Wall Street: Nachbörslich notiert
Es lebe der Feierabend

Wenn an der Wall Street die Schlussglocke schlägt, dann fährt manchem Händler ein Lächeln übers Gesicht. Der Tag war lang, und gegen Ende des Jahres, wenn es draußen dunkel und kalt ist, fällt das umso mehr auf. Doch bei Glockenschlag ist Feierabend, und der ist der schönste Teil des Tages.

NEW YORK. Am Mittwochabend galt das umso mehr, nicht nur weil es besonders kalt und der Handel besonders frustrierend war, sondern weil zum Feierabend die grünen Pfeile kamen. Nachdem der katastrophale Fehlschlag des Chipherstellers Micron die US-Börsen zur Wochenmitte drastisch unter Druck gesetzt hatte, meldete am Abend der Software-Riese Oracle starke Ergebnisse. Geschafft hat man das dank krasser Kostensenkungen und eines hohen Umsatzes.

Unterm Strich steht bei Oracle für die vergangenen drei Monate ein Gewinn von 535 Mill. $ oder 10 Cent pro Aktie - erwartet hatten die Experten lediglich ein Plus von 8 Cent pro Papier. Auch der Umsatz fiel mit 2,3 Mrd. $ höher aus als erwartet. "Trotz des schwachen Umfelds konnten wir die Kundenbasis ausbauen", sagt Finanzchef Jeff Henley. "So nehmen unsere Lizenzgebühren zu, und das ist das Rückgrat unseres Unternehmens." Die Lizenz zu Gewinnen? - Schön, so etwas.

Diese scheint übrigens auch Palm zu haben. Der Hersteller von Handhelds und Organizern hat im abgelaufenen Vierteljahr überraschend den Sprung in die Profitabilität geschafft - die Wall Street hatte mit einem Verlust von 15 Cent pro Aktie gerechnet. Zu verdanken hat man das nicht nur den drastischen Kostensenkungen sondern vor allem der Einführung zweier neuer Modelle, mit denen das Unternehmen die Kundenbasis spürbar ausbauen konnte: den "Zire" am unteren Ende der Preisspanne und den "Tungsten" für professionelle oder einfach wohlhabende User. Ein Gewinn von 12 Cent pro Aktie und ein Marktanteil von 60 % beflügelt die Aktie, Investoren ließen das Papier am späten Abend um 12 % klettern.

Auch aus dem Einzelhandel gab?s zu Feierabend eine starke Zahl. Nach Pier 1 Imports am Vorabend meldete auch Bed Bath & Beyond starke Ergebnisse - es sind eben die Möbel- und Einrichtungshäuser, die auch im darbenden Einzelhandelsumfeld dank des Baubooms Gewinne machen. Die Kette weist für das abgelaufene Quartal ein Umsatzplus von 23,3 % auf 936 Mio. $ aus, genug um einen Gewinn von 75,1 Mio. $ oder 25 Cent pro Aktie einzufahren. Damit schlägt Bed Bath & Beyond wieder einmal die Prognosen der Analysten.

Wie weit drei Einzelaktien am Donnerstag den Handel beeinflussen, ist offen. Ihre Ergebnisse sind nicht unbedingt auf Branchen oder gar den Markt zu übertragen. Deshalb werden sich Anleger und Analysten im Tagesverlauf wohl auf die anfallenden Konjunkturdaten (Führende Indikatoren, Phily Fed und Erstanträge) stützen müssen, außerdem melden mit Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley drei weitere Brokerhäuser. Es bleibt abzuwarten, ob sie mit dem starken Ergebnis von Bear Stearns am Mittwoch gleichziehen können.

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