Nachrichten. Das Unternehmen sieht zwar den Umsatz im laufenden Quartal zur Zeit etwas über den ursprünglichen Prognosen, rechnet aber auch mit schwächeren Margen und einem Gewinn unter den bisherigen Zahlen.

Quartalszahlen gibt es am Dienstag von einigen Einzelhändlern, ansonsten sie die Ertragssaison gelaufen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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