Wall Street: Nachbörslich notiert
Grünes Licht für Tyco, Rote Karte für Waksal

Nachdem die US-Börsen am Mittwoch einen unentschlossenen Handel erlebt und sich trotz einer wenig euphorischen Lesung im "Beige Book" der Notenbank zu einer Nachmittagsrallye hatten aufraffen können, ließen Anleger Daten, Fakten und Kommentare über Nacht noch einmal ruhen.

NEW YORK. Zahlreiche Aktien schlugen auch nach der Schlussglocke ins Plus, doch deuten Experten das mittlerweile zurückhaltend und nicht mehr als Zeichen für einen optimistisch gestimmten Markt - zu flüchtig ist die Kraft positiver Nachrichten.

So legte der zuletzt in allerhand Schwierigkeiten geratene Industrie-Multi Tyco über Nacht 20 % zu, nachdem die Aktie im Tagesverlauf noch deutlich verloren hatte. Der Grund: Das Unternehmen hat grünes Licht für den Börsengang der Finanzsparte CIT bekommen. Diese ist der einzige von ursprünglich vier Unternehmenssektoren, die Tyco ursprünglich hatte ausgliedern wollen. Tyco nahm die erfreuliche Nachricht zum Anlass, in einem Rundruf auch gleich die Ergebniserwartungen für das laufende Quartal zu bestätigen, was der Aktie ebenfalls Kraft gab.

Doch Licht am Ende des Tunnels dürften Aktionäre noch lange nicht sehen - eine gute Nachricht zieht Tyco nicht aus dem Sumpf der laufenden Ermittlungen und gibt Anlegern auch nicht das verlorene Vertrauen in Bilanz und Performance des Mischkonzerns wieder. Im Gegenteil: Ebenfalls nachbörslich gab es die ersten Abstriche: Die Rating-Experten von Moody?s haben einen großen Teil der Tyco-Schulden auf das Müll-Level "Junk" abgestuft, die Kollegen von Standard & Poor?s drohen nachzuziehen.

Auch im High-Tech-Bereich besteht immer die Gefahr, dass sich Anleger zu früh freuen, zum Beispiel über die Kursgewinne für den Software-Hersteller Siebel Systems und den Netzwerker Juniper. Bei beiden Aktien handelte es sich um späte technische Reaktionen auf die dramatischen Verluste des Handelstages. Sie dürften keinen Bestand haben.

Eher schon das Beige-Book der Federal Reserve, das am Mittwochmittag veröffentlicht wurde. Das fiel nicht so gut aus, wie sich viele Marktexperten erhofft hatten, doch werden sich Analysten noch eingehend mit den Stellungnahmen der Notenbank und dem zugehörigen Zahlensatz befassen - was sie über Nacht finden könnte den Markt am Donnerstag noch einmal bewegen.

Nicht zwingend den Markt, wohl aber die Aktie von ImClone und ganz bestimmt die Gemüter wird weiterhin das Schicksal des ehemaligen Biotech-CEOs Sam Waksal bewegen. Der hat beschlossen, bei einem Gerichtstermin am Donnerstag vorerst nicht auszusagen, weshalb, darüber darf und wird nun wild spekuliert werden.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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